Paul de Grauwe über OMT

Wirtschaftswurm bespricht hier einen Artikel von Paul der Grauwe zum Thema OMT. Nachdem ich den Artikel selbst gelesen habe, kann ich diesen nur wärmstens weiterempfehlen. Das Funktionieren von Zentralbanken ist an sich ein schwieriges Thema und selbst manche namhaften Ökonomen verzapfen zum Thema oft ziemlichen Unsinn, so dass es nicht leicht ist, sich darüber zu informieren, weil man zuerst Spree von Weizen trennen muss. Ein Grund dafür ist u.a., dass die Zentralbanken selbst alles tun um ihre Arbeit für die Öffentlichkeit so undurchdringlich wie möglich zu gestalten – allein schon die Tatsache, dass sie sich als Banken „verkleiden“, obwohl sie keine sind, sondern (unabhängige) Regierungsinstitutionen, stiftet so manche Verwirrung beim Publikum. Da tut es gut, einmal einen Artikel zu lesen, wo die Zusammenhänge klar, deutlich und ohne offensichtliche Fehler dargestellt sind. Also lesen und genießen 🙂
Die Einwände von Wirtschaftswurm überzeugen mich im Gegenteil leider gar nicht, ich habe auch das starke Gefühl, dass er den Artikel nicht vollständig gelesen hat. Zu den Einwänden im Einzelnen:
Der erste Einwand lautet, dass die EZB, wenn sie mit den Staatsanleihen Verluste macht, keine Gewinne mehr an den Bundeshaushalt wird überweisen können. Das ist formal gesehen richtig, aber eben nur formal gesehen, denn nichts kann die EZB (in Abstimmung mit den EWU-Regierungen) daran hindern, die Verluste so zu verbuchen, dass kein buchhalterischer Verlust entsteht, z.B. als eine Ausgleichsforderung, bei der keine Verpflichtung zur Tilgung besteht. Wenn es nicht passiert, dann weil man es nicht will, und nicht weil ein objektiver Zwang besteht.
Der zweite Einwand wegen der Inflation überzeugt auch nicht, weil de Grauwe ja in seinem Artikel durchaus auf Instrumente verweist, die zur Kontrolle der Geldmenge eingesetzt werden können, wenn die konventionellen Offenmarktoperationen wg. fehlender Assets nicht (mehr) möglich sind (deshalb mein Gefühl, dass Wirtschaftswurm den Artikel nicht vollständig gelesen hat.):

It is sometimes argued that if the central bank has no assets (because of a default by the government), then it no longer has instruments to reduce the money stock. This may sometimes be necessary to reduce inflationary pressures. This argument does not hold water. There are two ways a central bank that lacks assets can reduce the money stock.

First, the central bank can issue interest-bearing bonds and sell them in the market.

This has the effect of reducing liquidity (money base).

Second, the central bank can raise minimum reserve requirements.

As a result, the existing stock of liquidity is ‚deactivated‘, which has the same effect of a decline in the money base.

Grundsätzlich erinnert mich die Diskussion zwischen den OMT-Anhängern und Gegnern ein wenig an eine Diskussion zwischen einem erwachsenen Menschen und einem trotzigen Kind. Während der Erwachsene die Diskussion mit rationalen Argumenten zu führen versucht, hält das Kind die Ohren zu und schreit: „Nein, Nein,Nein! So was höre ich mir nicht an! Man darf kein Geld drucken! Man darf keine Schulden machen!! Man darf keine Staatsanleihen kaufen!!!“. Es könnte lustig sein, wenn es nicht so traurig wäre.

Advertisements

2 Antworten zu “Paul de Grauwe über OMT

  1. Ausgleichsforderungen sind ein reiner Buchhaltungstrick. Sauber ist diese Lösung nicht. Wenn man einmal damit anfängt, kann das Vertrauen in die Zentralbank schnell dahin sein.
    Mein Punkt in Bezug auf die Inflation ist nicht so sehr, ob die Zentralbank die Geldmenge technisch reduzieren kann, mein Punkt ist, ob sie politisch dazu in der Lage sein wird, sollte es notwendig sein.

  2. „Ausgleichsforderungen sind ein reiner Buchhaltungstrick. Sauber ist diese Lösung nicht. Wenn man einmal damit anfängt, kann das Vertrauen in die Zentralbank schnell dahin sein.“

    Das ist richtig. Deshalb darf man so was auch nur in außergewöhnlichen Fällen tun, und Staatspleiten wären ein solcher außergewöhnlicher Fall. Präzedente gibt es aber – neben der Währungsreform 1948, wo das Vertrauen in die geschaffene Bundesbank keinesweigs unterminiert wurde, noch der Ausgleich der Währungsverluste der SNB 1971 nach dem Ende von Bretton Woods (http://www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/ref_20110928_tjn), auch die SNB besitzt bist heute durchaus Vertrauen. Das könnte vielleicht damit zu tun haben, dass nur 0,0000001 Prozent der Bevölkerung überhaupt weiß wovon wir hier reden und somit die restlichen 99,999999% in ihrem Vertrauen ungebrochen sind mit oder ohne Ausgleichsforderungen. Wesentlich schädlicher ist es, wenn EZB „vor Gericht“ steht, das wissen schließlich alle.

    „Mein Punkt in Bezug auf die Inflation ist nicht so sehr, ob die Zentralbank die Geldmenge technisch reduzieren kann, mein Punkt ist, ob sie politisch dazu in der Lage sein wird, sollte es notwendig sein.“
    Nun, das ist aus den Artikel nicht so ersichtlich 🙂 Aber sei es drum – grundsätzlich ist es natürlich richtig, dass die EZB (genau wie die übrigen Zentralbanken auch), ggf. politische Probleme kriegen könnte und deshalb Ihre Funktion nicht richtig erfüllen kann (und der Prozess von dem BVG ist ein Beispiel einer solchen versuchten Einflußnahme, wenn auch aus deutscher Sicht im „positiven“ Sinne), aber das Risiko besteht mit oder ohne OMT.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s