Volksvermögen

Nachdem ich mit meinem letzten Beitrag fertig war, habe darüber nachgedacht, ob es viellecht doch eine sinnvolle Möglichkeit gäbe das Vermögen zweier Länder und damit indirekt auch deren Bürger zu vergleichen. Es stellt sich heraus, dass die Statistiker auch dafür einen Begriff haben – es handelt sich um das Volksvermögen.  Das Volksvermögen eines Landes definiert sich durch folgende Gleichung:

Volksvermögen = Vermögensgüter + Nettoauslandsvermögen

Die Vermögensgüter schließen den Kapitalstock eines Landes mit ein, aber auch solche wesentlich schwieriger zu bewertende Dinge wie Grund und Boden, Bodenschätze, Wasserreserven, Patente, Nutzungsrechte etc. etc. etc.

Man ahnt schon wahrscheinlich, dass es leicht ist das Volksvermögen zu definieren aber weit schwieriger dasselbe vernünftig zu bestimmen oder gar international zu vergleichen. Und in der Tat, Angaben beim Eurostat sind praktisch nicht existent (zumindest konnte ich keine finden), so dass meine ursprüngliche Intention einen Vergleich des  Volksvermögens pro Kopf innerhalb der EWU anzustellen sich in Luft ausgelöst hat.

Andererseits, wir haben ja schon einen Indikator für den Reichtum eines Landes – nämlich das Volkseinkommen – für einen weiteren, noch dazu weit schwieriger zu bestimmen, lohnt sich die Mühe m.E. gar nicht.

Eine weitere Möglichkeit die Volksvermögen international zu vergleichen wäre es, übrigens, die Unternehmens- und Vermögenseinkommen als Proxy zu benutzen, schließlich kann man argumentieren, dass der „wahre“ Wert eines Vermögensguts, im Gegensatz zum Marktwert, welcher oft irrationalen Schwankungen unterliegt,   sich am Einkommen aus demselben orientieren müsste.

Update: Chaosökonom hat mich in einem Kommentar auf dem Wirtschaftswurm-Blog auf diese Quelle bei der Weltbank hingewiesen. Die neuesten Zahlen sind hier für das Jahr 2005, also relativ alt. Ich habe daraus zwei Diagramme generiert:

Bruttovolksvermögen (enspricht der obigen Definition):

Nettovolksvermögen = Kapitalstock + Nettoauslandsvermögen:

Detschland befindet sich, wie man sieht, in beiden Fällen etwa im Mittelfeld. Ich persönlich bevorzuge das zweite Diagramm, weil mir die Zahlen zum „intangible wealth“ viel zu unsicher/willkürlich scheinen.

Update2:  Habe gerade bemerkt, dass Paul der Grauwe (einer von Hans-Werner-Sinns schärfsten Kritiker in der Target2-Debatte) sich in die Diskussion eingeschaltet hat.   Hier ist sein Artikel zum Thema.

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