Die Inflationszahlen von Destatis – eine Gegenprüfung

Ein Wirtschaftsjournalist oder ein (einigermaßen populärer) Wirtschaftsblogger der im Internet über etwas schreibt, das auch nur entfernt mit Preisen oder Inflation zu tun hat muss heutzutage fast zwangsläufig damit rechnen, in den Foren zu seinem Beitrag kurz darauf Kommentare zu finden, die die offiziellen Inflationszahlen vom statistischen Bundesamt (Destatis) lautstark ablehnen und stattdessen behaupten, dass die „wahre“ Inflation um ein vielfaches höher läge. Garniert wird diese Ansicht normalerwiese mit einem verschwörungstheoretischen Untergeschmack, denn das ganze geschehe ja nicht einfach so, sondern vielmehr um absichtlich das wahre Ausmaß des stattfindenden oder schon stattgefundenen inflationären Desasters zu verschleiern.

So geschehen auch mit diesem Beitrag von Alexander Dilger zum gefährlichen Thema „Preisniveaustabilität und Inflationsziel„, ich zitiere aus dem entsprechenden Kommentar (der im Vergleich zu dem, was man so normalerweise vorfindet noch sehr mild ist):

Der allgemeine Eindruck ist ja durchaus, dass die Geldentwertung deutlich größer ist als die offiziellen Inflationszahlen, und die oben genannten Effekte können dazu durchaus beitragen.

Was halten Sie davon? Wer ggf. Interesse an einer künstlich niedrig gerechneten Inflationsrate haben könnte, ist ja prinzipiell klar – jeder, der mit diesem Argument viel Geld in den Markt pumpen möchte.

Dieser Kommentar war der unmittelbare Anlass zu meinem heutigen Beitrag, das Thema wollte ich aber schon länger erörtern, denn anders als viele deutsche Foristen offensichtlich denken, lassen sich die Inflationszahlen, die Destatis veröffentlicht, durchaus gegenprüfen und zwar mit anderen Statistiken der gleichen Behörde. Es ist nämlich so, dass eine grob gefälschte Statistik sehr schwer zu verbergen ist, weil sie zwangsläufig in einen Widerspruch mit anderen Statistiken geraten würde, fälscht man diese auch, tauchen wieder die neuen Widersprüche auf usw. usf., so dass ein widerspruchsfreies und dennoch grob irreführendes statistisches Abbild der Wirklichkeit zu erstellen eine wirkliche Heidenarbeit wäre, um die die armen Mitarbeiter von Destatis wahrlich nicht zu beneiden wären.

Jetzt aber zurück zu den offiziellen Inflationszahlen, laut Destatis stieg der Verbraucherpreisindex in Deutschland zwischen 1999 und 2012 um 23%, was einer jährlichen Inflation von 1,6% entspricht. In den Foren wird dagegenhalten, dass diese Zahl absurd niedrig sei, und dass die „wahre“ Inflation sich in einem Bereich von mindestens 5% jährlich bewege.

Wir können wir nun prüfen, welche der beiden Zahlen näher an der Realität liegt? Der Ausgangspunkt für eine solche Prüfung sind die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, speziell die Zahlen von Destatis zum deutschen Bruttoinlandsprodukt. Zwischen 1999 und 2012 stieg der nominale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland von 2000,2 Mrd EUR auf 2666,4 Mrd EUR oder um 33%. Sein realer Gegenpart (Bruttoinlandsprodukt in konstanten Preisen von 2005) stieg dagegen nur um 18%. Das ergibt eine Steigerung des BIP-Deflators von 12%. So ein Deflator ist auch eine Inflationszahl, analog zum Verbraucherpreisindex, diese misst allerdings, anders als der Verbraucherpreisindex, nicht nur die Preissteigerung beim privaten Konsum, sondern die Preissteigerung bei allen Waren und Dienstleistungen (also für Konsum- und Investitionszwecke), die in Deutschland produziert worden sind einschließlich der Exporte aber bereiningt um den Importanteil.

