Griechen und ihre Kreditoren oder wer zahlt wem wieviel

Als ich letzte Woche den heutigen Beitrag (den mittlerweile schon dritten zum Thema Griechenland in Folge) vorbereitet habe sah es aus als ob es in der griechischen Drama eine temporäre Beruhigung geben würde, tja zu kurz gedacht – wieder Aufregung.

Nichtsdestotrotz passt der Inhalt nach wie vor thematisch gut, oder vielleicht sogar besser – es geht nämlich um die Details der griechischen Staatsverschuldung, die ich am letzten Wochenende in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen habe, um die Lage einigermaßen zu verstehen.

Bevor wir allerdings zu den nackten Zahlen kommen, ein paar Anmerkungen zur Einführung:

Die griechische Regierung schreibt nun seit ca. einem Jahr Primärüberschüsse, folgerichtig wird das ganze Geld, dass die Regierung sich bei Kreditoren leiht, für die Zahlungen an eben diese Kreditoren verwendet, die Griechen selbst sehen von diesem Geld nichts. Für die Kreditoren handelt es sich also um eine „linke Tasche – rechte Tasche“-Übung, was sie aus der linken Tasche der griechischen Regierung leihen kommt in die rechte Tasche wieder rein (plus Primärüberschuß). Dies gilt allerdings nur, wenn man die Kreditoren als Ganzes betrachtet. Da es aber mehrere Kreditoren gibt, deren Kredite und Zinsen zu unterschiedlichen Zeiten fällig werden, gibt es, in einem gegebenen Zeitraum, unter den Kreditoren „Nettozahler“, die an die griechische Regierung mehr zahlen als empfangen und umgekehrt „Nettoempfänger“, die dementsprechend mehr bekommen als sie zahlen.

Genau das wird nun in der folgender Tabelle dargestellt, wo die größten Kreditoren(gruppen) der griechischen Regierung und deren Zahlungen bzw. Zahlungssalden für das laufende Jahr 2015 dargestellt sind, dazu noch die Verbindlichkeiten der griechischen Regierung gegenüber dem jeweiligen Kreditor (Stand 31.12.2014). Da wir uns ja schon im März befinden, sind einige Zahlungen mittlerweile geflossen, so dass sich das Bild wieder verändert haben wird.

/ EU-Regierungen EZB IWF Private Kreditoren
Verbindlichkeiten 194,7 19,8 34,0 55,5
Rückzahlungen 0,4 8,0 9,4 16,0
Auszahlungen 1,8 0 5,6 14,5
Saldo -1,4 8,0 3,8 1,5

Alle Angaben in Mrd EUR

So was lernt man nun aus diesen Zahlen? Zum einen sind die europäischen Regierungen, die derzeit so hart mit den Griechen verhandeln sowohl der größte Kreditor – ca zwei Drittel der griechischen Staatsverschuldung entfallen auf sie, als auch der einzige Nettozahler. Der größte Nettoempfänger ist dagegen die EZB, die in 2015 8 Mrd EUR empfangen soll (wobei natürlich die Trennung zwischen der EZB und den Regierungen eine eher künstliche ist).

Zum anderen aber, und das ist viel wichtiger, klafft in 2015 eine Finanzierungslücke von ca. 12 Mrd EUR eine Summe, welche die griechische Regierung unmöglich selbst erwirtschaften kann. Selbst, wenn der Primärüberschuss, wie nach früheren Plänen gewollt, bei 3,0% des BIP liegen würde, entspräche das schätzungsweise 9,0 Mrd EUR, es bliebe also immer noch ein Rest von 3 Mrd EUR. Realistischer wäre es allerdings von einem Primärüberschuss von ca. 4 Mrd EUR auszugehen, d.h. die Griechen müssen sich in diesem Jahr zusätzlich zum bereits geplanten Krediten weitere 8 Mrd EUR leihen. Diese 8 Mrd müssen spätestens im Juli/August da sein, um die Ansprüche der EZB befriedigen zu können. Aber vielleicht kommt bis dahin noch ein Schuldenschnitt und/oder der Grexit.

Wie geht es nun weiter? Nun, kurzfristig müssen die Griechen jetzt unbedingt die zugesagten 7,2 Mrd EUR bekommen, die sie dringend benötigen um die IWF-Rückzahlungen bis Ende Juni zu leisten, es handelt sich um 6,1 Mrd EUR, davon ca. 1,5 Mrd EUR in den kommenden drei Märzwochen. Mit Ach und Krach haben sie es in diesem Jahr bisher geschafft ca. 1.8 Mrd EUR aus eigener Kraft aufzutreiben, hauptsächlich über sogenannte T-Bills, jetzt allerdings stellt sich die EZB quer, so dass dieser Weg höchstwahrscheinlich versperrt ist. Lange geht es also nicht mehr gut.
Falls das überstanden wird (ein großes falls) , kommt Ende Juni die große Frage woher die ca. 8,5 Mrd Euro kommen sollen, die im Juli und August anfallen, davon ca. 8 Mrd EUR für die EZB. Es bleibt also spannend.

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2 Antworten zu “Griechen und ihre Kreditoren oder wer zahlt wem wieviel

  1. Hallo Alex,
    mich würde brennend interessieren, wie sich die Verschuldung Griechenlands von privaten Gläubigern hin zu solchen der öffentlichen Hand (EZB, IWF, EU) verschoben hat….
    Gruß, Jens

  2. Gleich der erste Link geht ins Leere. Immer kurz ein Zitat „wer regt sich über was auf“ einfügen.
    Ansonsten: Toll, dich gefunden zu haben. Werde mir die Saldenmechanik zu Gemüte führen und dir und Wirtschaftswurm folgen. Chapeau!

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