Monatsarchiv: März 2014

Sind Banken was besonderes – die nächste Runde

Die ewige Diskussion um die besondere Rolle der Banken ist wieder da – diesmal war der Auslöser ein Artikel aus dem Hause Bank of England. Der sehr lesenswerte Artikel schlägt sich ganz klar auf die Seite der Bankentheorie.

Inzwischen haben sich viele der Who is Who’s der englischsprachigen Blogosphere zu Wort gemeldet – u.a. Nick Rowe, David Glasner, Scott Sumner, Simon Wren Lewis und Steve Williamson.

Für mich lautet die Gretchenfrage dieser Debatte, wie in diesem Beitrag schon mal ausführlich dargestellt, wie folgt: würde eine Geldwirtschaft, in der Girogeld aufgrund einer (wie auch immer gearteten) institutionellen Einschränkung NICHT als Zahlungsmittel benutzt werden darf (soll heißen, Banken schöpfen keine Zahlungsmittel), sich ceterus paribus signifikant anders verhalten als eine, im der diese Einschränkung nicht existiert.

Solange diese Frage nicht beantwortet ist, wird die Diskussion, fürchte ich, uns weiter begleiten.

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Bitcoin – Glossar(3)

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Bitcoin-Transaktion

Wenn die Bedeutung der Begriffe Transaktionsausgabe und Adresse im Bitcoin-Context geklärt ist, ergibt sich der zentrale Begriff einer Bitcoin-Transaktion beinahe von selbst. Eine Transaktion entwertet eine Liste von Transaktionsausgaben und erschafft neue Transaktionsausgaben (die in diesem Fall zu ihr selbst gehören). Eine Transaktion beinhaltet u.a. folgende Bestandteile:

1. Eine Liste der zu entwertenden Transaktionsausgaben (diese kann auch leer sein, dazu unten mehr).
2. Eine Liste der neu erstellten Transaktionsausgaben.
3. Digitale Unterschriften für jede Adresse, deren Transaktionsausgaben entwertet werden – damit können die anderen Teilnehmer verifizieren, dass der Ersteller der Transaktion tatsächlich berechtigt ist, die zu entwertenden Transaktionsausgaben auszugeben.
4. Eine eindeutige Nummer (ID), die zum Beispiel in Transaktionsausgaben referenziert wird.

Die grundsätzliche Definition haben wir damit schon, es gibt jedoch noch ein Sonderfall – die Transaktionen, die keine Transaktionsausgaben entwerten, sondern die neuen Transaktionsausgaben sozusagen aus dem nichts erschaffen – diese nennt man coin base. Solche Transaktionen dürfen selbstverständlich nicht von jedem erstellt werden – wer und in welchem Umfang sie erstellen darf diskutieren wird weiter unten im Abschnitt Transaktionsblock.

Bitcoin-Transaktionsblock

Damit die Transaktionen von allen anderen Teilnehmern des Bitcoin-Netzwerks akzeptiert werden, müssen sie auf ihre Richtigkeit überprüft werden – diesen Prozess nennt man Mining (warum, wird gleich klar). Die Teilnehmer, die sich mit dem Mining beschäftigen, sie nennt man dementsprechend Miner, fassen die aus dem Netzwerk ankommenden Transaktionen in Blöcke und fügen zu jedem Block noch eigene coin base – Transaktionen hinzu, die ihre Belohnung für diese Tätigkeit sind. Anschließend verifizieren sie die Richtigkeit der enthaltenen Transaktionen indem sie u.a für jede enthaltene Transaktion folgendes überprüfen:

1. Sind die Unterschriften valide.
2. Reicht der Gesamtbetrag der zu entwertenden Transaktionsausgaben für die neu zu erschaffenden.
3. Sind die zu entwertenden Transaktionsausgaben nicht womöglich schon früher entwertet worden.

