Bitcoin – Glossar(1)

Wie letztes Mal angekündigt, beginnt der folgende Beitrag meine kleine Serie über die Hintergründe der digitalen Währung Bitcoin.

Heute und im nächsten (oder vieleicht zwei nächsten, je nach Länge :-)) Beitrag wird es um die grundlegenden Begriffe gehen, die für das Verständnis des Bitcoin-Systems essentiell sind, es wird also ein (sehr ausführliches) Glossar geschaffen, das in weiteren Beiträgen der Serie genutzt wird. Bevor es jedoch mit den besagten Begriffen weiter geht, eine wichtige Anmerkung: Bitcoin ist, wie die meistens bestimmt schon mitgekriegt haben dürften eine digitale Währung und das bedeutet, dass alle Begriffe, die ich nachfolgend erörtern werde, (fast) ausnahmslos digitale Artefakte bzw. Objekte beschreiben. Solche Objekte sind grundsätzlich immer nichts anderes als mehr oder weniger lange (manchmal sehr lange) Folgen von Bits (eine englische Abkürzung für binary digits – binäre Ziffern, also Nullen und Einsen), deren Interpretation sich aus dem Context des Bitcoin-Systems ergibt.

Exkurs:Digitale Objekte umgeben uns, dank dem Siegeszug der Computertechnologie, die letzten Endes eine Technologie zur Speicherung, Übertragung, Verarbeitung und Darstellung der digitalen Objekte ist, mittlerweile überall. Bitfolgen von mehr oder minder großen Länge und Komplexität bevölkern die Festplatten unserer PCs und Speicher unserer Smartphones und Tablets, werden über das Internet übertragen, erscheinen auf unseren Bildschirmen als Texte, Bilder oder Videos und schallen als Musik aus unseren Lautsprechern, ganze Bitströme werden von den Satelliten aus dem All ausgestrahlt um dann von digitalen Receivern in unseren Wohnzimmern empfangen, interpretiert und zu einem Fernsehbild (mit dem zugehörigen Ton) gemacht zu werden. Allen diesen Erscheinungen ist gemeinsam, dass die Bitfolgen, um die es in jedem konkreten Fall geht, eine vom Anwendungsfall abhängige Bedeutung besitzen, eine und dieselbe Bitfolge kann, je nach Kontext, von den beteiligten Systemen als Buchstabe oder Farbe, Ton oder Geruch interpretiert werden – und genau darin liegt die überragende Stärke der Computertechnologie, die ihren Siegeszug erst ermöglicht hat – so unterschiedliche Anwendungen, wie Fernsehen, Telefon, Internet oder Maschinensteuerung bedienen sich der gleichen elektronischen Komponenten für die Speicherung, Verarbeitung, Übertragung und Interpretation der Bitfolgen. Bitcoin-Zahlungssystem ist, so gesehen, nur ein weiterer Anwendungsfall dieses überragenden Prinzips.

Ich werde nun in diesem und weiteren Beiträgen der Serie, in Ermangelung eines besseren Wortes, wenn es um digitale Objekte geht immer von Bytefolgen sprechen. Ein Byte ist eine Folge aus 8 Bits, somit ist eine Bytefolge immer auch eine Bitfolge.

Und nun geht es weiter mit dem Bitcoin-Glossar:

Bitcoin-Clients, Bitcoin-Protocol, Bitcoin-Netzwerk

Jedes Geldsystem braucht ein Regelwerk um funktionsfähig zu sein. Ein solches Regelwerk legt beispielsweise fest wie der Besitz der Zahlungsmittel geregelt wird, auf welche Weise Zahlungsvorgänge stattfinden, wie man Betrugsversuche erkennt und verhindert und/oder ahndet usw. usf. In konventionellen Geldsystemen sind solche Regelwerke historisch gewachsen und basieren teils auf impliziten Konventionen und teils auf gesetzlichen Regelungen. Auch wenn diese Regelwerke heutzutage hauptsächlich durch Computersysteme implementiert werden, sind die Computersysteme für deren Funktion nicht essentiell, sie beschleunigen und erleichtern nur Vorgänge, die aus der Zeit weit vor dem Erfinden der Computertechnologie stammen.

Anders ist es bei Bitcoin, welches von Anfang an, wie oben schon erwähnt, als eine digitale Währung konzipiert wurde, eine zudem, die explizit ohne staatliche (und überhaupt zentrale) Autorität auskommen will. Stattdessen basiert das Bitcoin-Geldsystem auf einem expliziten Regelwerk, das durch spezielle Computerprogramme implementiert wird und so komplex ist, das es ohne Computersysteme nicht praktikabel wäre. Die speziellen Computerprogramme, im Bitcoin-Sprech als Bitcoin-Clients bezeichnet, kommunizieren (im Auftrag von deren Besitzern) miteinander übers Internet und regeln auf diese Weise das Funktionieren des Bitcoin-Geldsystems, das heißt (wieder): Besitz, Zahlungsvorgänge etc. etc.

Das explizite Regelwerk, das von den Bitcoin-Clients befolgt wird, wird Bitcoin-Protocol genannt und die Gesamtheit aller Bitcoin-Clients (und im weiteren Sinne deren Besitzer), die am Bitcoin-System teilnehmen, nennt man Bitcoin-Netzwerk.

Man könnte nun fragen, wer eigentlich das Bitcoin-Protocol festlegt, das gewissermaßen als „ungeschriebene Verfassung“ des Bitcoin-Geldsystems fungiert. Die Antwort ist (im Moment) einfach – festgelegt wird das Bitcoin-Protocol von den Programmierern des Standard-Bitcoin-Clients, genannt Bitcoin-Qt. In den Anfängen des Systems war Bicoin-Qt der einzige verfügbare Bitcoin-Client, so dass alle Enthusiasten (damals musste man dafür wirklich eine gehörige Portion Enthusiasmus mitbringen), die am Bitcoin-System teilnehmen wollten, auch gar keine andere Wahl hatten, als Bitcoin-Qt zu nutzen, so dass das Bitcoin-Netzwerk nur aus Bitcoin-Qt-Clients bestand. Das hat sich inzwischen geändert, es gibt jetzt viele weiteren Bitcoin-Clients, die Programmierer jedoch, die diese Nachzügler erschaffen haben, mussten sich, logischerweise, an faktischen Standard von Bitcoin-Qt orientieren, zumal es damals, wie heute übrigens auch, keine offizielle schriftliche Dokumentation des Bitcoin-Protocols gab. Also hat die Bitcoin-Qt-Gruppe im Moment die normative Macht im Bicoin-Universum. Ob das immer so bleiben wird? Wenn Bitcoin tatsächlich eine größere wirtschaftlichere Bedeutung erlangen sollte als das derzeit der Fall ist, könnte es sein dass der Staat sich gezwungen sehen wird einzuspringen und beispielsweise einen staatlichen Standard festlegen, so wie es zum Beispiel beim Internet geschehen ist.

Weiter zum Teil 2

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2 Antworten zu “Bitcoin – Glossar(1)

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