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Die Neo-Fisherianer

Der Wirtschaftswurm meint, die Volkswirtschaftslehre wäre zwar eine inexakte Wissenschaft in dem Sinne, dass sie keine exakten Vorhersagen über die Wirkung einer wirtschaftspolitischen Maßnahme machen kann, dass sie aber zumindest imstande ist die Richtung der Änderungen zu bestimmen.

Ich bin da weniger optimistisch, zumindest was die Makroökonomie angeht, und eine langlaufende Debatte in der englischsprachigen Blogosphere bestärkt mich darin. Konkret geht es in der Diskussion um folgende Frage: wenn eine Zentralbank meint die Inflation wäre zu hoch (für die EZB wäre es eine Inflation, die signifikant über dem Inflationsziel von 2% liegt), sollte sie ihren Leitzins erhöhen oder senken? Jeder, der den Wirtschaftsteil der Zeitung aufmerksam liest, wird sich jetzt wahrscheinlich wundern: wurde diese Frage in der VWL nicht schon vor langem endgültig geklärt, und zwar so, dass man bei einer zu hohen Inflation die Zinsen erhöht und bei einer zu niedrigen (wie z.B. jetzt in der Eurozone) die Zinsen senkt? Dachte ich auch, aber offenbar falsch gedacht, es gibt eine ganze Reihe mehr oder weniger prominenten Wirtschaftsblogger (alles professionelle Ökonomen, die sich tief mit Geldtheorie beschäftigen, wie z.B. John Cochraine oder Steve Williamson), die das genaue Gegenteil behaupten und zwar mit folgender Argumentation:

Im mittelfristigen Gleichgewicht gilt folgende vom amerikanischen Ökonomen Irving Fisher erdachte Gleichung (eigentlich eine Identität):

i = r+pi

Hierbei sind, i – der Nominalzins ist, den die Zentralbank via Leitzins steuert, r – der sogenannte natürliche Zins, den die Zentralbank nicht beeinflussen kann, und schließlich pi – die Inflation. Da r in der mittleren Frist als eine Konstante betrachtet werden kann, folgt daraus direkt, dass eine Senkung von i zu einer sinkenden Inflation führt.

Klingt plausibel, nicht wahr? Heißt es nun, dass die EZB und die anderen Zentralbanken ihren „Instrument“ genau andersherum bedienen? Davon sind die oben angesprochenen Ökonomen, die von Noah Smith als Neo-Fisherianer bezeichnet werden, überzeugt und untermauen ihre Meinung mit diversen mathematisch sehr anspruchsvollen Modellen.

Ob und wo es ein Loch in der Argumentation der Neo-Fisherianer gibt, diese Frage soll jeder Leser für sich selbst beantworten. Ein kleiner Hinweis sei jedoch erlaubt: es gab in der Geschichte schon mal eine Zentralbank, die ihren Leitzins zwischen 1914 und 1923 konstant bei 5% hielt, trotz der immer weiter steigenden Inflation. Das Ergebnis hat das deutsche Volk für die nächsten 100 Jahre nachhaltig traumatisiert.

Und nun eine (rhetorische) Frage an den Wirtschaftswurm, wenn die VWL die, für unsere Wirtschaft gerade jetzt nicht ganz unwichtige, Leitzinsfrage offensichtlich nicht definitiv beantworten kann, was gibt ihm die Sicherheit, dass es bei der, wahrscheinlich weniger wichtigen, Mindestlohnfrage anders ist?

Sind Banken was besonderes – die nächste Runde

Die ewige Diskussion um die besondere Rolle der Banken ist wieder da – diesmal war der Auslöser ein Artikel aus dem Hause Bank of England. Der sehr lesenswerte Artikel schlägt sich ganz klar auf die Seite der Bankentheorie.

Inzwischen haben sich viele der Who is Who’s der englischsprachigen Blogosphere zu Wort gemeldet – u.a. Nick Rowe, David Glasner, Scott Sumner, Simon Wren Lewis und Steve Williamson.

Für mich lautet die Gretchenfrage dieser Debatte, wie in diesem Beitrag schon mal ausführlich dargestellt, wie folgt: würde eine Geldwirtschaft, in der Girogeld aufgrund einer (wie auch immer gearteten) institutionellen Einschränkung NICHT als Zahlungsmittel benutzt werden darf (soll heißen, Banken schöpfen keine Zahlungsmittel), sich ceterus paribus signifikant anders verhalten als eine, im der diese Einschränkung nicht existiert.

Solange diese Frage nicht beantwortet ist, wird die Diskussion, fürchte ich, uns weiter begleiten.

Einvernehmliche Auflösung der Eurozone – kann das gehen ?

