Lebensmittelinflation

Bei hiesigen Inflationspropheten gefällt mir vor allem, dass sie niemals aufgeben. Nachdem die von ihnen schon seit mehr als 5 Jahren immer wieder vorausgesagte Hyperinflation sich hartnäckig nicht materialisieren will, im August fiel die Inflation in Deutschland auf 1,5%, verlegen sie sich auf einzelne gut passende Segmente des Warenkorbs um die eigene These doch noch zu retten. Hier zum Beispiel eine Welt-Schlagzeile : Preise bei Lebensmitteln steigen drastisch. Erst wenn man den Artikel tatsächlich liest, erfährt man, dass die Lage doch nicht so verzweifelt ist:

Eigentlich sieht es nach einer erfreulichen Entwicklung aus. Die Preise in Deutschland steigen insgesamt weniger als in den Vormonaten. Doch bei Nahrung ziehen sie stark an – das hat eine Ursache.

Also die Preise steigen nun doch weniger als zuvor, obwohl es ja eigentlich gar nicht sein kann, denn wir wissen ja alle, die EZB druckt wie verrückt. Die einzige Erklärung – das ganze neu gedruckte Geld geben wir offensichtlich nur für Lebensmittel aus, weshalb die Preise ausschließlich in diesem Segment steigen. Und warum, könnten wir nicht ein wenig für Ipads aufsparen? Auch das weiß jeder, Deutschland ist ein sehr armes Land, dessen Bewohner sich wegen hartnäckiger seit Jahrzehnten andauernder Inflation mittlerweile nur noch die notwendigsten Lebensmittel leisten können (OK, eine Kugel Luxus-Eis ist ab und zu auch drin). Nun gut, Ironie-Modus wieder aus, und zum eigentlichen Thema des Beitrags: 🙂

Was ich heute eigentlich vorstellen wollte ist eine Grafik, die die Entwicklung der Lebensmittelpreise in den vergangenen 18 Jahren der allgemeinen Preisentwicklung gegenüberstellt (Quelle – das statistische Bundesamt):

Lebensmittelinflation

Es sieht wohl so aus, dass seit ca. 2000 die Lebensmittelteuerung sowohl viel volatiler geworden ist als auch der allgemeinen Teuerung vorausgeeilt ist. Vor 2000 dagegen stiegen Lebensmittelpreise in den meisten Jahren weniger als der gesamte Preisindex.

Über die Ursachen dieser Entwicklung kann man viel spekulieren, die EZB hat damit aber wohl kaum etwas zu tun , denn die „Gelddruckorgie“ hat erst 2009 angefangen (und hat sich inzwischen in eine Geldvernichtungsorgie verwandelt, ohne freilich, dass die Inflationspropheten davon Notiz nahmen).

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Eine Antwort zu “Lebensmittelinflation

  1. Die Gelddruckorgie begann etwa 2006, siehe War der Euro wirklich so stabil?. Dass allerdings hohe Lebensmittelpreise kein Vorbote von Inflation sein müssen, da stimme ich dir zu.

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