Außerdem muss der Miner für jeden Block eine Rechenaufgabe (eigentlich ist das eher eine Art Glücksspiel) lösen und das Ergebnis dem Block hinzufügen. Die Schwierigkeit der Aufgabe wird im Bitcoin-Protocol so bemessen, dass pro Block durchschnittlich ca. 10 Min gebrauch werden. Die Schwierigkeit wird anhand der zuletzt erzielten Zeiten immer wieder modifiziert, um die Vorgabe von 10 Minuten zu halten, unabhängig von den Änderungen in der Hardwareleistung der Miner.

Wie schon gesagt, darf der Miner als Belohnung jedem Block, den er erstellt hat, eigene coin base Transaktionen hinzufügen, die neue Transaktionsausgaben aus dem nichts erschaffen. Diese Transaktionsausgaben sind natürlich meistens den Adressen im Besitz des Miners zugeordnet. Wie groß darf aber diese Belohnung des Miners sein? Der Betrag setzt sich aus zwei Teilen zusammen:

1. Für jede im Block enthaltene „normale“ Transaktion darf der Miner die Differenz zwischen dem Gesamtbeitrag der zu entwertenden Transaktionsausgaben und dem Gesamtbetrag der neuen Transaktionsausgaben „einstreichen“ – die Transaktionsgebühr (transaction fee).

2. Dazu kommt noch ein Mining-Betrag, der am Anfang des Bitcoin-Systems 50 Bitcoins pro Block betrug und sich alle 210.000 Blocks halbiert. Durch diese Mining-Beträge kommen neue Bitcoins ins System und deswegen nennt man den Prozess der Blockerstellung Mining, analog zum Graben nach Gold. Da sich aber der Betrag wie gesagt alle 210.000 Blocks halbiert, wird der eigentliche Mining irgendwann 2016 stoppen, ab dann kriegen die Miner (die man dann vielleicht anders nennen sollte) nur noch die Transaktionsgebühren.

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Warum Obama graue Haare kriegt

Für alle Russland- und Putinversteher ein kleines Video zum Anschauen und Nachdenken:

Der Ausschnitt stammt aus dem wöchentlichen Nachrichtenmagazin „Vesti Nedeli“ (heißt wörtlich Nachrichten der Woche) des russischen staatlichen Fernsehsenders Rossija – das ist sozusagen das Gegenpart zum deutschen ZDF, die Untertitel sind von mir.

Der Moderator ist Dmitri Kisseljow, der in der letzten Zeit Karriere macht: am 09.12.2013 wurde er zum Generaldirektor der, anstelle der aufgelösten, weil viel zu ausgewogen für die heutigen Zeiten, Nachrichtenagentur RIA Novosti, neu gegründeten „Internationale Nachrichtenagentur Rossija Segodnja“ bestellt. Auch ist Herr Kisseljow berühmt/berüchtigt für seine, selbst für russische Verhältnisse, extrem homophoben Ansichten.

Nachdem man sich das Video angeschaut hat, bitte bedenken, daß für die überwiegende Mehrheit der russischen Bevölkerung das Fernsehen, das sich, anders als Printmedien oder Internet (noch), komplett der Regierungskontrolle unterliegt, die einzige Informationsquelle bildet.

P.S.

Die Russischen Schriftzüge über dem Hintergrundbild heißen übrigens:

1. „Graue Haare im Kopf“
2. „In radioaktive Asche“

Bitcoin – Glossar(2)

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Bitcoin-Transaktionsausgabe

Eine Transaktionsausgabe (transaction output) im Bitcoin-Geldsystem entspricht einer Banknote oder einer Münze in einem konventionellen Geldsystem, allerdings mit zwei signifikanten Unterschieden. Der erste Unterschied ist, dass eine Banknote oder eine Münze „ungebunden“ ist, d.h. sie kann von jedem als Zahlungsmittel genutzt werden, der, ob zu Recht oder zu Unrecht, sie gerade physisch besitzt. Eine Transaktionsausgabe dagegen ist immer via Bitcoin-Adresse mit einem (normalerweise anonymen) Besitzer verknüpft, so dass nur dieser die Transaktionsausgabe als Zahlungsmittel nutzen kann und darf. Wie genau diese Verknüpfung geschieht, erörtern wir weiter unten, wenn das Konzept der Bitcoin-Adresse besprochen wird.

