EZB-Reform nach Michael Burda und Robert Heusinger

Robert Heusinger macht via Herdentrieb auf seinen eigenen Artikel in der Berliner Zeitung aufmerksam. Im besagten Artikel preist er ein angeblich fast schon geniales Konzept von Michael Burda zur Reform der EZB. Das Konzept schlägt eine Reorganisation der EZB nach dem FED-Vorbild vor. Speziell sollen die nationalen Zentralbanken abgeschafft werden und stattdessen ähnlich der FED Bezirk-Notenbanken geschaffen werden, wobei die Bezirksgrenzen keinerlei Bezug mehr zu den Nationalstaatgrenzen haben sollen. Besonders freut es Herrn Heusinger anscheinend, dass dadurch zusammen mit anderen Zentralbanken auch die Bundesbank eliminiert wird, deren Engstirnigkeit auch mich oft hochgradig nervt. Die angeblichen Vorteile des Konzepts fasst folgender Absatz aus dem BZ-Artikel von Herrn Heusinger zusammen:

Die Zahlungs- und Leistungsbilanzsalden zwischen den Ländern würden keine Rolle mehr für die Geldpolitik spielen. Allein die privaten Kapitalströme würden für die Finanzierung von Überschüssen und Defiziten sorgen und letztlich dafür auch haften.

Nun, ich kann dazu nur folgendes fragen – warum? Meint Herr Burda (und Herr Heusinger mit ihm) denn wirklich, in den USA sind die Zahlungsbilanzsalden zwischen einzelnen Distrikten immer ausgeglichen, denn nichts anderes meint das obige Zitat (vgl. meinen Beitrag zu Target2 und Zahlungsbilanzen). Wenn er wirklich „einer der Experten der Euro-Krisendebatte“ ist, dann weiß er es bestimmt besser – denn selbstverständlich kann es auch zwischen den FED-Distrikten unausgeglichene Zahlungsbilanzsalden geben, die dann durch sogenannte ISA-Salden (das FED-Analog zu Target2-Salden) finanziert werden. Und während der Finanzkrise sind diese Salden auch prompt sprunghaft angestiegen, genauso wie die Target2-Salden in der Euro-Zone. Für Interessierte – eine gute Kurzeinführung (in englisch) ins ISA-System findet man hier. In den USA gibt es allerdings außer der FED noch einen anderen mächtigen Kompensationsmechanismus für Ungleichgewichte dieser Art, nämlich den Bundesstaat mit seiner Einlagensicherung, Arbeitslosenversicherung, Infrastrukturinvestitionen,Schuldenaufnahme etc.,etc. , so dass das Problem nie solche Ausmaße annahm, und annehmen konnte, wie in der Eurozone.
Es bleibt also festzuhalten – das Zahlungsbilanzproblem, das in der Tat den Kern der Euro-Krise bildet wird durch ein FED-ähnliches System in keinster Weise gelöst. Wohl aber wird es verschleiert, denn während Bundesbank-Target2-Salden Deutschland gehören und ein Teil von dessen Auslandsvermögen bilden, ist die Zuordnung bei länderübergreifenden Bezirksnotenbanken eben nicht so eindeutig. Wahrscheinlich würde es in diesem Fall einen Schlüssel geben (mit dazugehörigen Streitereien), nach dem die Geld-Vermögen der einzelnen Bezirke auf die beteiligten Länder zu verteilen wären, analog der heute schon existierenden Verteilung der EZB-Gewinne auf die einzelnen Nationalzentralbanken. Man könnte fragen, wie man diese „Eigentum“-Probleme in den USA löst. Die Antwort ist – gar nicht. Oder kann jemand sagen wie groß das „Außenvermögen“ von Kalifornien ist? Die USA sind allerdings ein Bundesstaat, da rechnet man zwischen den einzelnen Landesteilen eben nicht so genau ab, auch deshalb, weil die Bewohner davon ausgehen, dass der gemeinsame Staat bestehen bleibt, so dass auf lange Frist alles ausgeglichen wird. EWU ist dagegen ein Nationalstaatenbund, und die Bewohner dieser Nationalstaaten haben den Wunsch, und auch ein berechtigtes Interesse, zu wissen, was ihres ist. Da wird eben ganz genau abgerechnet, wie die Animositäten der vergangenen drei Jahre sehr gut gezeigt haben. Und diese Animositäten wird man mit Buchhaltungsakrobatik leider nicht los.

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