Nun haben wir aber doch eine beträchtliche Differenz zwischen dem BIP-Deflator und dem Verbraucherpreisindex. Voran liegt das nun? Für eine Antwort muss man noch tiefer in die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen einsteigen, dann findet man nämlich heraus, dass der Deflator für private Konsumausgaben um 20% stieg. Dafür sind die Deflatoren für andere Komponenten weniger gestiegen, insbesondere für Exporte beträgt die Steigerung nur 9% (ein Grund für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit?). So haben wir also für die Preissteigerung beim privaten Konsum einerseits die 23% die sich aus dem Verbraucherpreisindex ergeben und andererseits die 20%, die die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen liefern. Beide Statistiken werden auf unterschiedliche Weise und vermutlich von unterschiedlichen Abteilungen erstellt, und liegen doch sehr nah beieinander, ein starker Indiz dafür, dass die Zahlen die Realität abbilden.

Nehmen wir aber spaßeshalber an, dass unsere Foristen doch recht haben, und die wahre Inflation tatsächlich bei 5% pro Jahr lag. Das ergibt zwischen 1999 und 2012 eine Gesamtpreissteigerung von 88%. So eine Zahl ist nun wesentlich schwieriger, ja eigentlich unmöglich, mit der BIP-Deflator-Zahl von 12% und der Deflator-Zahl für private Konsumausgaben von 20% zu vereinbaren. Aber vielleicht gibt es ja wirklich eine Verschwörung, und alle Preissteigerungszahlen in allen Abteilungen bei Destatis werden systematisch nach unten manipuliert, und zwar um den Faktor 3,8. Dann wäre die Steigerung von unserem BIP-Deflator nicht mehr 12% sondern 46%. Bei den oben angegebenen Zahlen zum nominalen Bruttoinlandsprodukt hätten wir dann das überraschende Ergebniss, dass Deutschland zwischen 1999 und 2012 ein ziemliches Problem mit seiner Wirtschaft hatte, denn es ergibt sich nun eine Schrumpfung des realen BIP um 9%, anstatt der von Destatis ausgewiesenen Steigerung von 18%. Davon müsste man doch was mitgekriegt haben oder? Angesichts der Tatsache, dass das Arbeitsvolumen in Deutschland laut den Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in der fraglichen Zeot mit ca 67 Mrd Stunden weitgehend konstant geblieben ist, hätten wir einen ziemlich unerklärlichen Produktivitätseinbruch.

Nun könnten jetzt die Foristen sagen, dass auch die Zahlen zum nominalen BIP gefälscht sind, so dass die Steigerung des nominalen BIP doch höher ist, als von Desastis angegeben. Pech aber auch, dass diese Zahlen auch gegenprüft werden können und zwar indem man sie mit den Einnahmen des Staates aus der Umsatzsteuer vergleicht. Laut den Bundesfinanzministerium sind diese Einnahmen zwischen 1999 und 2013 von 112 Mrd EUR auf 142 Mtd EUR oder um 27% gestiegen sind, was sich sehr gut mit den Zahlen von Destatis deckt. Müssen wir nun auf die Beamten des Bundesfinanzministeriums in unseren vermeintlichen Verschwörerkreis miteinbeziehen?

Und so geht es immer weiter und weiter, denn fängt man erst an die Zahlen zu den Steuereinnahmen anzuzweifeln, sind bald auch die Ausgaben dran, dann der Haushaltsdefizit und und und…

Der angeblich gefälschte Verbraucherpreisindex führt so unweigerlich zum Schluss, dass das gesamte staatliche Statistikmaterial über Behörden hinweg manipuliert sind mit dem Ziel…, welches war es noch einmal?

Bevor ich an solche arbeits- und abstimmungsaufwendigen Missetaten glaube, ziehe ich eine einfachere Alternative vor, nämlich, dass der Verbraucherpreisindex doch nicht gefälscht ist. Aber die Foristen wird es sicher nicht überzeugen.

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22 Antworten zu “Die Inflationszahlen von Destatis – eine Gegenprüfung

  1. Danke für diese Klarstellungen! Eine Erklärung für diese Foristen, meine ich, ist aber gut nachvollziehbar: Sie schauen zB in ihren Kleiderschrank und sehen ihre 5 Jahre alte Jacke, damals für 120 Euro! – und vergleichen dass mit den aktuellen Preisen, sagen wir 240 => eine Verdopplung in 5 Jahren 😉 Da die Lohn-/Gehaltszahlungen sich nicht entsprechend “ verdoppelt“ haben, sieht man einen immer grösseren Anteil des Budgets für immer mehr solcher Ausgaben beansprucht, damit bleibt weniger für disponible Verwendung offen. Wer lässt sich schon gerne vorwerfen, er wäre selbst an seiner Lage schuld?