Jetzt aber zu dem zweiten Unterschied der darin besteht, dass eine Transaktionsausgabe, anders als eine Banknote oder Münze nur ein einziges Mal als Zahlungsmittel benutzt werden darf. Während also ein Bar-Zahlungsvorgang in einem konventionellen Geldsystem darin besteht, dass die Banknote oder Münze (oder mehrere davon) den physischen Besitzer wechselt, und somit jede Banknote bzw. Münze an einer potenziell unbegrenzten Anzahl von Zahlvorgängen teilnehmen kann, werden im Bitcoinsystem bestehende Transaktionsausgaben von deren Besitzern entwertet und gleichzeitig neue Transaktionsausgaben erschaffen, die anderen Adressen (deren der Zahlungsvorgangempfänger) zugeordnet sind.

Nachdem wir nun wissen was eine Transaktionsausgabe ist und welchen Zweck sie dient, noch ein paar Worte über die, zugegebenermaßen leicht verwirrenden, Bezeichnung. Die ist aber leicht zu erklären – eine Transaktionsausgabe entsteht immer als Ergebnis und Bestandteil eines Zahlvorgangs, der im Bitcoin-Sprachgebrauch als Transaktion bezeichnet wird – daher Transaktionsausgabe – Ausgabe bzw. Ergebnis einer Transaktion (mehr dazu in der Begriffserklärung zu Transaktion).

Bitcoin-Adresse

Wenn in einer populären Darstellung des Bitcoin-Geldsystems die Rede auf Bitcoin-Adressen kommt, wird immer gerne die Analogie mit einem Bankkonto in einem konventionellen Geldsystem bemüht. M.E ist diese Analogie zwar berechtigt, erfasst aber die Bedeutung des Konzepts nicht genau genug. Eine bessere Analogie ist die einer Urkunde, die ihren Träger gegenüber den anderen Teilnehmern als Besitzer einer bestimmten Transaktionsausgabe ausweist.

Eine Urkunde wäre allerdings nichts Wert, wenn sie beliebig kopiert werden könnte, wie das nun mal bei Bytefolgen grundsätzlich der Fall ist. Stellen wir uns vor, ein Teilnehmer des Bitcoinnetzwerks möchte eine Transaktionsausgabe entwerten, besitzt aber noch eine weitere Transaktionsausgabe, die man mit der gleichen Adresse entwerten könnte. Wäre die Adresse kopierbar, könnte dann jeder andere Teilnehmer, der ja die Adresse nach dem Entwerten der ersten Transakionsausgabe kennen würde,die zweite Transaktionsausgabe für seine Zwecke nutzen.

Um das zu verhindern, bestehen die Adressen im Bitcoin-System aus zwei Teilen. Der erste Teil – der sogenannte öffentliche Schlüssel, ist wie der Name schon sagt, eine öffentlich bekannte Bytefolge, die in jeder der Adresse zugehörigen Transaktionsausgabe (zusätzlich zu deren Betrag) enthalten ist, und damit die feste Zuordnung der Transaktionsausgabe zu deren Besitzer herstellt. Der zweite Teil – der Geheimschlüssel – ist eine Bytefolge, die nur dem Besitzer der Adresse bekannt ist. Möchte der Besitzer nun durch eine neue Transaktion eine der Adresse zugeordnete Transaktionsausgabe entwerten, erzeugt er mit einer speziellen Rechenvorschrift aus der Transaktionsbytefolge und dem Geheimschlüssel eine neue Bytefolge – die sogenannte digitale Unterschrift – der die anderen Teilnehmer entnehmen können, dass der Transaktionsurheber sich tatsächlich im Besitz des Geheimschlüssels befindet, die Transaktion also valide ist. Sie können aber aus der Unterschrift keine Rückschlüsse auf den Geheimschlüssel ziehen, andere Transaktionsausgaben, die der gleichen Adresse zugeordnet sind, bleiben also ihrem Zugriff entzogen.

