Bitcoin – Glossar(2)

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Bitcoin-Transaktionsausgabe

Eine Transaktionsausgabe (transaction output) im Bitcoin-Geldsystem entspricht einer Banknote oder einer Münze in einem konventionellen Geldsystem, allerdings mit zwei signifikanten Unterschieden. Der erste Unterschied ist, dass eine Banknote oder eine Münze „ungebunden“ ist, d.h. sie kann von jedem als Zahlungsmittel genutzt werden, der, ob zu Recht oder zu Unrecht, sie gerade physisch besitzt. Eine Transaktionsausgabe dagegen ist immer via Bitcoin-Adresse mit einem (normalerweise anonymen) Besitzer verknüpft, so dass nur dieser die Transaktionsausgabe als Zahlungsmittel nutzen kann und darf. Wie genau diese Verknüpfung geschieht, erörtern wir weiter unten, wenn das Konzept der Bitcoin-Adresse besprochen wird.

Jetzt aber zu dem zweiten Unterschied der darin besteht, dass eine Transaktionsausgabe, anders als eine Banknote oder Münze nur ein einziges Mal als Zahlungsmittel benutzt werden darf. Während also ein Bar-Zahlungsvorgang in einem konventionellen Geldsystem darin besteht, dass die Banknote oder Münze (oder mehrere davon) den physischen Besitzer wechselt, und somit jede Banknote bzw. Münze an einer potenziell unbegrenzten Anzahl von Zahlvorgängen teilnehmen kann, werden im Bitcoinsystem bestehende Transaktionsausgaben von deren Besitzern entwertet und gleichzeitig neue Transaktionsausgaben erschaffen, die anderen Adressen (deren der Zahlungsvorgangempfänger) zugeordnet sind.

Nachdem wir nun wissen was eine Transaktionsausgabe ist und welchen Zweck sie dient, noch ein paar Worte über die, zugegebenermaßen leicht verwirrenden, Bezeichnung. Die ist aber leicht zu erklären – eine Transaktionsausgabe entsteht immer als Ergebnis und Bestandteil eines Zahlvorgangs, der im Bitcoin-Sprachgebrauch als Transaktion bezeichnet wird – daher Transaktionsausgabe – Ausgabe bzw. Ergebnis einer Transaktion (mehr dazu in der Begriffserklärung zu Transaktion).

Bitcoin-Adresse

Wenn in einer populären Darstellung des Bitcoin-Geldsystems die Rede auf Bitcoin-Adressen kommt, wird immer gerne die Analogie mit einem Bankkonto in einem konventionellen Geldsystem bemüht. M.E ist diese Analogie zwar berechtigt, erfasst aber die Bedeutung des Konzepts nicht genau genug. Eine bessere Analogie ist die einer Urkunde, die ihren Träger gegenüber den anderen Teilnehmern als Besitzer einer bestimmten Transaktionsausgabe ausweist.

Eine Urkunde wäre allerdings nichts Wert, wenn sie beliebig kopiert werden könnte, wie das nun mal bei Bytefolgen grundsätzlich der Fall ist. Stellen wir uns vor, ein Teilnehmer des Bitcoinnetzwerks möchte eine Transaktionsausgabe entwerten, besitzt aber noch eine weitere Transaktionsausgabe, die man mit der gleichen Adresse entwerten könnte. Wäre die Adresse kopierbar, könnte dann jeder andere Teilnehmer, der ja die Adresse nach dem Entwerten der ersten Transakionsausgabe kennen würde,die zweite Transaktionsausgabe für seine Zwecke nutzen.

