Die EZB-Vermögensstudie und der Trugschluß der Komposition

In der zuletzt in der deutschen Medien- und Bloglandschaft tobenden Diskussion über die EZB-Vermögensstudie ist m.E. eine durchaus nicht unwichtige Frage noch nicht gestellt worden – nämlich, ob es überhaupt zulässig ist vom Reichtum der einzelnen Privathaushalte auf den Reichtum einer Volkswirtschaft zu schließen. In diesem Beitrag werde ich, anhand eines einfachen Beispiels, zeigen, dass ein solcher Schluss überhaupt nicht zulässig  ist und dass diejenigen, die ihn ziehen (siehe z.B. diesen FAZ-Artikel), einem klassischen Trugschluß  der Komposition erliegen.

Betrachten wir zwel Länder A und B mit jeweils drei Haushalten.  Das Vermögen der Haushalte setzt sich aus zwei Aktiva-Arten zusammen – Staatsanleihen des jeweiligen Landes und Sachkapital (Immobilien,  Maschinen usw.). Es gibt keine Banken , keine Unternehmen und die Aktiva werden nur von Inländern gehalten.  Im Einzelnen sieht die Vermögenszusammensetzung der Haushalte wie folgt aus:

Land A:

/ Sachkapital Staatsanleihen Gesamt
Haushalt 1 5.000 EUR 5.000 EUR 10.000 EUR
Haushalt 2 10.000 EUR 10.000 EUR 20.000 EUR
Haushalt 3 40.000 EUR 40.000 EUR 80.000 EUR

Land B:

/ Sachkapital Staatsanleihen Gesamt
Haushalt 1 5.000 EUR 20.000 EUR 25.000 EUR
Haushalt 2 20.000 EUR 40.000 EUR 60.000 EUR
Haushalt 2 25.000 EUR 50.000 EUR 75.000 EUR

Jetzt kommt die (gemeinsame)  Statistibehörde beider Länder auf die Idee Umfrage zur Vermögenssituation der Haushalte durchzuführen. Die Ergebnisse der Umfrage zusammen mit einigen volkswirtschaflichen Kennzahlen sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Land Sachkapital Staatsverschuldung Haushaltsvermögen Median Haushaltsvermögen Durchschnitt
Land A 55.000 EUR 55.000 EUR 20.000 EUR 36.667 EUR
Land B 50.000 EUR 110.000 EUR 60.000 EUR 53.334 EUR

Nun sieht es auf den ersten Blick so aus, dass das Land A und seine Bewohner viel ärmer sind als das Land B und dessen Bewohner  –  20.000 EUR zu 60.000 EUR beim Medianhaushaltsvermögen und 36.667 EUR zu 53.334 EUR beim Durchschnittshaushaltsvermögen. Auf den zweiten Blick jedoch kann man unschwer erkennen, dass der angebliche Reichtum des Landes B auf der, für das Land B eher ungünstigen, Tatsache fußt, dass dessen Staatsverschuldung doppelt so hoch ist wie beim Land A. Die Staatsverschuldung ist aber (in unserem Beispiel zumindest) nur das Geld das die Bewohner eines Landes sich selbst schulden und damit irrelevant. Worauf es ankommt, ist das Sachkapital – und hier liegt das Land A vorn mit 55000 EUR zu 50000 EUR.

In der realen EU ist das Bild natürlich weit komplexer – hier gibt außer dem Haushaltssektor und dem Staat noch den Bankensektor und den Unternehmenssektor, zudem werden Aktiva auch von Ausländern gehalten. Aber der grundsätzliche Schluß bleibt – vom Vermögen der einzelner Haushate auf die ganze Volkswirtschaft zu schließen ist dumm.

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