Exkurs: Eine digitale Unterschrift wird in der elektronischen Datenverarbeitung grundsätzlich als Beweis verwendet, dass eine bestimmte Bytefolge (meistens ein elektronisches Dokument) von einer bestimmten Person erstellt wurde oder deren Inhalt dieser Person bekannt und von ihr gebilligt wird – so wie das bei einer üblichen Unterschrift bezogen auf Papierdokumente geschieht.

Um das zu erreichen, wird jeder Person (oder Institution bzw. Firma), die digitale Unterschriften leisten soll, ein sogenanntes Schlüsselpaar – bestehend aus einer geheimen Bytefolge (geheimer Schlüssel) und einer öffentlichen Bytefolge (öffentlicher Schlüssel) zugeordnet. Der öffentliche Schlüssel wird oft in einem offen zugänglichen Verzeichnis zusammen mit den Daten der Person hinterlegt. Der geheime Schlüssel bleibt im Besitz der Person, meistens gespeichert auf einem speziellen Datenträger oder einer Chipkarte.

Soll nun die Unterschrift geleistet werden, geschieht dies mit einer speziellen Software, die aus dem zu unterschreibenden Dokument und dem Geheimschlüssel die Unterschriftbytefolge erzeugt. Anschließend werden das Dokument und die Unterschrift zusammen abgelegt. Mit der gleichen (oder ähnlichen) Software kann nun bei Bedarf eindeutig verifiziert werden, dass die Unterschrift aus dem Dokument und dem zu einem bestimmten öffentlichen Schlüssel gehörenden Geheimschlüssel erstellt worden ist. Die Existenz der Unterschrift beweist in diesem System also zweifelsfrei, dass derjenige, der, mit Hilfe der Software, die Unterschrift erzeugt hat, sich im Besitz des Geheimschlüssels befand und damit die Person sein muss, der im Verzeichnis dem öffentlichen Schlüssel zugeordnet ist, es sei denn der Geheimschlüssel wurde dieser Person entwendet.

Um eine Bitcoin-Adresse identifizieren und referenzieren zu können, wird dieser immer eine eindeutige 27-34 Zeichen lange Zeichenfolge zugeordnet (eigentlich aus dem öffentlichen Schlüssel durch eine spezielle Rechenvorschrift – Hashfunktion- erzeugt) – ein Beispiel für eine solche Zeichenfolge wäre 1P82rBjJMDFSay2RqKx1bydDRVh5QnGkkZ. Diese Zeichenfolge wird oft selbst als Adresse bezeichnet, obwohl es streng genommen nicht korrekt ist.

Wie kommen aber die Teilnehmer des Bitcoin-Nezwerks in den Besitz der Adressen? Die Antwort ist einfach – sie erzeugen sie selbst mit Hilfe der Bitcoin-Clientsoftware. Eine Adresse an sich bringt ihrem Besitzer zunächst noch keinen Mehrwert – erst wenn durch eine Transaktion eine mit dieser Adresse verknüpfte Transaktionsausgabe entsteht, bekommt die Adresse einen Sinn, denn erst dann ist der Besitzer der Adresse in der Lage seinerseits durch eine Transaktion einen Zahlungsvorgang zu starten.

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Bitcoin – Glossar(1)

Wie letztes Mal angekündigt, beginnt der folgende Beitrag meine kleine Serie über die Hintergründe der digitalen Währung Bitcoin.

