Einvernehmliche Auflösung der Eurozone – kann das gehen ?

Eigentlich wollte ich diese Woche das Handelsblatt-Interview des frischgebackenen AfD-Mitglieds und jetzt auch EU-Parlamentskandidaten Hans-Olaf Henkel besprechen. Herr Henkel scheint zu denken, dass für die Euro-Stabilisierung ein neuer Morgenthau-Plan vonnöten wäre und nur die AfD und er speziell stehen dafür, dass ein solcher Plan nicht verwirklicht wird -:) Aber Spaß beiseite, anscheinend hat Herr Henkel ernsthafte Schwierigkeiten bei der Unterscheidung der nominalen (Wechselkurs, nominale Lohnstückkosten, Preisniveau) und realen (Produktivität) Größen. Für einen selbsternannten Nationalökonomen möglicherweise doch ein Defizit oder? Wie gesagt, darüber wollte ich schreiben, aber Heiner Flassbeck war schneller – Hans-Olaf Henkel verstärkt die AfD – auch mit seinem Unwissen

So würde ich diese Woche vielleicht gar kein Thema haben, über welches ich schreiben könnte, aber zum Glück hat Alexander Dilger einen neuen Beitrag in seiner Serie über die Wege zur Euro-Auflösung veröffentlicht und das hat mich dazu inspiriert meine eigene, spontan entstandene, dreiteilige Serie (hier, hier und hier) über die kleinen Details, die einem beim Euro-Austritt das Leben sehr schwermachen können, zum Abschluss zu bringen und zwar indem ich den aus meiner Sicht einzigen möglichen Weg darlege, wie man den Euro beenden kann ohne einen wirtschaftlichen Desaster zu riskieren.

Bevor man so etwas überhaupt ins Auge fasst muß man sich erst einmal darüber klar werden, dass, genauso wie die Euro-Einführung selbst, eine mögliche Auflösung der Eurozone ein einmaliges Vorhaben wäre. Oft wird in diesem Zusammenhang auf andere Währungsverbünde der Geschichte verwiesen, wie z.B die Lateinische Münzunion, die nach ca. 70 Jahren Existenz aufgelöst wurde, das hieße aber Äpfel mit Birnen vergleichen, denn solche Währungsverbünde funktionierten ganz anders als die Eurozone und waren deswegen auch viel leichter auflösbar. Meines Wissens gab es in der jüngeren Geldgeschichte nur zwei Beispiele, die zumindest annähernd die gleiche Qualität hatten – die Auflösung der Rubelzone 1992 und die Abschaffung der tschechoslowakischen Krone 1993. In beiden Fällen handelte es sich allerdings um noch kurz zuvor kommunistische Staaten, so dass das Finanzsystem entsprechend unterentwickelt und die Erkenntnisse für den Fall der Eurozone entsprechend sehr dürftig sind.

In diesem Sinne müssen die möglichen Architekten einer Rückkehr zu nationalen Währungen sehr vorsichtig vorgehen, wollen sie keine wirtschaftlichen Katastrophen auslösen. Aus meiner Sicht gibt es hier nur einen möglichen Weg – eine phasenweise Rückabwicklung aller Maßnahmen, die zwischen dem Maastricht-Vertrag 1992 und der Euro-Einführung 1999 vollzogen wurden. Da aber eine solche Rückabwicklung wesentlich komplizierter ist als die „Hinabwicklung“, muß sie auch entsprechend länger dauern, ich würde da von mindesten 15 Jahren ausgehen. Über Nacht, wie Alexander Dilger sich das wünscht, geht es schon mal gar nicht.

Wie würde man da aber konkret vorgehen? Anfangen sollte man mit einer klaren und unmißverständlichen Ankündigung seitens der Eurozone-Mitglieder, dass sie die Eurozone auf lange Sicht auflösen wollen, gleichzeitig aber auch, dass sie in kurzer Frist alles tun würden, inklusive unbegrenzter Interventionen der EZB, um deren chaotischen Zusammenbruch zu verhindern. Hilfreich wäre eine gleichzeitige Veröffentlung eines detaillierten langfristigen Plans. Ein solcher Plan könnte schematisch 3 Phasen umfassen.

1. Phase – Rückabwicklung aller gemeinsamen Institutionen der Eurozone wie z.B SEPA, und TARGET2 und ganz am Ende der EZB. Zum Schluss übernehmen die nationalen Zentralbanken wieder die Verantwortung für die Geldpolitik der jeweiligen Länder, handeln aber in Abstimmung miteinander und verpflichten sich insbesondere den Wechselkurs der verschiedenen „Euros“ untereinander mit allen Mitteln zu verteidigen. Am Ende dieser Phase wäre die Eurozone faktisch aus einem Währungsverbund zu einem Festwechselkurssystem a la Bretton Woods geworden, wobei der Euro nominal noch bestehen bleibt.

2. Phase – Wiedereinführung der nationalen Währungen inklusive des Bargeldumtauschs unter Fortführung des Festwechselkurssystems. Die Umstellung vom Euro zu den neuen DM, Frank, Lira etc. sollte 1 zu 1 geschehen um unnötige Umstellungskosten zu vermeiden. Das Ende diese Phase sollte zeitlich offen sein, um Spekulationen einzudämmen.

3. Einführung der flexiblen Wechselkurse, zuerst in engen Korridoren, die dann ausgeweitet werden.

Fazit: die Frage, ob man die Eurozone einigermaßen geregelt auflösen kann, wäre mit einem vorsichtigen ja zu beantworten, der Zeitraum wäre allerdings so lang, dass man diese Zeit besser verwenden sollte um stattdessen die Eurozone krisenfest zu machen, indem man deren offensichtliche Defizite abstellt.

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