Eigentlich wollte ich diese Woche das Handelsblatt-Interview des frischgebackenen AfD-Mitglieds und jetzt auch EU-Parlamentskandidaten Hans-Olaf Henkel besprechen. Herr Henkel scheint zu denken, dass für die Euro-Stabilisierung ein neuer Morgenthau-Plan vonnöten wäre und nur die AfD und er speziell stehen dafür, dass ein solcher Plan nicht verwirklicht wird -:) Aber Spaß beiseite, anscheinend hat Herr Henkel ernsthafte Schwierigkeiten bei der Unterscheidung der nominalen (Wechselkurs, nominale Lohnstückkosten, Preisniveau) und realen (Produktivität) Größen. Für einen selbsternannten Nationalökonomen möglicherweise doch ein Defizit oder? Wie gesagt, darüber wollte ich schreiben, aber Heiner Flassbeck war schneller – Hans-Olaf Henkel verstärkt die AfD – auch mit seinem Unwissen

So würde ich diese Woche vielleicht gar kein Thema haben, über welches ich schreiben könnte, aber zum Glück hat Alexander Dilger einen neuen Beitrag in seiner Serie über die Wege zur Euro-Auflösung veröffentlicht und das hat mich dazu inspiriert meine eigene, spontan entstandene, dreiteilige Serie (hier, hier und hier) über die kleinen Details, die einem beim Euro-Austritt das Leben sehr schwermachen können, zum Abschluss zu bringen und zwar indem ich den aus meiner Sicht einzigen möglichen Weg darlege, wie man den Euro beenden kann ohne einen wirtschaftlichen Desaster zu riskieren.

Bevor man so etwas überhaupt ins Auge fasst muß man sich erst einmal darüber klar werden, dass, genauso wie die Euro-Einführung selbst, eine mögliche Auflösung der Eurozone ein einmaliges Vorhaben wäre. Oft wird in diesem Zusammenhang auf andere Währungsverbünde der Geschichte verwiesen, wie z.B die Lateinische Münzunion, die nach ca. 70 Jahren Existenz aufgelöst wurde, das hieße aber Äpfel mit Birnen vergleichen, denn solche Währungsverbünde funktionierten ganz anders als die Eurozone und waren deswegen auch viel leichter auflösbar. Meines Wissens gab es in der jüngeren Geldgeschichte nur zwei Beispiele, die zumindest annähernd die gleiche Qualität hatten – die Auflösung der Rubelzone 1992 und die Abschaffung der tschechoslowakischen Krone 1993. In beiden Fällen handelte es sich allerdings um noch kurz zuvor kommunistische Staaten, so dass das Finanzsystem entsprechend unterentwickelt und die Erkenntnisse für den Fall der Eurozone entsprechend sehr dürftig sind.

In diesem Sinne müssen die möglichen Architekten einer Rückkehr zu nationalen Währungen sehr vorsichtig vorgehen, wollen sie keine wirtschaftlichen Katastrophen auslösen. Aus meiner Sicht gibt es hier nur einen möglichen Weg – eine phasenweise Rückabwicklung aller Maßnahmen, die zwischen dem Maastricht-Vertrag 1992 und der Euro-Einführung 1999 vollzogen wurden. Da aber eine solche Rückabwicklung wesentlich komplizierter ist als die „Hinabwicklung“, muß sie auch entsprechend länger dauern, ich würde da von mindesten 15 Jahren ausgehen. Über Nacht, wie Alexander Dilger sich das wünscht, geht es schon mal gar nicht.

Wie würde man da aber konkret vorgehen? Anfangen sollte man mit einer klaren und unmißverständlichen Ankündigung seitens der Eurozone-Mitglieder, dass sie die Eurozone auf lange Sicht auflösen wollen, gleichzeitig aber auch, dass sie in kurzer Frist alles tun würden, inklusive unbegrenzter Interventionen der EZB, um deren chaotischen Zusammenbruch zu verhindern. Hilfreich wäre eine gleichzeitige Veröffentlung eines detaillierten langfristigen Plans. Ein solcher Plan könnte schematisch 3 Phasen umfassen.

1. Phase – Rückabwicklung aller gemeinsamen Institutionen der Eurozone wie z.B SEPA, und TARGET2 und ganz am Ende der EZB. Zum Schluss übernehmen die nationalen Zentralbanken wieder die Verantwortung für die Geldpolitik der jeweiligen Länder, handeln aber in Abstimmung miteinander und verpflichten sich insbesondere den Wechselkurs der verschiedenen „Euros“ untereinander mit allen Mitteln zu verteidigen. Am Ende dieser Phase wäre die Eurozone faktisch aus einem Währungsverbund zu einem Festwechselkurssystem a la Bretton Woods geworden, wobei der Euro nominal noch bestehen bleibt.

2. Phase – Wiedereinführung der nationalen Währungen inklusive des Bargeldumtauschs unter Fortführung des Festwechselkurssystems. Die Umstellung vom Euro zu den neuen DM, Frank, Lira etc. sollte 1 zu 1 geschehen um unnötige Umstellungskosten zu vermeiden. Das Ende diese Phase sollte zeitlich offen sein, um Spekulationen einzudämmen.

3. Einführung der flexiblen Wechselkurse, zuerst in engen Korridoren, die dann ausgeweitet werden.

Fazit: die Frage, ob man die Eurozone einigermaßen geregelt auflösen kann, wäre mit einem vorsichtigen ja zu beantworten, der Zeitraum wäre allerdings so lang, dass man diese Zeit besser verwenden sollte um stattdessen die Eurozone krisenfest zu machen, indem man deren offensichtliche Defizite abstellt.