Heute und im nächsten (oder vieleicht zwei nächsten, je nach Länge :-)) Beitrag wird es um die grundlegenden Begriffe gehen, die für das Verständnis des Bitcoin-Systems essentiell sind, es wird also ein (sehr ausführliches) Glossar geschaffen, das in weiteren Beiträgen der Serie genutzt wird. Bevor es jedoch mit den besagten Begriffen weiter geht, eine wichtige Anmerkung: Bitcoin ist, wie die meistens bestimmt schon mitgekriegt haben dürften eine digitale Währung und das bedeutet, dass alle Begriffe, die ich nachfolgend erörtern werde, (fast) ausnahmslos digitale Artefakte bzw. Objekte beschreiben. Solche Objekte sind grundsätzlich immer nichts anderes als mehr oder weniger lange (manchmal sehr lange) Folgen von Bits (eine englische Abkürzung für binary digits – binäre Ziffern, also Nullen und Einsen), deren Interpretation sich aus dem Context des Bitcoin-Systems ergibt.

Exkurs:Digitale Objekte umgeben uns, dank dem Siegeszug der Computertechnologie, die letzten Endes eine Technologie zur Speicherung, Übertragung, Verarbeitung und Darstellung der digitalen Objekte ist, mittlerweile überall. Bitfolgen von mehr oder minder großen Länge und Komplexität bevölkern die Festplatten unserer PCs und Speicher unserer Smartphones und Tablets, werden über das Internet übertragen, erscheinen auf unseren Bildschirmen als Texte, Bilder oder Videos und schallen als Musik aus unseren Lautsprechern, ganze Bitströme werden von den Satelliten aus dem All ausgestrahlt um dann von digitalen Receivern in unseren Wohnzimmern empfangen, interpretiert und zu einem Fernsehbild (mit dem zugehörigen Ton) gemacht zu werden. Allen diesen Erscheinungen ist gemeinsam, dass die Bitfolgen, um die es in jedem konkreten Fall geht, eine vom Anwendungsfall abhängige Bedeutung besitzen, eine und dieselbe Bitfolge kann, je nach Kontext, von den beteiligten Systemen als Buchstabe oder Farbe, Ton oder Geruch interpretiert werden – und genau darin liegt die überragende Stärke der Computertechnologie, die ihren Siegeszug erst ermöglicht hat – so unterschiedliche Anwendungen, wie Fernsehen, Telefon, Internet oder Maschinensteuerung bedienen sich der gleichen elektronischen Komponenten für die Speicherung, Verarbeitung, Übertragung und Interpretation der Bitfolgen. Bitcoin-Zahlungssystem ist, so gesehen, nur ein weiterer Anwendungsfall dieses überragenden Prinzips.

Ich werde nun in diesem und weiteren Beiträgen der Serie, in Ermangelung eines besseren Wortes, wenn es um digitale Objekte geht immer von Bytefolgen sprechen. Ein Byte ist eine Folge aus 8 Bits, somit ist eine Bytefolge immer auch eine Bitfolge.

Und nun geht es weiter mit dem Bitcoin-Glossar:

Bitcoin-Clients, Bitcoin-Protocol, Bitcoin-Netzwerk

Jedes Geldsystem braucht ein Regelwerk um funktionsfähig zu sein. Ein solches Regelwerk legt beispielsweise fest wie der Besitz der Zahlungsmittel geregelt wird, auf welche Weise Zahlungsvorgänge stattfinden, wie man Betrugsversuche erkennt und verhindert und/oder ahndet usw. usf. In konventionellen Geldsystemen sind solche Regelwerke historisch gewachsen und basieren teils auf impliziten Konventionen und teils auf gesetzlichen Regelungen. Auch wenn diese Regelwerke heutzutage hauptsächlich durch Computersysteme implementiert werden, sind die Computersysteme für deren Funktion nicht essentiell, sie beschleunigen und erleichtern nur Vorgänge, die aus der Zeit weit vor dem Erfinden der Computertechnologie stammen.

Anders ist es bei Bitcoin, welches von Anfang an, wie oben schon erwähnt, als eine digitale Währung konzipiert wurde, eine zudem, die explizit ohne staatliche (und überhaupt zentrale) Autorität auskommen will. Stattdessen basiert das Bitcoin-Geldsystem auf einem expliziten Regelwerk, das durch spezielle Computerprogramme implementiert wird und so komplex ist, das es ohne Computersysteme nicht praktikabel wäre. Die speziellen Computerprogramme, im Bitcoin-Sprech als Bitcoin-Clients bezeichnet, kommunizieren (im Auftrag von deren Besitzern) miteinander übers Internet und regeln auf diese Weise das Funktionieren des Bitcoin-Geldsystems, das heißt (wieder): Besitz, Zahlungsvorgänge etc. etc.

