Bitcoin – Ankündigung einer Beitragsserie

Eigentlich wollte ich heute über die Pleite der Bitcoin-Börse MtGox schreiben und insbesondere die Frage erörtern ob der mittlerweile von dem MtGox CEO Mark Karpeles offiziell zugegebene Verlust von 850,000 Bitcoins „nur“ auf die haarsträubende Inkompetenz des MtGox-Personals zurückzuführen ist, oder doch Untreue im Spiel sein müsste.

Dann aber, als ich überlegt habe, wie ich meine Gedanken am besten rüberbringe, ist mir folgendes klar geworden: um auch nur ansatzweise korrekt zu verstehen, was sich da im Einzelnen abgespielt hat, benötigt man reichlich Spezialwissen, ein Wissen, dass man bei einem durchschnittlichen Leser schlicht nicht voraussetzen kann, auch (oder gerade) nicht, wenn es sich um einen Leser mit einem tieferen Verständnis im VWL-Bereich handelt – das Auditorium dieses Blogs. Ich könnte keine bessere Illustration dieser Tatsache finden als diesen Zitat aus dem neuerlichen Bitcoin-Beitrag des Wirtschaftswurms, der ja als führender VWL-Blogger ohne jeden Zweifel zu der besagten Kategorie gehört:

Bitcoins bestehen aus verschlüsseltem Code, für dessen Herstellung Computer aufwendige Rechenoperationen durchführen müssen. Je mehr Bitcoins es bereits gibt, desto aufwendiger werden die Rechenoperationen. So bleiben Bitcoins relativ selten. Ja, es gibt sogar eine technische Grenze: Wenn 21.000.000 Bitcoins hergestellt wurden, ist Schluss. Mehr Bitcoins kann es nicht geben.

Die Rechenoperationen, mit denen man Bitcoins herstellen kann, dienen gleichzeitig der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Mit ihnen wird also die Übertragung von Bitcoins von der elektronischen Geldbörse des einen Nutzers zu der eines anderen kontrolliert.

Irgendwas verstanden? In meiner Muttersprache sagt man dazu: „Slyshal zvon da ne znaet gde on“ – „Er hörte es klingeln, weiß aber nicht von wo“. Alles klingt irgendwie richtig aber andererseits doch falsch, auf jeden Fall verwirrend und auf keinen Fall erklärend. Was ist überhaupt ein Code? Wieso (und wozu) verschlüsselt (stimmt eher nicht bzw. so gut wie nicht)? Wieso sollen die Rechenoperationen zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs dienen? Wie kommt es zu dieser technischen Grenze von 21.0000.000 Bitcoins (die Grenze übrigens keineswegs so unumstößlich, wie Wirtschaftswurm es darstellt).

Fragen über Fragen – und keine Antworten. Ist übrigens kein Vorwurf an Wirtschaftswurm (eventuell beherrscht er das Thema auch viel tiefer, wolle es aber getreu dem Motto seines Blogs vereinfachen), die anderen Online-Medien sind, bis auf sehr wenige Ausnahmen, keinen Deut besser. Nur, während man auf diesem Niveau (vielleicht noch) ganz allgemeine Fragen rund um das Bitcoin-Thema behandeln kann, spätestens dann wenn man solche Themen wie die MtGox-Pleite erörtern will muss man wesentlich tiefer gehen, sonst ist der Informationsgehalt gleich null.

Es führt also kein Weg daran vorbei, wenn ein Autor (wie z.B. ich) die Bitcoin-Themen in seinem Blog in einer dem Themenkreis angemessenen Tiefe behandeln will, muss er für seine (interessierten) Leser erst einmal eine Grundlage schaffen. Das setzt natürlich voraus, dass der Blogger sich selbst intensiv mit der Theorie auseinandersetzt, und genau das habe ich, inspiriert durch Wirtschaftswurms Beitrag die letzen Monate getan – hier kam es mir zugute, dass ich beruflich ein IT-Experte bin und das Bitcoin-Wissen daher sozusagen direkt an der Quelle mit einem vertretbaren Aufwand abgreifen kann. Momentan kann ich, ohne falsche Bescheidenheit, sagen, dass ich genügend Bitcoin-Spezialwissen angehäuft habe – um als Semi-Experte auf dem Gebiet zu gelten (die echten Experten gibt es wohl nur ihm Bitcoin-Entwicklerteam). Das schließt natürlich nicht aus, dass ich des einen oder des anderen Details nicht bewußt bin – man lernt nie aus.

Daher wird jetzt aus dem ursprünglich angedachten Beitrag zu MtGox-Pleite eine ganze Serie, die (zunächst einmal) folgende Themen behandelt wird:

  • Grundbegriffe – Adresse, Transaktionsausgabe (Münze), Transaktion, Block, Blockchain
  • Was ist Mining und wie funktioniert es
  • Wie funktioniert (oder sollte funktionieren) eine Bitcoin-Börse
  • Was genau ist der Transaction-Malleability-Bug und wie hat es MtGox das Genick gebrochen (oder hat es?).

Ein ziemliches Unterfangen wie man sieht, und ich hoffe, dass es mir gelingt das alles verständlich und auf eine möglichst wenig technische Weise darzustellen.

P.S

Wer auf die Serie keine Lust hat oder meinen Erklärungskünsten aus bitterer Erfahrung misstraut, und alles sofort wissen will – der Blogger EggHat, der, so wie ich ,ein Softwareentwickler ist (glaube ich zumindest), hat zum MtGox-Thema zwei Beiträge verfasst (hier und hier – wobei mir persönlich die Beiträge ein wenig, wie sage ich das, unstrukturiert erscheinen).

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2 Antworten zu “Bitcoin – Ankündigung einer Beitragsserie

  1. Pingback: Bitcoin – Glossar(1) | Saldenmechanik

  2. Hallo, bin gespannt auf deine Serie zum Bitcoin. Zur Transaction Malleability haben wir einen Beitrag von einem unserer technischen Experten http://bitcoinblog.de/2014/03/02/malleable-transactions-und-wechselgeld-anschaulich-skizziert-und-erklaert/

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