Geld

Letzte Woche hatte ich einen kurzen Meinungsaustausch mit JP Koning über sein Verständnis von „Moneyness“.  Obwohl ich jetzt verstanden habe, was er mit diesem Adjektiv meint,  deckt es sich überhaupt nicht mit meinem Verständnis des Begriffs „Geld“.  Auch zuvor habe ich schon festgestellt, dass die moderne VWL ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Geld hat.  Sofern Geld in den Modellen überhaupt auftaucht, was keineswegs immer der Fall ist,  druckt man sich meistens erfolgreich um Definition desselben herum.  In den speziellen Fällen,  wo man sich mit Geld tatsächlich explizit beschäftigt,  hat das Geld aus dem Modell heutzutage so gut wie keine Ähnlichkeit mit dem Geld im realen Leben,  zumindest war es mein Eindruck, nachdem ich versucht habe „Interest and Prices“ von Michael Woodford zu lesen,  der immerhin als DER führende Geldtheoretiker gilt.
Da ich vorhabe in diesem Blog viel über geldbezogene Themen zu schreiben,    halte ich es für sinnvoll von vornherein zu erklären, was ich selbst unter Geld verstehe und damit ein Ausgangspunkt für spätere Artikel zu schaffen.
Was wird also in diesem Blog mit dem Begriff „Geld“ gemeint?  Die VWL-Lehrbücher definieren Geld als alles, dass folgende drei Geldfunktionen erfüllt:

  • Zahlungsmittelfunktion
  • Wertaufbewahrungsfunktion
  • Recheneinheitsfunktion

In diesem Blog ist die erste Funktion dafür ausschlaggebend,  ob ein Artefakt als Geld bezeichnet werden kann oder nicht.  So sind z.B. Staatsanleihen, die sehr gut als Wertaufbewahrungsmittel dienen können, kein Geld,  weil sie als Zahlungsmittel nicht verwendet werden.  Das gleiche gilt auch für Festgeld-Einlagen, die von der EZB als Bestandteil des M3-Geldmengenaggregates geführt werden – auch diese können nicht als Zahlungsmittel verwendet werden und sind in diesem Sinne kein Geld.  Die übrigen zwei Funktionen sind aus meiner Sicht für die Definitionszwecke eher sekundär, da sie sich aus der ersten ergeben – von künstlichen Beispielen abgesehen,  kann alles was als Zahlungsmittel dient auch zur Wertaufbewahrung dienen,  indem man das Zahlungsmittel für spätere Verwendung hortet.  Und, wenn ein Zahlungsmittel in einer Gesellschaft allgemein akzeptiert ist,  ergibt sich die Recheneinheitsfunktion von selbst.
Auf unsere Gesellschaft angewandt, erfüllen folgende zwei Artefakte die Zahlungsmittelfunktion:

  • Bargeld im Besitz der Nichtbanken
  • Einträge auf Girokonten bei Geschäftsbanken

Nur diese Artefakte können damit als Geld bezeichnet werden. Die EZB übrigens fasst die beiden Artefakte im Geldmengenaggregat M1 zusammen – das wäre also DIE Geldmenge im Sinne von diesem Blog.

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Eine Antwort zu “Geld

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