Die Zukunft des Euro und die Dummheit des Wählers

Wirtschaftswurm beklagt hier die Dummheit des deutschen Wählers, der, ich zitiere:

In großer Mehrheit Parteien gewählt hat, die den Euro in der bisherigen Form beibehalten wollen.

Der dumme Wähler werde aber schon bald wissen wie dumm er ist, denn, wieder Zitat:

Die neue Regierung, egal, ob schwarz-rot oder schwarz-grün, wird ihm bald die Rechnung dafür präsentieren.

Nun, zum einen sollte man ganz klar sagen, dass die Aussage so nicht stimmt. Der deutsche Wähler hat zwar in der Tat Parteien gewählt, die den Euro grundsätzlich beibehalten wollen, im Gegensatz zu der nicht im Bundestag vertretenen AfD, die den Euro bekanntlich abschaffen will, aber ob dies in der bisherigen Form geschehen soll, darüber bestehen zwischen den Bundestagsparteien durchaus Differenzen.

Die CDU/CSU will (zumindest öffentlich) tatsächlich keinerlei Änderungen an der aktuellen Architektur der Währungsunion vornehmen, abgesehen von der schon eingeführten Schuldenbremse, und vertritt die Auffassung, zugespitzt formuliert, dass der Weg aus der aktuellen Euro-Wirtschaftskrise allein durch nationale Reformen in den Krisenstaaten führt. Maßnahmen auf der europäischen Ebene, wie z.B eine echte Bankenunion, oder eine europäische Arbeitslosenversicherung sind in der Lesart der CDU/CSU kontraproduktiv, weil sie den Reformwillen in den Krisenstaaten schwächen würden.

Die Parteien die Linke vertreten da andere Meinung, zwar wollen sie den Euro auch beibehalten, ansonsten aber erkennen sie die Notwendidgkeit der Reformen auf europäischen Ebene, die durchaus auch mit Kosten verbunden sind, wie z.B. der von der SPD vorgeschlagener Schudentilgungsfonds, den Wirtschaftswurm auch erwähnt. Hierzu ein Auszug aus dem Wahlprogramm der SPD:

Bessere Regeln auf den Finanzmärkten reichen noch nicht aus, um die europäische Wirtschaft aus ihrer Schieflage zu holen. Dafür müssen wir dauerhafte und exzessive wirtschaftliche Ungleichgewichte bekämpfen. Eine Währungsunion braucht auch eine gemeinsame Wirtschaftspolitik mit längerfristig ausgeglichenen Leistungsbilanzen. Alle EU-Mitgliedstaaten müssen ihren Beitrag leisten, damit die wirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone abgebaut werden. Wir müssen in den Mitgliedstaaten und in Europa abgestimmte und gemeinsame Maßnahmen für nachhaltiges
Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit ergreifen.

Insofern hat der deutsche Wähler keinen monolithischen Pro-Euro-Block gewählt, wie die Euro-Kritiker in der AfD und nicht nur dort gerne suggerieren, sondern mehrere Parteien, die sich zwar im grundsätzlichen Ziel der Euro-Beibehaltung einig sind, den Weg dahin jedoch durchaus sehr unterschiedlich sehen.

Nachdem nun der Punkt mit der Euro-Einheitspartei geklärt ist, zurück zur Dummheit des deutschen Wählers. Nun, ich kann sicher nicht für alle Wähler sprechen, ich kann aber für mich persönlich sprechen, denn ich war einer dieser Wähler, die mehrheitlich für die Beibehaltung des Euro gestimmt haben. Bin ich nun dumm? Möglicherweise , ob man dumm ist, weiss man meistens erst im Nachhinein, ich würde aber gerne hier meine Motivation erläutern. Es nämlich nicht so, anders als der Wirtschaftswurm vielleicht denkt, dass alle Menschen, die Euro beibehalten wollen, diesen für eine gelungene Konstruktion halten. Für mich zumindest gilt Folgendes – wenn es möglich wäre die Zeit zurückzudrehen und den Maasstricht-Vertrag von 1992 ungeschehen zu machen, dann würde ich die Partei wählen, die ein solches Kunststück vollbringen kann. Ich vermute darin würden mir die meisten Bürger der EWU zustimmen.

