Durchschnittsverdiener und ihre Renten

Anfang der Woche wurde in den Medien und Blogs über eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation“ der Uni Duisburg-Essen berichtet. Die Studie beschäftigt sich mit der Frage wie viele Jahre ein Durchschnittsverdiener in die Rentenkasse einzahlen muss, um eine Rente auf dem Niveau der Grundsicherung im Alter (aktuell sind es ca. 690 EUR im Monat) zu bekommen.
Das Ergebnis: im Jahr 2012 waren 27,4 Jahre, und diese Zahl soll bis 2030 31,6 Jahre steigen. Ist in der Tat wenig erfreulich und in den Foren war auch dementsprechend oft die Rede von einem Skandal – wenn auch mit unterschiedlichen Vorzeichen, die eher rechts gesinnten Foristen wollten gleich die Grundsicherung kräftig senken oder gleich abschaffen (insbesondere für Flüchtlinge und andere Ausländer natürlich), damit die „Schmarotzer, die ihr Leben lang auf der faulen Haut gelegen haben“ wenig zu lachen haben, die eher linken Kommentatoren sprachen, wie üblich, von einer Demontage der gesetzlichen Rentenversicherung.

Als ich das gelesen habe, habe ich mich allerdings gleich gefragt wie denn diese Zahl früher, so vor 20 Jahren noch vor den letzten Rentenreformen, aussah? Wenn wir von einer Demontage der gesetzlichen Rentenversicherung sprechen wollen dann sollte man ja zuerst schauen, was diese früher geleistet hat und vergleichen zu können.

Das Ergebnis meiner Berechnungen für die Jahre 1995-2013 sieht nun so aus:

Anzahl der Jahre, die ein Durchschnittsvediener in die Rentenkasse einzahlen muss um einer Rente auf dem Grundsicherungsniveau zu bekommen

Zwischen 1995 und 2006 schwankte also die fragliche Anzahl der Jahre zwischen 22 und 24 Jahren ab 2007 ging es aber ziemlich schnell nach oben mit einem vorläufigen Höhepunkt in 2012 von, wie schon erwähnt, 27,4 Jahren. So gesehen relativiert sich der Skandal, eine Steigerung ist zweifellos da (ca. 17% zwischen 1995-2006 und 2007-2013), aber auch früher waren mehr als zwei Jahrzehnte Arbeit notwendig um auf das Grundsicherungsniveau zu kommen.

Spannender ist die Frage welche Faktoren in welchem Ausmaß dazu beitragen bzw. beigetragen haben, dass die gesetzlichen Rentner (zumindest diejenigen, die ausschließlich oder überwiegend von der gesetzlichen Rente leben) immer ärmer relativ zum Rest der Bevölkerung werden. Und dass sie das werden, das sieht man direkter in folgender Grafik, die das Verhältnis der Standardrente (das ist die Nettorente die ein Durchschnittsverdiener nach 45 Jahren Arbeit bekommen würde) zum mittleren Pro-Kopf-Haushaltsnettoeinkommen darstellt.

Standardrente im Verhältnis zum mittleren Pro-Kopf-Haushaltsnettoeinkommen

Während dieses Verhältnis 1995-2006 im MIttel bei 82% lag und damit komfortabel über der sogenannten Armutsgefährdungsgrenze von 60%, waren es 2007-2013 nur noch 70%. Und wenn die Berechnungen des IAQ stimmen – die Vorhersagen sind bekanntlich schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen – dann wird diese Grenze in 2030 exakt erreicht sein.

Diese Frage reserviere ich mir aber für einen späteren Beitrag.

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3 Antworten zu “Durchschnittsverdiener und ihre Renten

  1. Der Vergleich Rente zu Haushaltsnettoeinkommen hinkt.

    Wenn, dann bitte Äpfel mit Äpfeln, also z.B. Standardnettorente mit Arbeitnehmernettoeinkommen des Haushalts. Oder auch Vergleich der Renterhaushaltseinkommen mit den Arbeitnehmerhaushaltseinkommen (auf Anzahl Personen normalisiert).
    Kapitaleinkünfte, Vermietungen und nicht zu vergessen Mietvorteil durch Wohneigentum darf dann auch gerne bei beiden hinzugrechnet werden. Wetten, dass die Rentereinkommen dann sehr positiv aussehen.

  2. @Uwe
    Ja, und?
    Das begründet dann die Absenkung des Renteneinkommens?
    Fakt ist: mit der politisch gewollten (durch Lobbyarbeit eingeleiteten) Absenkung des Rentenniveaus zum Wohle der Unternehmen (nicht nur der Banken und Versicherungen) wird ein Großteil der zukünftigen Rentner auf die gesetzliche Grundsicherung angewiesen sein und damit genauso viel Rente bekommen wie jemand, der niemals in das Rentensystem eingezahlt hat.
    Und eine Privatvorsorge hilft da auch nicht, da die Einkommen der Betroffenen so niedrig sind, dass sie nicht vorsorgen können.
    Klassischer konnte die Umverteilung von den Abhängig Beschäftigten zu den Unternehmen nicht durchgeführt werden.
    Was dabei oftmals vergessen wird: Die Unternehmen treiben ihre eigenen Kunden in die Pleite. Super Idee.

  3. Pingback: Warum die Standardrente sinkt | Saldenmechanik

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