Die Rolle der Banken – ein Paar Gedanken

Weihnachten steht vor der Tür und ich, wie Millionen Mitbürger, habe Urlaub und keine Lust mich mit meinem Blog zu beschäftigen:-) Gute Gelegenheit also einen Beitrag rauszubringen, den ich schon vor Monaten geschrieben, aber die Veröffentlichung immer wieder zugunsten aktuellerer Themen hinausgeschoben habe.

Ansonsten wünsche ich allen Lesern einen besinnlichen Heiligabend, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Auf Wiedersehen im nächsten Jahr.

In diesem Artikel habe ich neulich über die Diskussion zur Rolle der Banken in den modernen Volkswirtschaften berichtet, die in der englischen Wirtschaftsblogosphere immer wieder aufflammt. Zur Erinnerung: es geht darum, ob die Banken eine ganz besondere, ja tragende, Rolle in unserer Volkswirtschaft spielen und in den makroökonomischen Modellen entsprechend integriert werden müssen, ein Standpunkt den z.B. Steve Keen oder Cullen Roche vertreten, oder ob sich die Banken nur wenig, wenn überhaupt von den anderen Finanzintermediären unterscheiden – der Standpunkt von Paul Krugman.

Die Vertreter des ersten Standpunktes untermauern ihre Sicht der Dinge vor allem mit der Tatsache, dass bestimmte Verbindlichkeiten der Banken – die Sichteinlagen, in unserer Wirtschaft eine Geldfunktion haben, mittlerweile wird sogar der Großteil der Geldtransaktionen mit diesem sogenannten Buchgeld durchgeführt, anstatt des Basisgeldes, das von den Zentralbanken emittiert wird. Es ist diese Buchgeldschöpfung, die laut Roche, Keen und Co., die Banken zu ganz speziellen Institutionen machen, Banken seien in den Worten von Roche „oil in our monetary machine“.

Noch bis vor kurzem war ich auch ein Anhänger dieser „Bankentheorie“, aber inzwischen, nachdem sich Paul Krugman und andere Mainstream-Ökonomen sich doch noch ab und zu dazu herablassen, ihren Standpunkt zumindest teilweise zu erläutern, kommen mir doch immer mehr Zweifel. Sind die Banken etwas besonderes, wenn sie denn wirklich etwas besonderes sind, weil sie Buchgeld schöpfen oder spielen da eher andere Gründe eine Rolle?

Und neulich kam mir dann folgender Gedanke – wie würde eigentlich eine Volkswirtschaft funktionieren, in der die Banken zwar Sichteinlagen anbieten, diese aber keine Geldfunktion haben, weil die Banken keine Überweisungen ausführen dürfen? Geldtransaktionen werden in einer solchen Volkswirtschaft ausschließlich mit Basisgeld ausgeführt. Hat die Existenz der Banken in einer solchen Volkswirtschaft keine Auswirkungen auf das Funktionieren des Geldsystems, wie z.B. auf das Preisniveau?

Um diese Fragen zu beantworten, stellen wir uns zunächst einmal eine kleine Volkswirtschaft vor, die ein einziges Gut herstellt – z.B. Äpfel. In dieser Volkswirtschaft gibt es keine Banken, vielmehr benutzen die Bewohner im Handel untereinander Goldmünzen, deren Vorrat sich auf eine fixe Anzahl von 100.000 Stück beläuft. Nehmen wir nun an, jeden Tag wird in unserer Volkswirtschaft eine Tonne Äpfel ge- bzw. verkauft. Wie hoch ist nun der Preis eines Kilo Äpfel? Die Antwort auf diese Frage folgt bekanntlich direkt aus der Quantitätsgleichnung des Geldes, hier in der Cambridge-Version:

\bf M = kPY

M steht dabei für die Geldmenge, in unserem Fall also 100.000 Münzen, Y für den realen (Tages)Umsatz, in unserem Fall 1000 Kilo und P für den gesuchten Preis. Eine Schlüsselrolle kommt dem Koeffizient k zu, der uns sagt, wie groß die Geldnachfrage ist. Anders formuliert bestimmt k wie viele Tagesumsätze die Bewohner der Volkswirtschaft durchschnittlich in ihrer Kasse halten wünschen. Nehmen wir jetzt an, k beträgt 10, dann beträgt der Preis eines Kilo Äpfel 10 Münzen und der tägliche Geldumsatz unserer Volkswirtschaft 10.000 Münzen.

