Sind Banken was besonderes?

In der englischsprachigen Ökonomen-Blogosphere gab es in den letzten Wochen eine Wiederauflage der Krugman-Keen-Debatte aus dem Jahr 2012. Im Kern geht es, mal wieder, darum, ob die Geschäftsbanken im Allgemeinen und ihre Fähigkeit Giralgeld zu schöpfen im Besonderen etwas ist, was die Funktionsweise unserer Volkswirtschaft maßgeblich mitbestimmt und deshalb von Ökonomen in ihren Modellen berücksichtigt werden muss. Ein Laie würde sich vielleicht wundern, dass eine solche Frage überhaupt gestellt wird, wer sich aber die Mühe macht sich mit modernen DSGE-Modellen zu beschäftigen (ich gehöre nicht dazu), die z.B. von Zentralbanken eingesetzt werden, wird feststellen, dass dort so etwas, wie Geschäftsbanken in der Tat nicht vorkommt.

Die Positionen sind folgende:

1. Paul Krugman bleibt nach wie vor bei seinem Standpunkt, dass Banken keine besonderen Institutionen sind und sich nicht grundsätzlich von anderen „financial intermediaries“, wie z.B. Lebensversicherungen oder Bausparkassen unterscheiden. Diesmal argumentiert er ausführlicher und beruft sich insbesondere auf zwei Artikel von James Tobin aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts (hier und hier). In diesen Artikeln hat sich Tobin schon damals mit dem Thema ausführlich beschäftigt und stellte u.a. fest, dass die Fähigkeit der Banken neues Giralgeld zu schaffen schon durch die Nachfrage des Publikums nach ebendiesem begrenzt ist, unabhängig davon, ob genügend Reserven vorhanden sind.

2. Die Fraktion seiner Opponenten, die diesmal von Cullen Roche angeführt wird, bleibt ebenso bei ihrem Standpunkt, dass die Geschäftsbanken so essentiell für das Verständnis der Geldökonomie sind, dass ein ökonomisches Modell, welches diese nicht berücksichtigt, gar keines ist. Oder in den Worten von Cullen Roche:

Banks are indeed special. In fact, they’re beyond special. They are the oil in our monetary machine.

Teilweise reden die Kontrahenten, wie immer, aneinander vorbei. So betont z.B. die Bankenfraktion immer wieder, dass die Banken Giralgeld durch Kreditvergabe schöpfen (loans create deposits) , was Krugman, wie mir scheint, gar nicht bestreitet (jedenfalls nicht mehr). Krugman dagegen unterstellt der Bankenfraktion, dass diese die Beschränkungen, die den Geschäftsbanken bei der Giralgeldschöpfung auferlegt sind (siehe oben) verneint, was diese m.E. gar nicht tut.

Trotzdem ist die Debatte diesmal wesentlich zivilisierter und produktiver verlaufen als beim ersten Mal und die Fraktionen haben sich teilweise aufeinander zubewegt. So erkennt Nick Rowe, der letztes Mal Krugman unterstützt hat, dass die Banken insofern besonders sind, als deren Verbindlichkeiten Geldfunktion erfüllen, was bei anderen „financial intermediaries“ nicht der Fall ist. Aber auch Vertreter der Bankenfraktion haben sich ernsthaft mit Krugmans bzw. Tobins Argumenten beschäftigt.

So gibt es Hoffnung, dass es vielleicht in 100 Jahren ein Konsens gibt.

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2 Antworten zu “Sind Banken was besonderes?

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