Um das zu verhindern, bestehen die Adressen im Bitcoin-System aus zwei Teilen. Der erste Teil – der sogenannte öffentliche Schlüssel, ist wie der Name schon sagt, eine öffentlich bekannte Bytefolge, die in jeder der Adresse zugehörigen Transaktionsausgabe (zusätzlich zu deren Betrag) enthalten ist, und damit die feste Zuordnung der Transaktionsausgabe zu deren Besitzer herstellt. Der zweite Teil – der Geheimschlüssel – ist eine Bytefolge, die nur dem Besitzer der Adresse bekannt ist. Möchte der Besitzer nun durch eine neue Transaktion eine der Adresse zugeordnete Transaktionsausgabe entwerten, erzeugt er mit einer speziellen Rechenvorschrift aus der Transaktionsbytefolge und dem Geheimschlüssel eine neue Bytefolge – die sogenannte digitale Unterschrift – der die anderen Teilnehmer entnehmen können, dass der Transaktionsurheber sich tatsächlich im Besitz des Geheimschlüssels befindet, die Transaktion also valide ist. Sie können aber aus der Unterschrift keine Rückschlüsse auf den Geheimschlüssel ziehen, andere Transaktionsausgaben, die der gleichen Adresse zugeordnet sind, bleiben also ihrem Zugriff entzogen.

Exkurs: Eine digitale Unterschrift wird in der elektronischen Datenverarbeitung grundsätzlich als Beweis verwendet, dass eine bestimmte Bytefolge (meistens ein elektronisches Dokument) von einer bestimmten Person erstellt wurde oder deren Inhalt dieser Person bekannt und von ihr gebilligt wird – so wie das bei einer üblichen Unterschrift bezogen auf Papierdokumente geschieht.

Um das zu erreichen, wird jeder Person (oder Institution bzw. Firma), die digitale Unterschriften leisten soll, ein sogenanntes Schlüsselpaar – bestehend aus einer geheimen Bytefolge (geheimer Schlüssel) und einer öffentlichen Bytefolge (öffentlicher Schlüssel) zugeordnet. Der öffentliche Schlüssel wird oft in einem offen zugänglichen Verzeichnis zusammen mit den Daten der Person hinterlegt. Der geheime Schlüssel bleibt im Besitz der Person, meistens gespeichert auf einem speziellen Datenträger oder einer Chipkarte.

Soll nun die Unterschrift geleistet werden, geschieht dies mit einer speziellen Software, die aus dem zu unterschreibenden Dokument und dem Geheimschlüssel die Unterschriftbytefolge erzeugt. Anschließend werden das Dokument und die Unterschrift zusammen abgelegt. Mit der gleichen (oder ähnlichen) Software kann nun bei Bedarf eindeutig verifiziert werden, dass die Unterschrift aus dem Dokument und dem zu einem bestimmten öffentlichen Schlüssel gehörenden Geheimschlüssel erstellt worden ist. Die Existenz der Unterschrift beweist in diesem System also zweifelsfrei, dass derjenige, der, mit Hilfe der Software, die Unterschrift erzeugt hat, sich im Besitz des Geheimschlüssels befand und damit die Person sein muss, der im Verzeichnis dem öffentlichen Schlüssel zugeordnet ist, es sei denn der Geheimschlüssel wurde dieser Person entwendet.

Um eine Bitcoin-Adresse identifizieren und referenzieren zu können, wird dieser immer eine eindeutige 27-34 Zeichen lange Zeichenfolge zugeordnet (eigentlich aus dem öffentlichen Schlüssel durch eine spezielle Rechenvorschrift – Hashfunktion- erzeugt) – ein Beispiel für eine solche Zeichenfolge wäre 1P82rBjJMDFSay2RqKx1bydDRVh5QnGkkZ. Diese Zeichenfolge wird oft selbst als Adresse bezeichnet, obwohl es streng genommen nicht korrekt ist.

Wie kommen aber die Teilnehmer des Bitcoin-Nezwerks in den Besitz der Adressen? Die Antwort ist einfach – sie erzeugen sie selbst mit Hilfe der Bitcoin-Clientsoftware. Eine Adresse an sich bringt ihrem Besitzer zunächst noch keinen Mehrwert – erst wenn durch eine Transaktion eine mit dieser Adresse verknüpfte Transaktionsausgabe entsteht, bekommt die Adresse einen Sinn, denn erst dann ist der Besitzer der Adresse in der Lage seinerseits durch eine Transaktion einen Zahlungsvorgang zu starten.

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3 Antworten zu “Bitcoin – Glossar(2)

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