Das explizite Regelwerk, das von den Bitcoin-Clients befolgt wird, wird Bitcoin-Protocol genannt und die Gesamtheit aller Bitcoin-Clients (und im weiteren Sinne deren Besitzer), die am Bitcoin-System teilnehmen, nennt man Bitcoin-Netzwerk.

Man könnte nun fragen, wer eigentlich das Bitcoin-Protocol festlegt, das gewissermaßen als „ungeschriebene Verfassung“ des Bitcoin-Geldsystems fungiert. Die Antwort ist (im Moment) einfach – festgelegt wird das Bitcoin-Protocol von den Programmierern des Standard-Bitcoin-Clients, genannt Bitcoin-Qt. In den Anfängen des Systems war Bicoin-Qt der einzige verfügbare Bitcoin-Client, so dass alle Enthusiasten (damals musste man dafür wirklich eine gehörige Portion Enthusiasmus mitbringen), die am Bitcoin-System teilnehmen wollten, auch gar keine andere Wahl hatten, als Bitcoin-Qt zu nutzen, so dass das Bitcoin-Netzwerk nur aus Bitcoin-Qt-Clients bestand. Das hat sich inzwischen geändert, es gibt jetzt viele weiteren Bitcoin-Clients, die Programmierer jedoch, die diese Nachzügler erschaffen haben, mussten sich, logischerweise, an faktischen Standard von Bitcoin-Qt orientieren, zumal es damals, wie heute übrigens auch, keine offizielle schriftliche Dokumentation des Bitcoin-Protocols gab. Also hat die Bitcoin-Qt-Gruppe im Moment die normative Macht im Bicoin-Universum. Ob das immer so bleiben wird? Wenn Bitcoin tatsächlich eine größere wirtschaftlichere Bedeutung erlangen sollte als das derzeit der Fall ist, könnte es sein dass der Staat sich gezwungen sehen wird einzuspringen und beispielsweise einen staatlichen Standard festlegen, so wie es zum Beispiel beim Internet geschehen ist.

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Bitcoin – Ankündigung einer Beitragsserie

Eigentlich wollte ich heute über die Pleite der Bitcoin-Börse MtGox schreiben und insbesondere die Frage erörtern ob der mittlerweile von dem MtGox CEO Mark Karpeles offiziell zugegebene Verlust von 850,000 Bitcoins „nur“ auf die haarsträubende Inkompetenz des MtGox-Personals zurückzuführen ist, oder doch Untreue im Spiel sein müsste.

Dann aber, als ich überlegt habe, wie ich meine Gedanken am besten rüberbringe, ist mir folgendes klar geworden: um auch nur ansatzweise korrekt zu verstehen, was sich da im Einzelnen abgespielt hat, benötigt man reichlich Spezialwissen, ein Wissen, dass man bei einem durchschnittlichen Leser schlicht nicht voraussetzen kann, auch (oder gerade) nicht, wenn es sich um einen Leser mit einem tieferen Verständnis im VWL-Bereich handelt – das Auditorium dieses Blogs. Ich könnte keine bessere Illustration dieser Tatsache finden als diesen Zitat aus dem neuerlichen Bitcoin-Beitrag des Wirtschaftswurms, der ja als führender VWL-Blogger ohne jeden Zweifel zu der besagten Kategorie gehört:

Bitcoins bestehen aus verschlüsseltem Code, für dessen Herstellung Computer aufwendige Rechenoperationen durchführen müssen. Je mehr Bitcoins es bereits gibt, desto aufwendiger werden die Rechenoperationen. So bleiben Bitcoins relativ selten. Ja, es gibt sogar eine technische Grenze: Wenn 21.000.000 Bitcoins hergestellt wurden, ist Schluss. Mehr Bitcoins kann es nicht geben.