Eines Tages kommt ein besonders pfiffiger Bewohner unserer Volkswirtschaft auf die Idee eine Bank zu gründen. Er bietet den anderen an, ihre Geldmünzen bei ihm sicher zu hinterlegen und verspricht diese bei Bedarf unverzüglich wieder auszuhändigen. Die Idee stößt bei der Bevölkerung auf begeisterte Zustimmung, und bald hält kein Mensch mehr Münzen zu Hause, wo sie geklaut werden können, sondern nur noch bei der Bank. Während die Kasse der Bewohner früher eine gut gesicherte Schatztruhe war, ist es jetzt eine Sichteinlage bei der Bank. Die Bank bietet keine Überweisungen an, vielmehr bürgert es sich bei den Bewohnern an, jeden Morgen die für die Tagestransaktionen erforderliche Münzen abzuheben und abends den verbliebenen Münzvorrat wieder einzuzahlen. D.h. die Sichteinlagen sind kein Geld, weil sie die wichtigste Geldfunktion, die Zahlungsmittelfunktion nicht erfüllen. Geld sind in unserer Volkswirtschaft nach wie vor Münzen.

Nun, durch die Bankgründung ändert sich in der Volkswirtschaft am Anfang nichts, die Münzen liegen jetzt zwar bei der Bank und nicht mehr bei der Bewohnern zu Hause, aber die Geldnachfrage und die Geldmenge sind immer noch die gleichen und damit auch das Preisniveau. Unser Banker merkt aber irgendwann, dass nur 10.000 Münzen täglich abgehoben werden, d.h. die restlichen 90.000 liegen sozusagen brach. Er kommt nun auf die Idee Kredite zu vergeben. Das macht er auf eine ganz einfache Weise, so wie die realen Banken das auch tun: wenn jemand bei ihm ein Kredit aufnimmt, öffnet er für ihn eine Sichteinlage. Diese Sichteinlage unterscheidet sich in nichts von den ursprünglichen Sichteinlagen, der Kreditnehmer hebt nun, so wie die anderen auch, täglich Münzen ab und zahlt welche täglich ein. Durch die Einführung der Kreditvergabe ist die Sichteinlagenmenge von jetzt an größer als die Geldmenge M, jeder Kunde denkt aber nach wie vor, dass seine die Größe seiner Kasse der Größe seiner Sichteinlage entspricht (warum sollte er auch etwas anderes denken), obwohl das in der Summe nicht mehr stimmt. Da aber der Geldnachfragekoeffizient k nach wie vor bei 10 liegt, heißt es, dass durch die Einführung der Kreditvergabe unsere ursprüngliche Quantitätsgleichung nicht mehr gilt. Vielmehr gilt jetzt eine modifizierte Version derselben, die wie folgt lautet:

\bf D = kPY

Die neue Quantitätsgleichung hat die gleiche Form wie die ursprüngliche, anstelle der Geldmenge M steht aber die Sichteinlagenmenge D. Was passiert nun mit dem Preisniveau? Das hängt davon ab, wie groß die Sichteinlagenmenge D wird. Im Extremfall wächst D solange, bis die Bank bei der Bedienung der täglichen Abhebungen an ihre Grenzen stößt, d.h. bis der tägliche Geldumsatz und damit das tägliche Abhebevolumen 100.000 Münzen beträgt (die gesamte Münzmenge). In diesem Fall wird der Preis eines Kilo Äpfels sich verzehnfachen und 100 Münzen betragen.

Die Einführung einer kreditvergebenden Bank löst also eine Geldentwertung von bis zu 1000% aus, obwohl die Bank nach wie vor kein Geld schöpft.

Wie interpretiert man nun diesen Sachverhalt. Hierzu gibt es zwei Ansätze;

Die erste Ansatz besteht darin eine Sichteinlage zu einer geldnahen Forderung zu erklären, heißt einer Forderung, die zwar keine Geldfunktion hat, aber schnell und ohne Kosten zu Geld gemacht werden kann. Die Bank kann also kein Geld schöpfen, dafür aber geldnahe Forderungen. Darauf basierend definiert man nun eine Geldmenge, die nicht nur das eigentliche Geld im Besitz der Nichtbanken (in unserem Beispiel gibt es so was nicht, weil alle Münzen bei der Bank liegen) sondern auch die geldnahen Forderungen umfasst. Das ist der Ansatz, den heute die Zentralbanken verfolgen, so enthält z.B. die Geldmenge M2 auch Festgeld, dass keine Zahlungsmittelfunktion erfüllt und damit kein Geld im eigentlichen Sinne ist (siehe hierzu auch diesen Beitrag von mir).

Der zweite Ansatz beläßt die Geldmengendefinition wie sie ist und sagt stattdessen, dass durch die Bankeinführung und damit verbundene Rationalisierung der Geldnutzung die Geldnachfrage stark gesunken ist – k beträgt nun 1 anstatt von 10. Das ist der Ansatz, den die moderne VWL verfolgt.

Beide Ansätze sind aber letztendlich identisch und was besonders wichtig ist: wenn man in einem makroökonomischen Modell unserer Volkswirtschaft den zweiten Ansatz verfolgt, muss man das Modell nicht ändern, wenn unsere Bank nun doch Überweisungen anbietet und die Sichteinlagen dementsprechend zu Geld werden. Man kann und darf trotzdem so tun, als ob die Münzen nach wie vor das einzige Geldmedium sind und nur die Geldnachfrage aufgrund der neuen Finanzinnovation (Überweisungsservice) weiter gesunken ist. Es besteht also keine Notwendigkeit aufgrund der Tatsache, dass Banken nun Buchgeld schöpfen, das Modell zu überarbeiten und Banken zu integrieren. Das ist m.E. genau das, was Krugman und Co. sagen wollen, und ich finde das Konzept inzwischen viel überzeugender als früher.