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  3. Bei Angaben zur Inflation wird eigentlich üblicherweise ein „Warenkorb“ als Grundlage zur Berechnung erwähnt – im Text von „Alex“ jetzt allerdings nicht.Von der individuellen Zusammenstellung dieses Warenkorbes ergibt sich dann auch folglich eine Inflation (je nach Konsumverhalten), die bei Jedem (mehr oder weniger) unterschiedlich aussehen dürfte.
    Oder erfasst Destatis sämtliche Veränderungen der Preise bei Waren u. Dienstleistungen etc.?Fraglich wäre dann aber immer noch die Gewichtung der einzelnen Posten; ebenso fraglich ist diese auch beim üblicherweise verwendeten Warenkorb.Ich kann mich auch noch an einen Artikel erinnern, bei dem ein anderer Warenkorb (auch mit anderer Gewichtung) zu weitaus höherer Inflation führte.
    Und beim BIP würde mich interessieren, ob und inwieweit dieses „kostenlose“ Arbeit (getarnt als Praktika), unbezahlte Überstunden, durchgearbeitete Pausen, Akkord- u. Schichtarbeit (ohne eigentlich zu bezahlende Zuschchläge), mißbräuchliche 1 € Jobs, verfallende Stunden auf Zeitkonten (etc.) berücksichtigt !?

  4. Die Leute verstehen halt nicht, dass sie schon viel weniger Geld in der Tasche haben als früher, aber eben nicht wegen der Inflation, sondern wegen der realen Renten- und Lohnkürzungen. Das verstehen sie nicht, weil Renten und Löhne nominal eben stagniert sind.

    Kurz: die Leute gehen den marktradikal-neoliberalen Politikern gleich zweimal auf den Leim: zum Ersten, wenn sie nominale Lohn- und Rentenstagnation nicht als die tatsächliche Lohn- und Rentenkürzung erkennen, die sie darstellen. Zum Zweiten, wenn sie sich mit der Inflation kirre machen lassen, die in Deutschland nicht zu hoch, sondern bekanntlich über Jahre viel zu niedrig ausgefallen ist.

    Da kommen Sprüche wie “Der Euro ist der Teuro“ oder „Wir haben zu viel Inflation seit dem Euro“ her.

  5. ich glaube schon dass die inflation mit 23% seit `99 korrekt ist, allerdings stellt sich die frage, wie der sog. warenkorb zusammen gestellt ist.
    ich greife mal nach 1996 zurück, damals habe ich für 1kg kartoffeln i.d. saison 1,30dm gezahlt, nun kosten sie 2,00eu (biokartoffeln, ich beobachte aber auch die preise konventionell erzeugter landwirtschftl. produkte, da ist der anstieg ähnlich). das zieht sich bei sehr vielen lebensmitteln ziwschen +70 und +150% durch.
    eine levis-jeans hat 1998 119dm gekostet, jetzt ca. 120eu.
    wohnungen (ich lebe in berlin) kosten jetzt ca. doppelt so viel (1996 habe ich für 45qm 350dm inkl energie bezahlt, jetzt 730eu für 100qm inkl), wenn man einen neuen mietvertrag abschliessen muss sogar 3-4x soviel.
    dasselbe bei energie (strom, benzin, gas).
    bei gastronomie sowieso.
    sicher, elektronik wurde günstiger oder blieb stabil, schallplatten/cds auch, es gibt inzwischen sehr billige kleidung (die aber auch nichts taugt), telekommunikation wurde sogar sehr viel billiger.
    allerdings beanspruchen miete, energiekosten und nahrung ca. 75% meiner einkünfte, die sich übrigens seit 1996 nur um 20% pro arbeitseinheit erhöht haben (@moxy: daran bin ich übrigens nicht selber schuld, sondern u.a. gegen mich durchgesetzter politischer wille).
    ich würde deswegen das „gefühl“ vieler menschen nicht einfach so wegwischen. man muss genau hingucken, leute die eher wenig verdienen, treffen diese o.g. verteuerungen eben besonders.

