Deutschlands Euro-Austritt – eine Drohung oder ein Versprechen ?

So manche, wie zum Beispiel Alexander Dilger hier, meinen, dass ein deutscher Euro-Austritt eine furchterregende Perspektive für die anderen Mitglieder der Eurozone ist, so dass allein eine Drohung damit schon reicht die besagten Mitglieder zu disziplinieren und zu einer Wirtschaftspolitik im deutschen Sinne zu zwingen. Dilger sagt dazu folgendes:

Als erste Möglichkeit möchte ich jetzt den einseitigen und sofortigen Austritt Deutschlands aus dem Euro skizzieren (Fragen zu Details sind willkommen). Das ist vermutlich nicht die beste Möglichkeit, da die politischen Verstimmungen besonders groß sein dürften, wenn das stärkste Mitglied geht. Dafür wäre es das definitive Ende des Euro und ein gutes Druckmittel in Verhandlungen für andere, bessere Lösungen.

Aber ist das wirklich so? In diesem Beitrag werde ich argumentieren, dass das genaue Gegenteil der Fall ist, und dass für restliche Eurozone ein deutscher Euro-Austritt die beste Option ist, während Deutschland dadurch, zumindest kurzfristig gesehen, nur Nachteile haben wird.

Beginnen wir zunächst mit einer einfachen Frage: insbesondere die südlichen Länder der Eurozone aber auch Frankreich (sogenannte Defizitländer) haben im Moment durch den deutsch-dominierten Euro-Währungsverbund handfeste wirtschaftliche Nachteile – ihr inländisches Lohn- und Preisniveau ist zu hoch, im Euro können sie aber nicht abwerten und müssen stattdessen den beschwerlichen Weg einer inneren Abwertung gehen, mit allen damit verbundenen Konsequenzen wie wirtschaftliche Rezession und hohe Arbeitslosigkeit. Dabei ist es auch nicht hilfreich, dass Deutschland sich kategorisch weigert diesen Rebalancierungsprozess durch höhere Inflation und/oder eine spiegelbildliche Rebalancierung der deutschen Wirtschaft zu unterstützen. Warum nehmen sie dann diese Rosskur auf sich, anstatt einfach auszutreten, wie ihnen z.B. Hans-Werner Sinn immer wieder empfiehlt?

Die Antwort auf diese Frage habe ich hoffentlich in meinen letzten zwei Beiträgen schon gegeben (hier und hier) – die zweifellos vorhandenen Vorteile eines Euro-Austritts werden durch die handfesten Nachteile des wirtschaftlichen Schocks und Deorganisation, der mit einer Währungsreform verbunden sind, mehr als ausgewogen.

Aber stellen wir uns vor, dass stattdessen Deutschland austritt. Dann hätten die Defizitländer all die Vorteile, während die Nachteile, die mit einer Währungsreform verbunden ist, von Deutschland getragen worden wären. Der neue Euro (ohne Deutschland) würde zweifellos abwerten, was die Wirtshaft der Defizitländer anregen würde, die Schulden blieben in Euro bestehen, ohne Notwendigkeit einer Konversion in eine andere Währung usw. usf. Der einzige mögliche Nachteil, wenn es denn wirklich ein Nachteil wäre, wäre eine höhere Inflation, aber da Deutschland nicht mehr dabei wäre, würde sich auch niemand mehr dogmatisch dagegen stellen – die Wirtschaftspolitik und die Geldpolitik wären ohne Deutschland zweifellos pragmatischer geworden, ähnlich wie in den USA. Und wenn man die Wirtschaftsentwicklung der USA und der Eurozone in den letzten Jahren miteinander vergleicht, dann ist man schon geneigt zu sagen, dass dies vielleicht keine eindeutig negative Entwicklung wäre.

Für Deutschland dagegen entstehen in so einem Szenario, kurzfristig auf jeden Fall, massive Nachteile, neben dem schon besprochenen Schock der Währungsumstellung, würde die deutsche Wirtschaft mit einer Aufwertung der neuen D-Mark fertig werden müssen. Arbeitsplatzverluste in der bis jetzt gefeierten und gepamperten Exportwirtschaft wären die Folge, und ob deutsche Wirtschaft flexibel genug ist, um stattdessen schnell genug Arbeitsplätze in der Binnenwirtschaft zu schaffen, weiß niemand. Ich persönlich bezweifle das. Daneben würde die besagte Aufwertung massive Löcher in die Bilanzen der deutschen Finanzwirtschaft reißen, die irgendwie dann zu stopfen wären, vermutlich durch staatliche Rettungsmaßnahmen a la Hypo Real Estate.

Nun Alexander Dilger sagt (siehe oben), dass diese Nachteile durch eine umsichtige Wirtschafts- und Geldpolitik gemildert bzw. neutralisiert werden könnten. So könnte die Bundesbank die Aufwertung durch massive Deviseninterventionen, oder eine Androhung derselben, wie in der Schweiz, verzögern oder gar ganz unterbinden und so die Anpassungen in der Real- und Finanzwirtschaft erträglicher machen. Und damit hat er völlig recht, die Frage ist nur, ob die Bundesbank das auch tut? Denn spiegelbildlich zu der pragmatisch werdenden Wirtschafts- und Geldpolitik der restlichen Eurozone, gibt es gute Gründe anzunehmen, dass die Wirtschafts- und Geldpolitik im ausgetretenen Deutschland noch dogmatischer wird. Denn Deviseninterventionen bedeuten, zumindest in der Theorie, Inflationsgefahr, und die Bundesbank, so ist die scheinbare Ansicht des heutigen Spitzenpersonals, hat sich bekanntlich um Preisstabilität zu kümmern, so profane Dinge wie Arbeitslosigkeit oder Konkurrenzfähigkeit sind deren Sache nicht.

Auch von der Fiskalpolitik ist keine Entlastung zu erwarten: wenn sogar jetzt, wo die öffentlichen Haushalte eigentlich in Ordnung sind, keine wirklich umfangreichen öffentlichen Investitionen unternommen werden, was passiert wenn der öffentliche Schuldenstand wegen der erforderlichen Unterstützung der Finanzwirtschaft massiv ansteigt? Ich bin mir sicher – tiefe Einschnitte in die Staatsausgaben werden die Folge sein, mit Konsequenzen, die man heute in Südeuropa besichtigen kann. Ich könnte mir sogar ein Szenario vorstellen, stufe es aber doch als unwahrscheinlich ein(aber bei der Ansammlung der Wirtschaftskompetenz in der aktuellen Bundesregierung, wer weiß…) wo die Rettungsmaßnahmen für die Finanzwirtschaft aus Furcht vor Staatsdefizit ausbleiben, mit entsprechend katastrophalen Folgen.

Fazit: Man sollte seinen Verhandlungspartnern niemals Sachen androhen, die in ihrem Interesse liegen, es besteht sonst die Gefahr, dass sie einen beim Wort nehmen.

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2 Antworten zu “Deutschlands Euro-Austritt – eine Drohung oder ein Versprechen ?

  1. Pingback: Einvernehmliche Auflösung der Eurozone – kann das gehen ? | Saldenmechanik

  2. Das Problem liegt in der Glaubwürdigkeit. Mit Zypern hat die EU eine Linie überschritten, die eine zukünftige Währungsumstellungen sehr riskant machen würde, den niemand könnte darauf vertrauen, dass nicht doch Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden.

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