Über Verbindlichkeiten, Forderungen und Geld

Bin gestern via TAZ auf diesen Artikel von Axel Troost, einem Ökonom und Bundestagsmitglied, gestoßen, der zum x-ten Mal das ewige Thema aufgreift, die Möglichkeit einer Insolvenz der EZB, diesmal allerdings im Kontext der möglichen OMT-Staatsanleihenkäufe (wird ja bald vor dem Bundesverfassungsgericht erneut verhandelt) und der damit verbundenen Ausfallsrisiken.

Herr Troost behandelt das Thema sehr ausführlich und auf einem wirklich hohen Niveau, weshalb ich seinen Artikel jedem empfehle, der sich für dieses Thema interessiert, einem Detail allerdings schenkt er meiner Meinung nach nicht genug Aufmerksamkeit – die Rede ist von der besonderer Beschaffenheit der EZB-Verbindlichkeiten, die für die Tatsache verantwortlich ist, dass es für die EZB unmöglich ist illiquide zu werden, wie Herr Troost auch zurecht betont.

Dieses Detail ist es, das ich im heutigen Beitrag erörtern werde (der damit eine Erweiterung und Vertiefung von meinem letzten Beitrag zum gleichen Thema ist), und beginnen will ich mit der Definition des Begriffes Verbindlichkeit. Die Wikipedia-Definition ist meiner Ansicht nach nicht klar genug, deshalb folgt hier, anders als sonst bei mir üblich, meine eigene:

Eine Verbindlichkeit einer Partei, einem Schuldner, gegenüber einer anderen Partei, einem Gläubiger, besteht dann, wenn sich der Schuldner vertraglich verpflichtet dem Gläubiger gegenüber eine Leistung zu erbringen. Das Gegenstück zu einer Verbindlichkeit ist die Forderung des Gläubigers gegenüber dem Schuldner, die sich im vertraglichen Anspruch des Gläubigers auf die seitens des Schuldners zu erbringende Leistung (s.o) manifestiert. Eine Verbindlichkeit und die dazugehörige Forderung werden beglichen und erloschen, wenn die mit ihnen verknüpfte Leistung erbracht worden ist.

Grundsätzlich kann man also jede vertragliche Verpflichtung als Verbindlichkeit betrachten, so hat jeder Arbeitnehmer gegenüber seinem Arbeitgeber eine Verbindlichkeit, die ihn dazu verpflichtet jeden Monat und solange der Arbeitsvertrag besteht eine bestimmte Arbeitsleistung zu erbringen. Im Gegenzug hat der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber eine Forderung, die den Arbeigeber verpflichtet an jedem Monatsende, und solange der Arbeitsvertrag besteht, eine bestimmte Summe auf das Konto des Arbeitnehmers zu überweisen.

In unserem Kontext sind jedoch nur Verbindlichkeiten und Forderungen finanzieller Art von Interesse, diese Verbindlichkeiten bzw. Forderungen verpflichten den Schuldner dem Gläubiger zu einem bestimmten Termin oder auch auf Anforderung eine bestimmte Summe Geld auszuhändigen. Was ist aber Geld? Geld kann man, je nachdem worüber man redet, auf unterschiedliche Arten definieren, für unseres Thema jedoch ist es zweckmäßig eine engere Definition des Geldes als gesetzliches Zahlungsmittel zu verwenden – unter diesen Begriff fallen Bargeld sowie Guthaben auf den EZB-Konten (die allerdings nur für Banken eine Rolle spielen). Die Guthaben auf Girokonten bei den Geschäftsbanken dagegen sind in diesem Sinne kein Geld – obwohl sie als Zahlungsmittel fungieren, sind sie keine gesetzlichen Zahlungsmittel und insbesondere kann man damit streng juristisch gesehen keine Geldschuld tilgen. Sie sind vielmehr Verbindlichkeiten der Banken gegenüber den Kontoinhabern, durch welche die Banken sich verpflichten auf Anforderung Geld herauszugeben.

Wenn also im weiteren Verlauf von Verbindlichkeiten bzw. Forderungen die Rede ist, dann sind, wenn nicht explizit anders definiert, auschließlich Verbindlichkeiten bzw. Forderungen gemeint, die auf Geld lauten.

Nachdem wir Verbindlichkeiten und Forderungen (finanzieller Natur) definiert haben, können wir jetzt zwei weitere Begriffe definieren, und zwar Insolvenz und Illiquidität:

Ein Unternehmen, eine Institution oder eine Privatperson werden zu einem Zeitpunkt als illiquide bezeichnet, wenn sie nicht in der Lage sind ihre Verbindlichkeiten zu begleichen. Eine Bank z.B. ist dann illiquide, wenn sie nicht in der Lage ist den Forderungen ihrer Kunden nach Bargeld nachzukommen. Ein Unternehmen oder eine Privatperson ist z.B. dann illiquide, wenn sie nicht in der Lage sind Ratenzahlungen auf ihren Kredit zu leisten.