  6. Im Prinzip ist das sicher richtig, aber im Detail müsste man jetzt noch prüfen, wie sich die Teuerung im Detail verteilt. Der Verdacht ist ja, dass große Bereiche schon lange deflationär sind und damit die Warenkorb-Inflation verzerrt.

    Elektronik wird in allen Bereichen zum Beispiel stets billiger – nicht zuletzt deswegen, weil es für viele Probleme mittlerweile billige generische Lösungen gibt. Und obwohl auch die Lohnkosten kaum steigen, werden Dienstleistungen immer mächtiger. Wo man früher zwei Spezialisten einkaufen musste, nimmt man heute einen Dienstleister, der einem beides macht. Da sind riesige Deflationsbereiche, die permanent Mehrleistung durch Technologie schaffen und damit Inflation inbesondere bei Energie überdecken.

    Ich halte es im Übrigen für problemlos möglich, dass das BIP um 9% geschrumpft ist, denn ich erkenne in keinem Bereich, in dem ich in den letzten 15 Jahren gearbeitet, ein Wachstum – sondern in der Tat vor allem Schrumpfungsprozesse, Konsolidierung und Wettbewerb über fallende Preise.

  7. Jau, das Problem kenne ich auch und höre solche Kommentare laufend. Die Ursachen hierfür liegen m.E. größtenteils im € begründet:

    1) Die Leute rechnen mit einem Kurs von 2:1. Da 100 Mark jedoch nicht 50 €, sondern 51,13 € sind, entsteht hier schon eine Lücke von 2,2 %.
    2) Die Leute vergleichen €-Preise von 2014 immer noch mit den DM-Preisen von 2001 und übersehen dabei, dass da 13 Jahre dazwischenliegen.
    3) Die Leute nehmen Preissteigerungen stärker wahr als Preissenkungen. Wenn Butter um 10 Cent teurer wird, jammern alle, wenn Butter um 10 Cent billiger wird, redet keiner drüber.
    4) Die Leute schauten nach der €-Einführung deutlicher auf die Preise als vorher. Beispiel: Ein Kollege beschwerte sich darüber, dass ein Haarschnitt jetzt 15 € koste, „vorher“ seien es 10 Mark gewesen. Auf den Hinweis, seine Frau schneide ihm doch seit 30 Jahren die Haare, woher wisse er denn, was ein Haarschnitt am 31.12.2001 gekostet hat, wurde er deutlich stiller….
    5) Viele Dienstleister, insbesondere in der Gastronomie, haben die €-Einführung zum Anlass genommen, eine teilweise sehr deutliche Preisanpassung an die gestiegenen Kosten vorzunehmen. Dabei haben einige arg übertrieben, und das sitzt in den Kosten. Aus eigener Beobachtung: Viele haben vor dem € die Preise über Jahre die Preise konstant gehalten und auf den € gewartet. So kostete das Bier in meiner Kneipe von 1996 nis 2001 5 Mark, danach 2,70 €. Die vorherige Konstanz wird ebenfalls übersehen.

    Hinzu kommt noch ein allgemeines Misstrauen gegen den Staat als solches („die da oben“) und gegen den € („Weichwährung“).

  8. Bei Punkt 5 bitte „Kosten“ durch „Köpfen“ ersetzen…… Die Finger waren schneller als das Hirn…

  9. @ Gerd: Es gibt tatächlich zwei „Warenkörbe“. In dem einen sind Waren, die preislich sehr volatil sind, nicht enthalten (Energie/Kraftstoffe, frisches Obst und Gemüse, Tabakwaren). Die veröffentliche Inflationsrate ist „all inclusiv“, die Rate des gekürzten Warenkorbes bezeichnet man als „Kerninflation“.

    @ erftstadtboy: Ich habe 2001 für eine Jenas 100 Mark bezahlt und zahle jetzt beim gleichen Anbieter 45 €. Ich hab 1996 eine Wohnng für 760 DM kalt gemietet und habe jetzt eine größere Wohnung in vergleichbarer Lage für 355 € kalt. Der Wohnungsmarkt war 1996 eben arg überhitzt. Sorry, aber sind Anekdoten, und die zählen nie.

