Über die Warenkörbe

Mein Beitrag über die Inflationszahlen von Destatis, bzw. die Möglichkeiten diese zu überprüfen, hat dank den Nachdenkseiten, eine unerwartete Popularität erfahren – die Inflationsfrage bewegt also nach wie vor die Gemüter in Deutschland, obwohl im Moment eher Deflation droht.

Im heutigen Beitrag möchte ich auf eine ganz speziellen Aspekt der Inflationsmessung eingehen, der regelmäßig in den Internetforen hitzig diskutiert wird, auf zwar auf die Zusammensetzung des Warenkorbes.

Einer der Instrumente, mit denen Destatis die veröffentlichen Inflationszahlen manipuliere, sei, laut vielen Foristen, die falsche Zusammensetzung des Warenkorbes, so dass den überdurchschnittlich schnell im Preis steigenden Gütern (wie z.B. in den letzten Jahren Lebensmittel oder Strom) ein viel zu kleiner Anteil im Warenkorb zugewiesen wird.

Wie kann man aber nun den „wahren“ Warenkorb ermitteln? Dazu gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit wäre es, die Verbraucher selbst über ihre Ausgabenstruktur zu befragen. Das ist die Methode, mit der Destatis seinen Warenkorb ermittelt – im Rahmen der sogenannten Laufenden Wirtschaftsrechnungen.

Die zweite Möglichkeit, die z.B. zur Kontrolle verwendet werden kann, besteht darin, die aggregierten Umsatzzahlen für die jeweiligen Güter zu nehmen und deren Anteil an den gesamten Konsumausgaben der Privathaushalte zu ermitteln. Diese Vorgehensweise nenne ich mal die Aggregationsmethode, sie entspricht im Wesentlichen der Vorgehensweise, die ich in Die Inflationszahlen von Destatis – eine Gegenprüfung angewandt habe.

Genau das werden wir jetzt tun und zwar für Lebensmittel und Strom – Güter, die sich in den letzten Jahren überdurchschnittlich verteuert haben (besonders Strom) und die entsprechend, wenn man den DeStatis-Bashern Glauben schenkt (siehe z.B. Deutsche Wirtschaftsnachrichten) im Warenkorb viel zu niedrig ausgewiesen werden.

Laut Destatis beträgt der Anteil der Lebensmittel im aktuellen Warenkorb (Stand 2010) ca. 12% . Hierin sind zwei unterschiedliche Posten enthalten – „Nahrungsmittel und alkoholfreien Getränke“ mit ca. 10,3% sowie „Alkoholische Getränke“ (darunter Bier) mit ca. 1,7%. Für den Strom wird ein Anteil von ca. 2,6% ausgewiesen.

Jetzt berechnen wir die gleichen Anteile nach der Aggregationsmethode (auch für das Jahr 2010). Die gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte betrugen im Jahr 2010 laut DeStatis 1395 Mrd EUR.

Fangen wir mit Lebensmitteln an. Die Lebensmittelzeitung sagt uns, dass der Gesamtumsatz der TOP-30 des deutschen Lebensmitteleinzelhandels mit sog. Food-Produkten (entspricht den Lebensmitteln) im gleichen Jahr 162 Mrd. EUR betrug. Da der Marktanteil der TOP-30 bei ca. 98% liegt, können wir ruhig auf einen Gesamtumsatz mit Lebensmitteln in Deutschland in 2010 von ca. 165 Mrd Euro schließen. Es ergibt sich ein Anteil an den gesamten Konsumausgaben von ca. 12%.

Nun zum Strom. Der gesamte Stromverbrauch durch die Privathaushalte betrug im Jahr 2010, laut Destatis, 134268 GwH. Der Durchschnittspreis pro KwH war 18,5 Cent, es ergibt sich also ein Gesamtumsatz von ca. 25 Mrd. EUR. Der Anteil der Ausgaben für Strom an den gesamten Konsumausgaben war damit ca. 1,8%.

Während sich also bei Lebensmitteln die Zahlen sogar fast exakt decken (hätte ich nicht erwartet), liegt der Stromanteil nach der Aggregationsmethode um ca. 30% unter der Destatis-Zahl. Abweichungen dieser Größenordung sind durchaus zu erwarten und würden keinen merklichen Einfluss auf die berechnete Inflation haben.

Eine Manipulation des Warenkorbes durch Destatis kann ich nun beim besten Willen nicht feststellen. Die Foristen werden aber nicht überzeugt sein.

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