Nur Bares ist Wahres

In meinem letzten Beitrag ging es um die Entwicklung der Geldbasis im Euro-Währungsraum, vor allem darum, wie diese Entwicklung, anders als die öffentliche Meinung in Deutschland zu wissen glaubt, in den letzten Jahren eher unterdurchschnittlich verlaufen war, wie die folgende Grafik zeigt:

Geldbasisentwicklung im Euro-Währungsgebiet

Der heutige Beitrag schließt an dieses Thema an, aber mit einem Fokus auf eine Komponente der Geldbasis, die uns (jedenfalls den meisten von uns) in unserem täglichen Leben zwar bei jedem Supermarkteinkauf ständig begegnet, von den Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten aber als unwichtig abgetan wird. Die Rede ist natürlich vom Bargeld. So schreibt auch Wolfgang Münchau in seiner Spiegel-Kolumne, aus der ich schon beim letzten Mal zitiert habe, folgendes:

Die Geldbasis enthält zwei Komponenten. Die eine ist das Bargeld. Es ist kein sehr großer Teil und spielt bei Anleihekäufen keine Rolle. Volkswirtschaftlich gesehen ist Bargeld nichts anderes als Peanuts. Die zweite Komponente sind die Bankreserven.

Der amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff schlägt sogar vor das Bargeld komplett abzuschaffen, da kein Mensch es brauche. Auf meinen persönlichen Alltagserfahrungen basierend war ich auch der Meinung, dass die Banknoten und Münzen ein Relikt der Vergangenheit sind, das immer weniger gebraucht wird und … wurde durch einen Einblick in die Statistiken der EZB eines besseren belehrt. In der nun folgenden Grafik sieht man die Entwicklung der Euro-Geldbasis sowie deren Bestandteile (Bargeld und Bankreserven) seit Januar 2002:

GeldbasisBestandteile

Aus der Grafik gewinnt man zwei wichtige Erkenntnisse: Erstens, das Bargeld ist keineswegs am Verschwinden, ganz im Gegenteil, dessen Menge wuchs in den vergangenen Jahren schneller als die gesamte Geldbasis und zwar sage und schreibe um ca. 9,5% pro Jahr. Dementsprechend wuchs auch der Anteil des Bargeldes an der Geldbasis von 60% auf über 80%. Zweitens, und das ist sehr wichtig, war der Wachstum der Bankreserven, auf die es, wie Herr Münchau richtig schreibt, in der Geldpolitik alleine ankommt, denn sie sind der „Stoff“ aus dem die Banken Geld schöpfen, noch enttäuschender als man alleine aus der Geldbasisgrafik vermuten könnte – deren Umfang liegt heute nur 6% über dem Niveau von August 2009 wieder, kurz vor der ersten Bilanzausweitung.

Fast könnte man denken, Mario Draghi und seine Kollegen hätten nicht so ganz Unrecht, wenn sie danach trachten die EZB-Bilanz wieder auszuweiten.

Interessant wäre natürlich die Frage was denn mit dem vielen Bargeld passiert, das die Bankkunden so fleißig abheben. Laut dieser Untersuchung der Bundesbank, die sich allerdings nur auf Deutschland bezieht, werden ganze 90% des abgehobenen Bargeldes entweder ins Ausland verfrachtet oder gehortet, nur die restlichen 10% werden tatsächlich als Zahlungsmittel eingesetzt. Durch die volle Berücksichtigung des Bargeldes in der EZB-Bilanz, zumindest 25%-35% Auslandsnutzung gehören ja definitiv nicht rein, entsteht also ein systematisch nach oben verzerrtes Bild.

P.S

Völlig am Thema vorbei, aber jetzt weiß ich definitiv, warum ich die CSU niemals wählen würde. Möchte gerne das Recht behalten zu Hause und mit Freunden auch mal chinesisch zu sprechen, wenn mir danach ist. Zugegebenermaßen würde ich die CSU auch zuvor kaum wählen, alleine schon aus dem Grund, dass sie in Hamburg gar nicht zur Wahl steht.

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Eine Antwort zu “Nur Bares ist Wahres

  1. Ist der Knick 2002 bei den Reserven ein Fehler beim Plotten? Die sind m.E. nicht plötzlich um die Hälfte gefallen. Ähnlich sieht es bei der Geldbasis-Entwicklung aus, nur nicht so ausgeprägt.

    Der Bargeld-Verlauf spiegelt meines Erachtens nicht die ausgegebene Menge an Scheinen/Münzen von Banken an die Wirtschaftsteilnehmer wider. Es steht im Wortlaut „…number of banknotes/coins in circulation (for banknotes it has to be calculated, and equals created notes less destroyed notes less stocks of the NCB)“
    Die Bestände bei den nationalen ZBen sind abgezogen, nicht aber die Kassenhaltung der Geschäftsbanken. Die bevorraten sich logischerweise auch, das ist aber mehr ein logistisches Unterfangen, quasi ein Risikopuffer, falls mal wieder eine Abhebewelle anrollen sollte.
    Die Kassenhaltung der GBen zählt nicht zum Bargeld in Zirkulation, dieses „Geld“ wird erst seiner Bestimmung zugeführt, wenn es aus dem Automaten gezogen wird (und im weiteren Verlauf damit eingekauft wird).

    Naja, und die Kundschaft „bevorratet“ sich eben auch mit Barem, da das Beispiel Zypern doch einigen vor Augen geführt hat, was im Ernstfall mit dem eigenen Konto passiert… Spielt viel Psychologie mit rein.

    Wie aus den Bankreserven Geld geschöpft wird, erschließt sich mir nicht. Liegt dieser Aussage das Multiplikator-Modell zugrunde?

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