    @ Boandlgramer: Schrumpfung des BIP um 9 %? Wirklich? Wissen Sie, was das hieße? Bei einem jährlichen Produktivitätswachstum von nur 1 % über 13 Jahre läge die Jahresarbeitsleistung um ca. 15 % unter dem Wert von vor 13 Jahren. Die Jahresarbeitsleistung ist jedoch konstant geblieben (schon ein Zeichen für schwache Konjunktur, aber nicht für ein sinkendes BIP). Da passt also schon wieder eine Statistik nicht zur nächsten. Und „Ich kenne..“ ist auch schon wieder Anekdote. Scheuen Sie sich doch beispielsweise die Geschäftsberichte der DAX-Unternehmen an und vergleichen die Absatzzahlen 1999 und 2012. DAS wäre das Mindeste, sich erstmal Zahlen zu besorgen, bevor Glaubenssätze postuliert werden. Oder fälschen die Konzerne ihre Berichte auch passend hin?

    Ach ja: Ich erinnere mich an die 70´er Jahre. Da kostete ein Stück Butter 2,20 Mark. Und heute jammern wir, wenn der Butterpreis mal wieder auf 1,10 steigt. Lebensmittel sind in Deutschland sowas von billig und machen kaum mehr was von Haushaltsetat aus. Im Jahr 1900 hat ein Haushalt ca. 50 % seines Einkommens für Nahrungsmittel (ohne Genussmittel) ausgegeben, heute sind es je nach Einkommen maximal 20 %, bei Normalverdienern grad mal ca. 10 %.

  10. @Statistiker, danke für den Hinweis.
    Vor längerer Zeit habe ich aber einen Artikel gelesen, indem der Warenkorb -unabhängig von Destatis – „praxisnaher“ berechnet wurde, da war dann die Inflation auch bei etwa 5%.
    Man müßte tatsächlich die Methodik von Destatis genauer unter die Lupe nehmen.
    Aber weil`s grad passt, eben „gefunden“…

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/09/statistik-luege-die-gefuehlte-inflation-ist-die-echte-inflation/

    „…Im Statistischen Warenkorb jedenfalls sind per Ende 2013 Nahrungsmittel mit 10,3 % und Stromkosten mit 2,6 % gewichtet. Ihr Anteil ist höher?… Für eine vierköpfige Familie mit einem Monatsnettoeinkommen von angenommen 3.000 Euro jedenfalls bedeuten diese Werte, dass für Nahrungsmittel und Strom zusammen nur knapp 390 Euro aufgewendet werden müssten…“ (Auszug)

  11. Brrrr…… bitte nicht die „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“, das ist ein unglaubliches Lügenblatt…… den Zusatz „faschistisch“ überlasse ich dem jeweiligen Betrachter, aber nimm bitte diese Seite nicht ernst….

    Praxisnaher Warenkorb….. ja, DeStatis berechnet auch Warenkörbe für verschiedene Haushalte (Einpersonenhaushalt, Rentner/Hartz4-Haushalt, Besserverdienendenhaushalt etc….), aber es macht keinen Sinn, jeden Monat achtoder zehn oder zwölf verschiedene Werte zu veröffentlichen…..

    Zu dem Zitat aus dem Wirtschaftsnachrichten: Die Prozentsätze sind immer gemeint auf die Ausgaben bezogen auf alle Einnahmen, also auch auf die Mietkosten…. und der Lebensmittelansatz enthält beispielsweise keine Kosten für Restaurantbesuche….

  12. @ erftstadtboy
    Sorry, aber wo kaufst du deine Kartoffeln?
    Bei mir kostet ein 2,5 kg Sack konventioneller Kartoffeln in der Saison maximal 1,50 €. Das ist sogar weniger als dein Preis von 1996….

