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Die SNB, Target2 und die Steuerzahler in der Schweiz

Um den Target2-Saldo der Bundesbank ist es in den letzten Monaten und Jahren sehr ruhig geworden, dabei ist dieser Saldo in in den letzten drei Monaten, zweifellos als Ergebnis der Griechenland-Krise, wieder merklich gestiegen – von 461 Mrd Euro auf zuletzt 543 Mrd Euro. Wo sind nun all die Warner, angeführt von Hans-Werner-Sinn, die uns die kommende finanzielle Katastrophe vorrechnen.

Dabei führt uns der kleine Nachbar im Süden was passiert, wenn man auf Warner nicht hört – nämlich … gar nichts. Am Anfang der Jahres hat die SNB den Wechselkurs des Franken freigegeben und dementsprechend massive Buchverluste auf ihre Devisen (v.a. Euro) – Reserven eingefahren. So etwas würde mit den deutschen Target2-Positionen im Falle eines Euro-Austritts (oder kompletten Zerfalls) passieren – sie würden nämlich zu Devisenreserven und abwerten. Die Größe des Verlusts – 50 Mrd CHF, das entspricht, wenn man auf das deutsche BIP umrechnet, 225 Mrd EUR oder 42% des aktuellen Target2-Saldo.

Aber in der Schweiz zieht keiner gegen die SNB vor Gericht um ihr zumindest in Zukunft eine gegenüber dem schweizerischen Steuerzahler derart verantwotungslose Politik zu untersagen, die Schweizer haben anscheinend im Moment andere Sorgen. Zeit Hans-Werner-Sinn in die Schweiz zu schicken, damit er den Eidgenossen erklärt, wo ihr eigentliches Problem liegt.

Die SNB – Angst vor der Pleite?

Die schweizerische Zentralbank, die SNB, hat diese Woche, wie die meisten wohl mitbekommen haben, den von ihr seit September 2011 verteidigten Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro überraschend aufgehoben. Nach heftigen Ausschlägen hat sich der Kurs mittlerweile bei ca. 1 Franken pro Euro eingependelt – eine 20% Aufwertung.

Jetzt fragen sich natürlich alle, was der Grund für diese sehr überraschende Entscheidung war – schließlich ist sie mit großen Risiken verbunden. Die Schweiz befindet sich jetzt schon in der Deflation, die 20% Aufwertung des Franken wird diese Deflation weiter verstärken. Sicher, noch handelt es sich um eine „gute“ Deflation, allerdings wird die Aufwertung die Nachfrage nach schweizerischen Produkten im Ausland einbrechen lassen, ein Schock für die Export-Industrie. Dieser Schock kann die gute Deflation durchaus in böse verwandeln und wenn dies passieren sollte, wird die SNB große Schwierigkeiten haben dagegen anzukämpfen, der kurzfristige Zins liegt mittlerweile bei sage und schreibe -0,75%, nicht mehr lang, bis die Banken beginnen Bargeld zu horten, zumal das schweizerische Bargeld sich mit seinen 1000 Franken-Banknoten Noten hervorragend zum Horten eignet. Und seiner eigenen Vertrauenswürdigkeit hat die SNB, wie Paul Krugman richtig sagt, einen Todesstoß versetzt – niemand wird mehr ihren möglichen Beteuerungen glauben die Deflation mit allen Mitteln beenden zu wollen.

Also warum tut die SNB so etwas? Ich glaube die beste Erklärung kommt von Cullen Roche – die SNB scheint tatsächlich, wie unsinnig das auch klingt, Angst vor dem eigenen Bankrott bekommen zu haben. Schon jetzt hat sie durch die Freigabe des Kurses einen Buchverlust von ca. 60 Mrd CHF eingefahren, das sind ca. drei Viertel ihres Eigenkapitals. Hätte sie noch länger gewartet (und immer mehr Euros eingekauft), würde eine möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt aus geldpolitischen Gründen tatsächlich notwendige Aufwertung, ihr Eigenkapital ganz auffressen, so dass eine technische Insolvenz eingetreten wäre.

Nun, wie ich an dieser Stelle dargelegt habe, ist eine technische Insolvenz für eine Zentralbank eigentlich absolut kein Problem, wenn man die Reaktion der Politik und der Öffentlichkeit, welchen die feinen Unterschiede zwischen einer Zentralbank und einer Geschäftsbank normalerweise entgehen, außer Acht läßt. Vor genau diesen Reaktionen hat die SNB wohl kalte Füße gekriegt, und dabei möglicherweise einen großen Fehler im Hinblick auf ihre eigentliche Aufgabe begangen.