Die Big-Mac-Inflation

Als die Sommerloch-Aufregung über die Speiseeis-Inflation vor ein Paar Wochen auf dem Höhenpunkt war, habe ich viele Internet-Kommentare gelesen, die die ganze Geschichte als Ausdruck einer großangelegten Manipulation der Preisstatistiken durch die, von den unterschiedlich verorteten finsteren Mächten unter Druck gesetzten, Statistik-Behörden. Demnach seien die 500-800% Prozent Preissteigerung beim Speiseeis die „wahre“ Inflation, während die wesentlich bescheidenen 60% Preissteigerung beim offiziellen Verbraucherpreisindex nichts weiter als eine riesengroße Lüge darstellen.

Nun, in meinen drei Beiträgen zum Thema habe ich hoffentlich zum Ausdruck bringen können, warum es sehr schwierig ist, über die Speiseeis-Inflation zuverlässige Aussagen zu treffen. Die vorhandenen Daten zur Preisentwicklung sind so gut wie nicht vorhanden, die Gestaltung des Produkts (der Eiskugel) hat sich im Laufe der Zeit erheblich geändert (Größe der Kugel, Sortenvielfalt) etc. etc. Es gibt aber ein Gastronomie-Produkt, der sich in den letzten Jahrzehnten wenig geändert hat, auch über die Landesgrenzen hinweg, und zu welchem gesicherte Preisdaten vorliegen – ich spreche von McDonalds – Big Mac. Wie es viele wahrscheinlich wissen, erfasst der britische Economist seit 1986 einen Big Mac Index, in dem Big-Mac-Preise aus vielen Ländern dieser Welt zusammenfasst werden. Der primäre Zweck dieses Index, der mittlerweile große Popularität errungen hat und inzwischen von vielen Ökonomen in ihren wissenschaftlichen Aufsätzen benutzt wird, ist es, die Über- bzw. Unterbewertung der jeweiligen Landeswährungen gegenüber dem amerikanischen Dollar abzuschätzen, aber man kann es auch für die Inflationsabschätzung nutzen.

Was liegt also näher, als auf Basis von Preisen aus dem Big-Mac-Index eine Big-Mac-Inflation zu berechnen und diese der offiziellen Verbraucherpreisinflation gegenüberzustellen, um der etwaigen Verschwörung der Statistikbehörden auf die Spur zu kommen. Genau das habe ich für die Periode 1991-2012 für fünf verschiedene Länder getan, und hier ist das Ergebnis:

BigMacInflation

Das Ergebnis spricht für sich, denke ich, es gibt natürlich Unterschiede, es wäre auch merkwürdig, wenn es keine gäbe, denn der Verbraucherpreisindex erfasst wesentlich mehr Güter, als in einem Big Mac stecken, die Größenordnung dieser Unterschiede liegt aber zwischen -30% und +25% – keine Verschwörung erkennbar.

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