Als insolvent werden Unternehmen, Institutionen oder Privatpersonen dann bezeichnet, wenn die Summe ihrer Verbindlichkeiten die Summe Ihrer Forderungen übersteigt (man spricht dann vom negativen Eigenkapital) und zwar unabhängig davon, wann die Verbindlichkeiten bzw. Forderungen fällig werden.

Diesen Definitionen kann man indirekt eine wichtige Tatsache entnehmen: obwohl die beiden Zustände der Illiquidität und der Insolvenz im Volksmund oft unter dem Begriff Pleite miteinander vermengt werden, bestehen sie unabhängig voneinander – ein Unternehmen kann sowohl insolvent aber liquide sein, als auch solvent aber illiquide. Somit kann es durchaus sein, dass ein insolventes Unternehmen seine Verbindlichkeiten eine ganze Weile bedienen kann, möglicherweise sogar unendlich lange, so dass die Gläubiger keine Verluste erleiden. Allerdings erhöht ein solcher Zustand, zumindest in den Augen des Gesetzgebers, die Wahrscheinlichkeit, dass die Illiquidität zu einem späteren Zeitpunkt doch eintritt, weshalb ein insolventes Unternehmen verpflichtet ist seine Insolvenz bekanntzugeben, um einen möglichen Schaden für die Gläubiger zu minimieren. Das Unterlassen dieser Bekanntgabe ist bekanntlich strafbar, und wird als Insolvenzverschleppung bezeichnet.

Alles bis hierher gesagte ist auf jede Person, Unternehmen, oder auch eine Regierung anwendbar, aber gilt es auch für Zentralbanken? Werfen wir einen Blick auf die (stark vereinfachte) Bilanz der EZB:

Die Verbindlichkeiten der EZB, oder zumindest, das was die EZB als ihre Verbindlichkeiten ausweist, stehen auf der rechten Seite der Bilanz und sind nichts anderes als…Geld. Das heißt, jeder 10-Euro-Schein, den jemand in seiner Geldbörse mit sich herumträgt, ist, laut der dieser Bilanz, eine Forderung des Besitzers gegenüber der EZB. Die Frage ist nur, welche Leistung ist mit dieser Forderung verknüpft? Eine Geldforderung ist ein 10-Euro-Schein schon mal nicht, das dürfte wohl klar sein, denn die 10 Euro hat man ja schon, die braucht mal also nicht erst bei der EZB holen. Was ist es dann? Die Antwort ist einfach: es gibt diese Leistung nicht, sprich die sogenannten Verbindlichkeiten der EZB sind gar keine Verbindlichkeiten im herkömmlichen Sinne des Wortes, weil damit gar keine Leistung verknüpft ist, die von der EZB erbracht werden müsste. Anders ist es mit Forderungen der EZB, die auf der linken Seite der Bilanz aufgeführt sind, das sind echte Geldforderungen, die den Anspruch der EZB gegenüber anderen Parteien (meistens Geschäftsbanken) auf Lieferung von Geld begründen.

Die Konsequenz aus all dem ist eindeutig – die Geldverbindlichkeiten der EZB sind stets 0 und ihr Eigenkapital ist immer positiv, wenn man die beiden Begriffe so definiert, wie man es bezogen auf alle anderen Personen, Unternehmen, Institutionen tut, also kann die EZB weder illiquide noch insolvent werden.

Die ganze Verwirrung entsteht also dadurch, dass die EZB-Bilanz Dinge als (Geld)Verbindlichkeiten aufführt, die gar keine sind.

Aber warum tut die EZB (wie andere Zentralbanken auch) so etwas? Dafür gibt es zwei Gründe:

Der erste Grund ist Tradition. Bis ca. Anfang der dreißiger Jahren herrschte bekanntlich Goldstandard, was bedeutete, das nicht die Banknoten und Guthaben bei der Zentralbanken gesetzliche Zahlungsmittel und damit Geld waren, sondern Gold. Unter diesem Regime waren die Banknoten und Zentralbankguthaben echte Verbindlichkeiten, die die Zentralbank verpflichteten für jede Banknote auf Anforderung eine bestimmte Menge Geld auszugeben. Damals machte es also durchaus Sinn die Banknoten und Zentralbankguthaben als (Gold/Geld)Verbindlichkeiten aufzufassen und diese entsprechend in der Bilanz aufzuweisen. Es war auch unter Goldstandard durchaus vorstellbar, dass eine Zentralbank illiquide und/oder insolvent wird – und genau das passierte dann auch Ende der dreißiger Jahre mit einer Reihe von Zentralbanken, das war dann das Ende des Goldstandards und die Geburt des heutigen Systems. Der Goldstandard ist tot, aber die Zentralbankbilanzen werden nach wie vor so erstellt, wie zu seiner Blütezeit, und verwirren die Fachleute, die Medien, und die restliche Bevölkerung.