  13. Unabhängig davon, wie man jetzt die Wirtschaftsnachrichten bewertet, die „üblichen“ Zahlen zur Inflation von Destatis finde ich jetzt auch nicht gerade glaubhaft, wenn ich mein eigenes Leben / Erleben (u. das von Familie / Freunden seit Jahren) dagegen stelle – und beim angeführten Beispiel (390 € für 4 Personen) geradezu unlaubwürdig, zumal auch die Methode zur „Berechnung“ der Inflation (erwartungsgemäss) fragwürdig ist (Link).
    Die Summe der (gewollten oder fahrlässigen) Fehlinformationen (auch bei Arbeitslosenzahlen, Wirtschafts-Prognosen – z.B. GfK – etc.) ist einfach unerträglich.

    http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/veroeffentl/Monatshefte/essay.asp?xYear=2005&xMonth=05&eNr=11

  14. Gerd, was Sie als „glauf´bhaft“ empfinden, ist ziemlich egal. Wichtig ist Wissen.

    Sie reden von Anekdoten, ich kann auch Anekdoten bringen.

    Sie unterstellen „gewollte und fahrlässige Fehlinformationen“, belegen diese aber nicht. Sie verwechseln Inflationsraten mit Arbeitslosenstatistiken, Wirtschfatsprognosen und Konjunkturdaten. Okay, die GfK-Daten sind chronisch peinlich, aber Sie werfen immer wieder Äpfel mit Birnen zusammen.

    So: Sie stellen behauptungen auf, also belegen Sie diese.Das ist Ihre Aufgabe. Vorher werde ich mich nicht mehr zu Ihren Verschwörungstheorien äußern.

  15. „Verschwörunstheorien“ dürfte wohl der (politisch) häufig verwandeste Totschlagsbegriff sein.
    Von Verwechseln von „Arbeitslosenstatistiken, Wirtschfatsprognosen und Konjunkturdaten“ kann nicht die Rede sein. Vielmehr geht es um den (gewollten) erkennbaren Trend von veröffentlichten „Daten“ zur Wirtschaft (Inflation, Arbeitslosenzahlen, Prognosen etc. gehören dazu) der möglichst positiv zu scheinen hat, damit er der derzeitigen Politik als Argument zum „weiter so“ dienlich ist, ebenso wie zur Werbung vor Wahlen.

    1.
    http://www.investor-verlag.de/finanzkrise-thema/euro-krise/die-echte-inflation-liegt-in-deutschland-bei-mindestens-4-pro-jahr/118173931/

    „…Ziel des ganzen Rumgefummels an den Berechnungsmethoden ist es, die offizielle Teuerungsrate so niedrig wie gerade noch zumutbar auszuweisen, immerhin dient die nicht nur der Information der Öffentlichkeit, sondern wird auch bei der Festlegung von Rentenansprüchen, Lohnerhöhungen, etc. herangezogen…“

    2.
    http://www.wissen-abstrakt.de/geld-und-die-wahre-inflation.html

    3.
    „…Durch die Einführung eines sich ständig ändernden „Warenkorbs“, dessen Preissteigerung als Inflation definiert wird, wird Tür und Tor für alle möglichen Tricks geöffnet, um eine niedrige Inflation und hohe Wachstumszahlen zu erreichen. ..“

    http://ausserdem.info/2011/Manipulation-von-Warenkorb-und-Wirtschaftswachstum

    4.
    Und zu den Arbeitslosenzahlen, nur beispielhaft das hier:

    „…Tatsächliche Arbeitslosigkeit im Juni 2013: 3.737.998
    Offizielle Arbeitslosigkeit: 2.864.663
    Nicht gezählte Arbeitslose: 873.335..“

    https://brdakut.wordpress.com/tag/wahre-arbeitslosenzahlen/

  16. „die offizielle Teuerungsrate so niedrig wie gerade noch zumutbar auszuweisen, immerhin dient die nicht nur der Information der Öffentlichkeit, sondern wird auch bei der Festlegung von Rentenansprüchen, Lohnerhöhungen, etc. herangezogen“

    und dient der wichtigen Information wie Investitionsentscheidungen der Wirtschaft, der öffentlichen Hand, die beide langfristige Auswirkungen auf die Konjunktuentwicklung haben. Mal ganz ehrlich: Wenn die offizielle Inflationsrate herbeigelogen wäre, meinen Sie nicht, die großen Unternehmen würden eigene Erhebungen machen, die über kurz oder lang an die Öffentlichkeit kämen? Einen Snowden gibt es immer und überall….

