Der Sparerschicksal in unserer Welt

Neue EZB-Maßnahmen – neue Klagen über die Sparerenteignung, wobei Herr Fahrenschon natürlich nicht fehlen darf. Man könnte fast meinen, dem bösen Mario Draghi gefällt es einfach die armen deutschen Sparer zu quälen. Hätten wir bloß den Euro nicht eingeführt, wäre uns der Draghi erspart geblieben, stattdessen hätten wir jetzt Herrn Weidmann und die gute alte Bundesbank, würden im Schlaraffenland leben und hohe Zinsen auf unsere Sparbücher kassieren.

Richtig oder falsch? Ist es nur die Bosheit des Herrn Draghi und/oder der Euro, die uns um die wohlverdienten Zinsen bringen, oder gibt es womöglich andere Ursachen. Wäre nur die EZB sparerfeindlich, dann müsste man eigentlich erwarten, dass die Sparer in den ähnlichen Ländern außerhalb der Eurozone viel bessere Konditionen kriegen. Wie gehen also die anderen großen Zentralbanken dieser Welt mit ihren Sparern um? Diese Frage habe ich mir gestellt und einen halben Tag damit verbracht sie zu beantworten.

Im Grunde war es eine ganz einfache Übung, wobei der Datensammelaufwand nicht zu unterschätzen ist: man nehme den Nominalzins, den die Sparer auf ihre Sparbücher, Tagesgeld oder Festgeld kriegen ziehe davon die Inflationsrate ab, die Differenz ist der reale Sparzins. Die Sparer, die einen höheren realen Sparzins kriegen sind besser dran und können mit ihrer Zentralbank zufrieden sein. Nun, während die Inflationsraten relativ eindeutig sind (obwohl es darüber bekanntlich auch Diskussionen gibt), unterscheiden sich die Anlagekonditionen von Bank zu Bank erheblich. Um einen Vergleich hinzubekommen, habe ich als Orientierungswert für die Verzinsung den 3-Monats-Geldmarktzins genommen, dieser wird regelmäßig veröffentlicht und auch historische Daten sind im Internet verfügbar.

Und nun zum eigentlichen Vergleich. Es treten gegeneinander an: die EZB (bezogen auf Deutschland), das Federal Reserve (USA), die Bank of England (Großbritannien), die SNB (Schweiz), und die Bank Of Japan.
Der Dreimonats-Geldmarktzins, der den Berechnungen zugrunde liegt, ist für Deutschland der EURIBOR, für Japan der TIBOR, und für den Rest der LIBOR.

Schauen wir uns zunächst einmal die Entwicklung des realen Sparzinses für den gesamten Zeitraum 1999-2013, also seit der Euroeinführung, als die EZB ihre schädliche Tätigkeit begann:

Der reale Sparzins 1999-2013

Wir erkennen auf jeden Fall, dass die Situation der deutschen Sparer im Vergleich zu anderen überhaupt nicht außergewöhnlich ist, vielmehr verläuft die deutsche Kurve irgendwo in der Mitte. Ferner erkennt man auch, dass der laut beklagte Absturz der Sparzinsen seit ca. 2008 keineswegs ein europäischer Sonderweg ist, vielmehr gab es diesen Absturz überall mit Ausnahme von Japan, das wenig später nachfolgte. Die japanische Situation ist insofern besonders, als der nominale Zins schon vor 2008 nah bei 0% lag, so dass der 2009 erfolgte (erneute) Absturz in die Deflation (-1,7%!) den Realzins automatisch nach oben trieb, während das Gegenteil angesagt wäre – eine klassische Liquiditätsfalle.

Wie sieht es nun mit dem Gesamtertrag aus, wo sind die Sparer am besten weggekommen? Hier folgt der Vergleich:

Sparertrag

And the winner for 1999-2013 is … die Bank of England. Ehrlich gesagt, dieses Ergebnis habe ich selbst nicht erwartet, aber Fakt ist Fakt – die britischen Sparer können zufrieden sein, ganze 23% Sparertrag. Die deutschen Sparer sollten mit der EZB auch nicht so böse sein – immerhin ein zweiter Platz und ca. 14,5% Sparertrag. Weit abgeschlagen teilen sich die SNB und die Bank of Japan den dritten Platz mit 7,5%. Und dem Federal Reserve scheinen die Sparer wirklich ganz egal zu sein – nur 3% Ertrag in 14 Jahren. Die amerikanischen Sparer sollten sich von Hans-Werten Sinn beraten lassen und ganz schnell das Supreme Court anrufen, es wird Zeit Jane Yellen das Handwerk zu legen (Ben Bernanke sollte natürlich mit auf der Anklagebank sitzen). Aber die Amis sind ja ein Aktienvolk, denen ist so was bestimmt egal. Die Unterschiede sind auf jeden Fall signifikant – man könnte fast meinen je lauter die Sparer jammern, desto mehr kriegen sie. Immerhin sind auch die britischen Sparer, so wie die Deutschen, durchaus geneigt die eigene (angebliche?) Enteignung anzuprangern, aus anderen Ländern hört man nichts ähnliches (könnte mir aber auch entgangen sein).

Der Gesamtvergleich verdeckt allerdings den Umbruch, der nach der Finanzkrise passiert ist. Neben dem grundsätzlichen Absturz des Zinsniveaus, hat sich auch das Ranking gravierend geändert. Während vor der Krise (1999-2007) die Bank of Japan und die SNB die rote Laterne trugen – beide ca. 3% gegen 32% !!! in Großbritannien, sind es nach der Krise (2008-2013) das Federal Reserve (ca. -5,5%) und die Bank of England(ca. -7%). Schmerzhafte reale Verluste also in den angelsächsischen Welt und die Briten sind regelrecht aus dem Paradies in die Hölle gekommen – vom ersten auf den letzten Platz abgestürzt. So ist das Leiden der britischen Sparer zumindest nachvollziehbar. Die EZB dagegen ist nur vom ersten auf den zweiten Platz abgerutscht und die deutschen Sparer haben (noch) keine realen Verluste erlitten.

Und zum Schluß die letzte Anmerkung – die Deutschen schauen ja oft neidisch auf ihre südlichen Nachbarn – wäre doch so schön eine Art große Schweiz zu sein anstatt sich mit dem Euro herumzuschlagen. Die Sparer zumindest sollten es sich noch einmal überlegen – immerhin 7% weniger, würde man das wirklich wollen?

P.S

Leider, leider gehöre ich auch zu den Leuten, die ihr Geld am liebsten in einer Bank lagern – hätte ich bloß früher gelebt 🙂

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