Ein unfreiwilliger Ausflug in die politische Semantik

In seinen Kommentaren auf meinen letzten Beitrag, der sich wiederum auf diesen Blog-Beitrag von ihm bezog, wehrt sich Alexander Dilger gegen den Vorwurf, den demokratischen Diskurs verlassen zu haben, und sieht sich zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt.

Insbesondere behauptet er, dass das Wort „Gegner“ in der ein sehr geläufiger in der Politik Ausdruck sei, und demzufolge keineswegs so diffamierend ist, wie ich ihn empfinde. Zitat Dilger:

“Gegner” ist ein völlig geläufiger Ausdruck in der Politik. Dass ich Herrn Schulz für einen Gegner Deutschlands halte, mache ich direkt an seiner politischen Zielsetzung fest, die Souveranität Deutschlands abschaffen zu wollen. Wenn z. B. Mitglieder der Grünen Jugend “Nie wieder Deutschland” fordern, könenn Sie diesen doch auch nicht unterstellen, sie wollten nur das Beste für Deutschland. Vielleicht wollen sie und Herr Schulz das Beste an sich oder für irgendwelche Menschen, aber sicher nicht für Deutschland und die Deutschen als solche.

Der erste Schritt in einem Streit um die Bedeutung eines (deutschen) Wortes ist ein Blick in den Duden. Und dieser listet für das Wort „Gegner“ ganze drei Bedeutungen auf:

  1. jemand, der gegen eine Person oder Sache eingestellt ist [und sie bekämpft]
  2. (Sport) Einzelspieler, -läufer o. Ä. als Konkurrent; Mannschaft der Gegenpartei
  3. Feind

Das einfache Wort „Gegner“ kann also durchaus unterschiedlich interpretiert werden, je nachdem, in welchem Kontext und auf welches Objekt es bezogen wird. Wenn also Herr Dilger sagt, dass Martin Schulz ein (Haupt)Gegner Deutschlands ist, dann muss der Leser seines Blogs sich zwischen drei Interpretationen entscheiden:

  1. Martin Schulz ist gegen Deutschland eingestellt und bekämpft es
  2. Martin Schulz ist ein Konkurrent Deutschlands
  3. Martin Schulz ist ein Feind Deutschlands

Nun, die zweite Interpretation können wir von vornherein ausschließen (es sei denn, jemand kann mir erklären auf welchem Gebiet Martin Schulz und Deutschland miteienander konkurrieren), es bleiben also zwei Interpretationen zur Auswahl. Und hier behaupte ich mal, dass die beiden verbliebenen Bedeutungen in unserem speziellen Kontext semantisch so gut wie identisch sind, denn jemand der gegen ein Land eingestellt ist und dieses bekämpft, ist ein Feind dieses Landes. Ich sage „so gut wie“, weil das Wort „Gegner“ sich rein gefühlsmäßig nicht so radikal anhört wie „Feind“ und somit vielleicht eine weniger scharfe Anklage impliziert.

Es bliebe also noch zu erörtern, ob die Verwendung des Wortes „Gegner“ in der soeben erörterten speziellen Bedeutung in der (demokratischen) Politik so geläufig ist, wie Herr Dilger das behauptet. Und hier ist die Antwort m.E. ein klares Nein – während das Wort Gegner ansonsten in der demokratischen Politik recht häufig genutzt wird, kommt es so gut wie nie vor, dass ein demokratischer Politiker einen anderen der Feindschaft gegenüber dem eigenen Land bezichtigt. Der Grund dürfte klar sein – in einem demokratischen System kann immer der Zeitpunkt kommen, an den die Politiker zum Wohle des Landes zusammenarbeiten müssen, und das geht wohl schlecht, wenn einer von denen ein Feind des Landes ist. Ein Beispiel – Kanzlerin Merkel könnte kaum eine Koalition mit der SPD eingehen, in deren Reihen sich Deutschlands Feinde, wie Martin Schulz, befinden, das würde ihrem Amtseid zuwiderlaufen.

Ganz anders sieht es bei Politikern aus dem antidemokratischen Lager aus – aber das habe ich schon im letzten Beitrag besprochen.

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