    „Einführung eines sich ständig ändernden „Warenkorbs““

    Nun ja, das Gegenteil ist der Fall. Um die Preise verschiedener Jahre vergleichen zu können, darf man den Warenkorb gerade nicht ändern, sondern man darf nur die Preisänderungen eines konstanten Warenkorbes betrachten. Dadurch ist die offizielle Inflationsrate immer zu hoch, da der Warenkorb nicht auf kurz- und mittelfristige Nachfrageänderungen reagieren kann.

    „Und zu den Arbeitslosenzahlen“

    Im Grunde das gleiche in grün. Aber hier gebe ich Ihnen recht: Da hat man in den letzten Jahrzehnten die Zählweise massiv geändert, um die Zahl runterzurechnen. Das kann man an den Gesetzesänderungen aber auch problemlos nachvollziehen, wenn man mal das SGB III seit 1980 in Halbjahresschritten nebeneinanderlegt. Da das aber so gut wie niemand macht, klappt das; die Medien spielen ja mit. Bei der Inflation würden die Medien das Spiel nicht mitmachen, das merkt man ja…..

  17. „Nun ja, das Gegenteil ist der Fall. Um die Preise verschiedener Jahre vergleichen zu können, darf man den Warenkorb gerade nicht ändern, sondern man darf nur die Preisänderungen eines konstanten Warenkorbes betrachten.“

    Das ist so nicht richtig. Preisindex mit einem konstanten Warenkorb (sog. Paasche-Index) ist nur eine von vielen Möglichkeiten den Preisindex zu bilden. Daneben gibt es z.B. den Laspeyres-Index, hier wird jeweils der Warenkorb des aktuellen Jahres verwendet und dessen aktuelle Kosten mit denen zu Preisen des Basisjahres verglichen. Daneben gibt es noch den Fischerindex, Kettenindex und und und… Alles in Wikipedia zu finden.

    Allerdings unterscheiden sich zwar die Inflationszahlen, die sich aus unterschiedlichen Indexen ergeben, aber nicht wirklich gravierend. So ist z.B. der Verbraucherpreisindex ein Paascheindex, der BIP-Deflator sowie Konsum-Deflator, die ich in meinem Beitrag berechne sind dagegen Laspeyres-Indexe.

  18. Pingback: Über die Warenkörbe | Saldenmechanik

  19. Der Paasche-Index ist die einzige Möglichkeit, die Preisdifferenzen unterschiedlicher Jahre zu erfassen. Kein andere Index kann das.

    Der „Laspeyres-Index“ ist ein Index für Nachfrageänderungen, nicht für Preisänderungen.

  20. Nun, ich weiß nicht… In der Wikipedia jedenfalls wird Laspeyres-Index als Preisindex geführt:
    „Bei der Berechnung des Preisindex nach Étienne Laspeyres stammen die gewählten Gewichte…“

    Was Sie mit „Nachfrageänderungen“ meine, verstehe ich nicht.

  21. Pingback: Der Sparerschicksal in unserer Welt | Saldenmechanik

  22. Kay-Uwe Dannenberg

    Es tut mir leid, aber ich habe meine größten Probleme mit dem BIP-Deflator und damit als Kontrollgröße. Der Link zum BIP-Deflator im Artikel führt zum Wikipedia. Nun, die Berechnung als BIP(nom)/BIP(real) x 100 ist wohl die bis 2005 verwendete Methode. Wie komme ich aber zu meinem BIP(real), wenn ich das nom. BIP nicht erst deflationiere?!
    Heute ist die Berechnungsmethode ein Kettenindex auf Basis eines Laspeyres-Index. Aber mein prinzipielles Problem mit dem Deflator bleibt bestehen. Ich brauche einen Warenkorb, da es unmöglich ist für alle Güter und Dienstleistungen Preise und Mengen zu erfassen. Dieser Warenkorb unterscheidet sich vom regelmäßig veröffentlichten VPI. Wie stellt das Statistische Bundesamt diesen Warenkorb zusammen? Wie ist die Gewichtung? Dazu habe ich bisher keine Informationen gefunden. Grundsätzlich sehe ich die selben Probleme wie beim VPI. Ich kann nicht von der Richtigkeit der Inflationsrate davon überzeugt werden, wenn eine angezweifelte Größe durch eine genauso kontroverse Größe bestätigt wird.

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