Die Zeit hat allerdings diese blöde Eigenschaft, dass sie nicht zurückgedreht werden kann, von daher ist die „Nicht-Einführung“ des Euro ist keine realistische Option, wir können uns nur zwischen der Beibehaltung und der Abschaffung des Euro entscheiden. Und hier kommen wir zu einem Punkt, den ich im Beitrag des Wirtschaftswurms schmerzlich vermisse – während er sehr penibel die Posten in der Rechnung aufzählt, die dem Wähler, also auch mir, demnächst für die Beibehaltung des Euro präsentiert wird, verliert er kein einziges Wort über die Rechnung die im Falle eine Auflösung des Euro fällig wäre. Ich glaube nicht, dass der Wirtschaftswurm so naiv ist zu denken, dass in so einem Fall keine Rechnung fällig wird, eher handelt es sich mal wieder um ein Beispiel der Kosten-Ohne-Nutzen-Analyse, die ich schon an anderer Stelle bemängelt habe.

Wie hoch wäre dann aber die Wähler-Rechnung für die Auflösung des Euro? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, anders als so einige VWL-Professoren. Ich habe aber einen Anhaltspunkt – die Entscheidung der US-Regierung Lehman Brothers pleite gehen zu lassen, hat in Deutschland zu einem Einbruch der Wirtschaftsleitung um 5% und zu einem Anstieg der Staatsverschuldung vom 65% auf 80% der Wirtschaftsleistung. Zugegebenermaßen hat die damalige Große Koalition diese Krise so gut gemeistert, dass die meisten Deutschen davon nur durch Nachrichten etwas mitgekriegt haben, insbesondere die Arbeitslosenquote stieg kaum an und eigebrochen waren die Investitionen und die Nettoexporte, während der Konsum lediglich stagnierte. Die Auswirkungen einer Euro-Auflösung wären aber, so nehme ich mal an, um einiges größer als die der Lehman Brothers – Pleite, und wer sagt mir, dass die Bundesregierung es auch ein zweites Mal eine so glückliche Hand beweist ?

Der Wirtschaftswurm fragt nun, ob der Wähler bereit wäre für die Euro-Beibehaltung eine Anhebung des Arbeitslosenbeitrags um 4,5% hinzunehmen. Für alle Wähler kann ich, wie bereits erwähnt, nicht sprechen, aber für mich persönlich lautet die Antwort ja – wenn die Alternative ein hohes Risiko eines Arbeitsplatzverlustes inmitten einer tiefen Rezession (vielleich sogar Depression) ist. In meinem Alter (39) ist die Gefahr durchaus nicht zu unterschätzen, dass damit ein dauerhafter sozialer Absturz einhergeht. Sicher muss sich dieses Risiko nicht zwangsläufig realisieren, aber ich bin nun mal, und darin bin ich den meisten Deutschen ähnlich, obwohl ich nicht hier geboren bin, ziemlich risikoscheu und ziehe sichere Verluste einer Euro-Beibehaltung, einer sehr unsicheren Zukunft im Falle der Auflösung vor.

P.S

Die Sache mit dem Arbeitslosenbeitrag von 7,5% scheint mir allerdings nicht korrekt zu sein, denn die EU-Kommission möchte meines Wissens nur für die konunkturell bedingte kurzfristige Arbeitslosigkeit einen Ausgleichfonds schaffen. Zitat aus dem Vorschlag der Kommission:

In its simplest formulation, a stabilisation scheme to absorb asymmetric shocks could require monetary net payments that are negative in good times and positive in bad times. For example, a simple scheme could determine net contributions/payments by countries as a function of their output gap (relative to the average). Such a system would need to be financially neutral in the medium term for each country, and it would also depend on countrysize.
Alternatively, the scheme could be based on earmarking payments from the fund for a defined purpose, with counter-cyclical effects (similar to the US unemployment benefit system, where a federal fund reimburses 50 % of unemployment benefits exceeding a standard duration, up to a given maximum, conditional on unemployment being at a certain level and rising). The scheme could operate in such a way to avoid ‘permanent transfers’ across countries. In other words, they should be designed to avoid that,over a long period of time, any country is a net loser or gainer from the scheme

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Eine Antwort zu “Die Zukunft des Euro und die Dummheit des Wählers

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