Die Rechenoperationen, mit denen man Bitcoins herstellen kann, dienen gleichzeitig der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Mit ihnen wird also die Übertragung von Bitcoins von der elektronischen Geldbörse des einen Nutzers zu der eines anderen kontrolliert.

Irgendwas verstanden? In meiner Muttersprache sagt man dazu: „Slyshal zvon da ne znaet gde on“ – „Er hörte es klingeln, weiß aber nicht von wo“. Alles klingt irgendwie richtig aber andererseits doch falsch, auf jeden Fall verwirrend und auf keinen Fall erklärend. Was ist überhaupt ein Code? Wieso (und wozu) verschlüsselt (stimmt eher nicht bzw. so gut wie nicht)? Wieso sollen die Rechenoperationen zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs dienen? Wie kommt es zu dieser technischen Grenze von 21.0000.000 Bitcoins (die Grenze übrigens keineswegs so unumstößlich, wie Wirtschaftswurm es darstellt).

Fragen über Fragen – und keine Antworten. Ist übrigens kein Vorwurf an Wirtschaftswurm (eventuell beherrscht er das Thema auch viel tiefer, wolle es aber getreu dem Motto seines Blogs vereinfachen), die anderen Online-Medien sind, bis auf sehr wenige Ausnahmen, keinen Deut besser. Nur, während man auf diesem Niveau (vielleicht noch) ganz allgemeine Fragen rund um das Bitcoin-Thema behandeln kann, spätestens dann wenn man solche Themen wie die MtGox-Pleite erörtern will muss man wesentlich tiefer gehen, sonst ist der Informationsgehalt gleich null.

Es führt also kein Weg daran vorbei, wenn ein Autor (wie z.B. ich) die Bitcoin-Themen in seinem Blog in einer dem Themenkreis angemessenen Tiefe behandeln will, muss er für seine (interessierten) Leser erst einmal eine Grundlage schaffen. Das setzt natürlich voraus, dass der Blogger sich selbst intensiv mit der Theorie auseinandersetzt, und genau das habe ich, inspiriert durch Wirtschaftswurms Beitrag die letzen Monate getan – hier kam es mir zugute, dass ich beruflich ein IT-Experte bin und das Bitcoin-Wissen daher sozusagen direkt an der Quelle mit einem vertretbaren Aufwand abgreifen kann. Momentan kann ich, ohne falsche Bescheidenheit, sagen, dass ich genügend Bitcoin-Spezialwissen angehäuft habe – um als Semi-Experte auf dem Gebiet zu gelten (die echten Experten gibt es wohl nur ihm Bitcoin-Entwicklerteam). Das schließt natürlich nicht aus, dass ich des einen oder des anderen Details nicht bewußt bin – man lernt nie aus.

Daher wird jetzt aus dem ursprünglich angedachten Beitrag zu MtGox-Pleite eine ganze Serie, die (zunächst einmal) folgende Themen behandelt wird:

  • Grundbegriffe – Adresse, Transaktionsausgabe (Münze), Transaktion, Block, Blockchain
  • Was ist Mining und wie funktioniert es
  • Wie funktioniert (oder sollte funktionieren) eine Bitcoin-Börse
  • Was genau ist der Transaction-Malleability-Bug und wie hat es MtGox das Genick gebrochen (oder hat es?).

Ein ziemliches Unterfangen wie man sieht, und ich hoffe, dass es mir gelingt das alles verständlich und auf eine möglichst wenig technische Weise darzustellen.

P.S

Wer auf die Serie keine Lust hat oder meinen Erklärungskünsten aus bitterer Erfahrung misstraut, und alles sofort wissen will – der Blogger EggHat, der, so wie ich ,ein Softwareentwickler ist (glaube ich zumindest), hat zum MtGox-Thema zwei Beiträge verfasst (hier und hier – wobei mir persönlich die Beiträge ein wenig, wie sage ich das, unstrukturiert erscheinen).