Der zweite Grund, zumindest im Euroraum, ist die Notwendigkeit einer Regelung des sogenannten Seignorage-Gewinns, des Geldbetrags, der von der EZB jährlich an die nationalen Regierungen des Euroraums überwiesen wird. Würde man diesen Beitrag wilkürlich festsetzen, würde das direkte monetäre Staatsfinanzierung bedeuten, die aus guten Gründen verboten ist. Deswegen muß man das ganze anders verkleiden und so tun, als ob die Zentralbank eine normale Geschäftsbank wäre, mit einer Bilanz, Einnahmen, Ausgaben, und vor allem Gewinn – das den jeweiligen Regierungen, als Bankeigentümer „zusteht“.

Die Zukunft des Euro und die Dummheit des Wählers

Wirtschaftswurm beklagt hier die Dummheit des deutschen Wählers, der, ich zitiere:

In großer Mehrheit Parteien gewählt hat, die den Euro in der bisherigen Form beibehalten wollen.

Der dumme Wähler werde aber schon bald wissen wie dumm er ist, denn, wieder Zitat:

Die neue Regierung, egal, ob schwarz-rot oder schwarz-grün, wird ihm bald die Rechnung dafür präsentieren.

Nun, zum einen sollte man ganz klar sagen, dass die Aussage so nicht stimmt. Der deutsche Wähler hat zwar in der Tat Parteien gewählt, die den Euro grundsätzlich beibehalten wollen, im Gegensatz zu der nicht im Bundestag vertretenen AfD, die den Euro bekanntlich abschaffen will, aber ob dies in der bisherigen Form geschehen soll, darüber bestehen zwischen den Bundestagsparteien durchaus Differenzen.

Die CDU/CSU will (zumindest öffentlich) tatsächlich keinerlei Änderungen an der aktuellen Architektur der Währungsunion vornehmen, abgesehen von der schon eingeführten Schuldenbremse, und vertritt die Auffassung, zugespitzt formuliert, dass der Weg aus der aktuellen Euro-Wirtschaftskrise allein durch nationale Reformen in den Krisenstaaten führt. Maßnahmen auf der europäischen Ebene, wie z.B eine echte Bankenunion, oder eine europäische Arbeitslosenversicherung sind in der Lesart der CDU/CSU kontraproduktiv, weil sie den Reformwillen in den Krisenstaaten schwächen würden.

Die Parteien die Linke vertreten da andere Meinung, zwar wollen sie den Euro auch beibehalten, ansonsten aber erkennen sie die Notwendidgkeit der Reformen auf europäischen Ebene, die durchaus auch mit Kosten verbunden sind, wie z.B. der von der SPD vorgeschlagener Schudentilgungsfonds, den Wirtschaftswurm auch erwähnt. Hierzu ein Auszug aus dem Wahlprogramm der SPD:

Bessere Regeln auf den Finanzmärkten reichen noch nicht aus, um die europäische Wirtschaft aus ihrer Schieflage zu holen. Dafür müssen wir dauerhafte und exzessive wirtschaftliche Ungleichgewichte bekämpfen. Eine Währungsunion braucht auch eine gemeinsame Wirtschaftspolitik mit längerfristig ausgeglichenen Leistungsbilanzen. Alle EU-Mitgliedstaaten müssen ihren Beitrag leisten, damit die wirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone abgebaut werden. Wir müssen in den Mitgliedstaaten und in Europa abgestimmte und gemeinsame Maßnahmen für nachhaltiges
Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit ergreifen.

Insofern hat der deutsche Wähler keinen monolithischen Pro-Euro-Block gewählt, wie die Euro-Kritiker in der AfD und nicht nur dort gerne suggerieren, sondern mehrere Parteien, die sich zwar im grundsätzlichen Ziel der Euro-Beibehaltung einig sind, den Weg dahin jedoch durchaus sehr unterschiedlich sehen.

Nachdem nun der Punkt mit der Euro-Einheitspartei geklärt ist, zurück zur Dummheit des deutschen Wählers. Nun, ich kann sicher nicht für alle Wähler sprechen, ich kann aber für mich persönlich sprechen, denn ich war einer dieser Wähler, die mehrheitlich für die Beibehaltung des Euro gestimmt haben. Bin ich nun dumm? Möglicherweise , ob man dumm ist, weiss man meistens erst im Nachhinein, ich würde aber gerne hier meine Motivation erläutern. Es nämlich nicht so, anders als der Wirtschaftswurm vielleicht denkt, dass alle Menschen, die Euro beibehalten wollen, diesen für eine gelungene Konstruktion halten. Für mich zumindest gilt Folgendes – wenn es möglich wäre die Zeit zurückzudrehen und den Maasstricht-Vertrag von 1992 ungeschehen zu machen, dann würde ich die Partei wählen, die ein solches Kunststück vollbringen kann. Ich vermute darin würden mir die meisten Bürger der EWU zustimmen.

