Schottland – ein Feldexperiment

So, hätte ich nicht erwartet, aber es scheint, als könnten die Schotten sich doch noch in die Unabhängigkeit entlassen. Nun ich weiß nicht, ob die Schotten (und die Rest-Briten mit ihnen) das später nicht noch sehr bedauern werden (irgendwas sagt mir, dass sie werden), aus unserer Euroland-Perspektive jedoch kann dieses Abenteuer zu einem lehrreichen Feldexperiment werden.

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass der Euro eine in der ganzen Welt bislang einzigartige Institution ist – es gibt sonst keine anderen Währungsunionen dieser Art, die mehrere unabhängige Länder einschließen würden. Sollte jedoch Schottland unabhängig werden, würde automatisch eine zweite entstehen – die Pfundunion.

Nun die britische Regierung hat bereits ausgeschlossen, dass die Pfundunion Bestand haben wird, während die schottische Regierung weiter erzählt, dass das unabhängige Schottland den Pfund behalten kann. Was am Ende wird entscheidet sich, vorausgesetzt natürlich, dass die Volksabstimmung wirklich ein „Ja“ ergibt, was ich nach wie vor bezweifle aber auch nicht ausschließe, in zähen politischen Verhandlungen.

Wie auch immer diese Verhandlungen im Bezug auf die Pfundunion enden, in jedem Fall ergeben sich sehr nützliche Erkenntnisse für die Politiker und Ökonomen der Eurozone.

Sollte die Pfundunion gleichzeitig mit der politischen Union aufgelöst werden, werden wir sehen, ob eine solche Auflösung ohne gravierende wirtschaftliche Erschütterungen möglich ist. Es würde sozusagen eine Blaupause für die Euroauflösung entstehen, auf die dann die Eurogegner, wie die AfD, immer verweisen können. Ich bin allerdings der Meinung, dass der Schock gewaltig sein wird, in welchem Fall umgekehrt die Gegner einer Euroauflösung die Oberhand gewinnen, aber man kann ja nie wissen.

Sollte dagegen die britische Regierung sich umstimmen lassen, entsteht, wie schon gesagt, eine zweite euroähnliche Währungsunion, von der man, sollte sie vernünftig verwaltet werden, im Euroland eventuell das eine oder andere wird lernen können. Sollte diese neue Union gar erfolgreich werden, was nichts anderes heißt, als dass sie Mechanismen entwickelt, mit denen die bekannten Nachteile einer Währungsunion sich trotz fehlender politischen Union neutralisieren lassen, und das ohne die gefürchteten permanenten Transfers aus einem Teil der Währungsunion in den anderen, wird sich Europa und speziell Deutschland fragen müssen, aus welchem Grund das auch in Europa nicht möglich ist. Umgekehrt, sollte die neue Union nach einer Weile die gleichen Probleme entwickeln wie der Euro, nun, dann wissen wir, dass der Euro doch nicht funktionieren kann. In diesem Fall bleibt dann noch die Frage, wie man ihn ohne Probleme los wird – vielleicht führen die Schotten und die Rest-Briten das auch vor, siehe oben.

Fazit: eine schottische Unabhängigkeit wäre für die Schotten selbst vermutlich nicht so doll, für den Rest der Welt wäre es aber ein sehr nützliche Lehrstunde in Sachen Währungspolitik.

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Eine Antwort zu “Schottland – ein Feldexperiment

  1. Hervorragender Artikel-und so ziemlich der Einzige,der die Problematik aufgreift.
    Gruß, Jens

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