Die Basarökonomen sind zurück

Nachdem die Target2-Debatte langsam abgeflaut ist,  bereitet man  in den Tiefen des Ifo-Instituts anscheinend eine neue Sau vor, um diese dann mal wieder durch die deutsche Medienlandschaft zu treiben – siehe diesen Artikel in der WELT. Der Artikel vermeldet stolz, dass durch das Ifo-Institut  das deutsche Export-Monster endlich „entzaubert“ ist.  Wenn man dann ein wenig im Internet stöbert, findet man auf der Seite des Ifo-Instituts recht schnell diesen Artikel, in welchem man dann die Details der großen Enthüllung bewundern darf. Insgesamt ergibt sich das vom H.W. Sinn und seinem Institut gewohnte Muster:

  • Man nehme eine reichlich triviale Tatsache und „entdecke“ sie neu
  • Man definiere einen allgemein bekannten Begriff um und behaupte dann, alle anderen würden diesen Begriff falsch definieren
  • Man arbeite mit den Medien zusammen, um möglich reißerische Schlagzeilen zu produzieren und den Sachverhalt für die Öffentlichkeit noch verwirrender zu machen als es ohnehin schon ist.
  • Nachdem sich weitere Experten zu Wort melden und fragen was das ganze soll, behaupte man, dass alles ganz anders gemeint war und das man für die Medien nicht verantwortlich sei.
  • Nach einer langen und vetrackten Debatte, an deren Ende kein Teilnehmer mehr weiß, worum es eigentlich geht, schreibe man dann ein (gut verkauftes) Buch und genieße den Ruhm.

In unserem konkreten Fall wurde der Muster wie folgt umgesetzt:

Triviale Tatsache –  Hiervon gibt es gleich zwei.  Erstens: in den Exporten eines Landes werden in einer international vernetzten Volkswirtschaft Importe aus anderen Ländern  verwendet.  Zweitens: die Größe des bilateralen Handelssaldo zwischen zwei  Ländern sagt nichts über das Handelssaldo jedes Landes gegenüber dem Rest der Welt (inkl. des zweiten Landes) – reine Arithmetik auf dem  Grundschulniveau.

Begriffsneudefinition – in dem Ifo-Artikel wird der Begriff der Handelsbilanz mit Hilfe eines neuen Begriffs  eines „Wertschöpfungsgehalt“ umdefiniert. Daraus ergeben sich Werte für die bilateralen Handelsbilanzen, die,  keine Überraschung, von denen nach der üblichen Definition berechneten  abweichen. Keine Änderung ergibt sich aber bei den Handelsbilanzen einzelner Länder mit dem Rest der Welt – ein Monster bleibt also ein Monster. Diese Tatsache erwähnt das Papier aber nicht explizit – wozu auch, darum geht es ja gar nicht.

Schlagzeilen:  In der Welt und in der deutschen Ausgabe des Wall Street Journals. Mal sehen ob weitere nachziehen, deutsche Medien lieben es voneinander abzuschreiben – spart Kosten.

Die Diskussion und das Buch fehlen noch – mal schauen, ob der Trick  diesmal gelingt. Soweit also nichts neues. Eine Frage drängt sich einem aber doch auf – müssen die Steuerzahler, um die sich H.W. Sinn ja bekanntlich rührend sorgt, diese Zahlenspiele wirklich bezahlen?

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