Die Zeit hat allerdings diese blöde Eigenschaft, dass sie nicht zurückgedreht werden kann, von daher ist die „Nicht-Einführung“ des Euro ist keine realistische Option, wir können uns nur zwischen der Beibehaltung und der Abschaffung des Euro entscheiden. Und hier kommen wir zu einem Punkt, den ich im Beitrag des Wirtschaftswurms schmerzlich vermisse – während er sehr penibel die Posten in der Rechnung aufzählt, die dem Wähler, also auch mir, demnächst für die Beibehaltung des Euro präsentiert wird, verliert er kein einziges Wort über die Rechnung die im Falle eine Auflösung des Euro fällig wäre. Ich glaube nicht, dass der Wirtschaftswurm so naiv ist zu denken, dass in so einem Fall keine Rechnung fällig wird, eher handelt es sich mal wieder um ein Beispiel der Kosten-Ohne-Nutzen-Analyse, die ich schon an anderer Stelle bemängelt habe.

Wie hoch wäre dann aber die Wähler-Rechnung für die Auflösung des Euro? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, anders als so einige VWL-Professoren. Ich habe aber einen Anhaltspunkt – die Entscheidung der US-Regierung Lehman Brothers pleite gehen zu lassen, hat in Deutschland zu einem Einbruch der Wirtschaftsleitung um 5% und zu einem Anstieg der Staatsverschuldung vom 65% auf 80% der Wirtschaftsleistung. Zugegebenermaßen hat die damalige Große Koalition diese Krise so gut gemeistert, dass die meisten Deutschen davon nur durch Nachrichten etwas mitgekriegt haben, insbesondere die Arbeitslosenquote stieg kaum an und eigebrochen waren die Investitionen und die Nettoexporte, während der Konsum lediglich stagnierte. Die Auswirkungen einer Euro-Auflösung wären aber, so nehme ich mal an, um einiges größer als die der Lehman Brothers – Pleite, und wer sagt mir, dass die Bundesregierung es auch ein zweites Mal eine so glückliche Hand beweist ?

Der Wirtschaftswurm fragt nun, ob der Wähler bereit wäre für die Euro-Beibehaltung eine Anhebung des Arbeitslosenbeitrags um 4,5% hinzunehmen. Für alle Wähler kann ich, wie bereits erwähnt, nicht sprechen, aber für mich persönlich lautet die Antwort ja – wenn die Alternative ein hohes Risiko eines Arbeitsplatzverlustes inmitten einer tiefen Rezession (vielleich sogar Depression) ist. In meinem Alter (39) ist die Gefahr durchaus nicht zu unterschätzen, dass damit ein dauerhafter sozialer Absturz einhergeht. Sicher muss sich dieses Risiko nicht zwangsläufig realisieren, aber ich bin nun mal, und darin bin ich den meisten Deutschen ähnlich, obwohl ich nicht hier geboren bin, ziemlich risikoscheu und ziehe sichere Verluste einer Euro-Beibehaltung, einer sehr unsicheren Zukunft im Falle der Auflösung vor.

P.S

Die Sache mit dem Arbeitslosenbeitrag von 7,5% scheint mir allerdings nicht korrekt zu sein, denn die EU-Kommission möchte meines Wissens nur für die konunkturell bedingte kurzfristige Arbeitslosigkeit einen Ausgleichfonds schaffen. Zitat aus dem Vorschlag der Kommission:

In its simplest formulation, a stabilisation scheme to absorb asymmetric shocks could require monetary net payments that are negative in good times and positive in bad times. For example, a simple scheme could determine net contributions/payments by countries as a function of their output gap (relative to the average). Such a system would need to be financially neutral in the medium term for each country, and it would also depend on countrysize.
Alternatively, the scheme could be based on earmarking payments from the fund for a defined purpose, with counter-cyclical effects (similar to the US unemployment benefit system, where a federal fund reimburses 50 % of unemployment benefits exceeding a standard duration, up to a given maximum, conditional on unemployment being at a certain level and rising). The scheme could operate in such a way to avoid ‘permanent transfers’ across countries. In other words, they should be designed to avoid that,over a long period of time, any country is a net loser or gainer from the scheme

Gelddruckorgie ist vorest zu Ende

Jonas Dovern aus dem Ökonomie-Beobachter-Blog weist auf eine Tatsache hin, die ich auch schon lange aufgreifen wollte – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die EZB einen Großteil der in die Wirtschaft (oder soll ich lieber sagen in die Bankenlandschaft) gepumpten Geldbasis wieder eingesammelt.
Hier ist die Entwicklung der Geldbasis im Euro-Währungsgebiet seit 1999:

MonetaryBaseEuro

Seit dem Höhepunkt im Juli 2012 (kurz vor der „whatever it takes“-Rede von Draghi) ist die Geldbasis wieder um ca. 30% gesunken und liegt mittlerweile unterhalb der Vorkrisentrendlinie 2002-2008. Auf die Preise allerdings hat das alles (erwartungsgemäß) gar keinen Einfluss gehabt.

Das Schlüsselwort ist aber „vorerst“. wenn die AfD heute doch noch ins Parlament kommt, wird die EZB möglicherweise wieder „pumpen“ müssen…